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Symbolbild: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Ein neuer Service für Krankschreibungen per WhatsApp stößt bei Ärztevertretern auf Kritik
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BR24 Redaktion
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Symbolbild: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Ein neuer Service für Krankschreibungen per WhatsApp stößt bei Ärztevertretern auf Kritik

Ein neuer Service für Krankschreibungen per WhatsApp stößt bei Ärztevertretern auf Kritik. Die Ärztekammern in Hamburg und Schleswig-Holstein raten von der Nutzung des Online-Angebots eines Hamburger Start-ups ab - "allein schon aus datenschutzrechtlichen Gründen", so der Ärztliche Geschäftsführer der schleswig-holsteinischen Kammer, Carsten Leffmann. Ähnlich äußerte sich Nicola Timpe von der Ärztekammer Hamburg. Zudem müsse die rechtliche Grundlage des Online-Angebots noch geklärt werden, sagte sie. Auch könne es sein, dass Arbeitgeber eine solche Krankschreibung nicht anerkennen.

Wenige haben bisher WhatsApp-Krankschreibung genutzt

Die Firma AU-Schein bietet seit der Woche vor Weihnachten Erkälteten Krankschreibungen per WhatsApp für neun Euro an, bis zum Donnerstag nutzte diesen Service allerdings erst ein Dutzend Erkrankte.

Anbieter sieht Datenschutz in WhatsApp gewährleistet

Für die Krankschreibung muss im Internet zunächst ein Formular ausgefüllt werden, in dem die klassischen Erkältungssymptome abgefragt werden. Die weitere Kommunikation mit einer Ärztin - inklusive persönlicher Daten und Foto der Versichertenkarte - erfolge dann über den verschlüsselten Messenger-Dienst und entspreche damit auch der Datenschutz-Grundverordnung, sagte Firmengründer Can Ansay. Möglich sei dieses Angebot durch die im vergangenen Jahr erfolgte Lockerung des sogenannten Fernbehandlungsverbots. Auch müssten die Krankschreibungen Rechtsgutachten zufolge von den Kassen anerkannt werden, selbst wenn diese von einer Privatärztin ohne Kassenzulassung ausgestellt würden, sagte er.

Erkältungen seien für Telemedizin optimal geeignet

Erkältungen seien für Telemedizin optimal geeignet, da sie in der Regel ungefährlich und für den Arzt zumeist auch ohne persönlichen Kontakt diagnostizierbar seien. "Es geht ja damit niemand zum Arzt, wenn er nicht Komplikationen hat oder eben eine Krankschreibung braucht."

WhatsApp-Ärtzin muss in Schleswig-Holstein sitzen

Ansay verwies auf die Berufsordnung der Ärztekammer Schleswig-Holstein, die im Gegensatz zur Muster-Berufsordnung der Bundesärztekammer einen weitreichenderen Einsatz der Telemedizin zulasse. Deshalb fahre seine Ärztin, die über keine eigene Praxis und auch keine kassenärztliche Zulassung verfüge, täglich von Hamburg über die Landesgrenze nach Schleswig-Holstein, um dort die Online-Krankschreibungen zu bearbeiten.

Ärztekammer rät von dieser Art Krankschreibung ab

Eine Krankschreibung via WhatsApp habe die Kieler Kammer bei der Regelung der Berufsordnung nicht im Auge gehabt, sagte Leffmann. "Ich sehe schon einen Unterschied zwischen einer Fernbehandlung und der Fernausstellung eines Dokuments." Zudem gebe es bereits sichere technische Lösungen speziell für die Telemedizin, die in Zukunft weiter ausgebaut werden müsse. "Von den Angeboten global agierender Unternehmen wie WhatsApp oder Skype rate ich in diesem Zusammenhang aber ab."

Tricksereien ausschließen: Nur zwei WhatsApp-Krankschreibungen pro Jahr

Timpe warnte, dass misstrauische Arbeitgeber die Anerkennung einer mittels WhatsApp ausgestellten Krankschreibung verweigern könnten. "Dann muss das letztendlich vor einem Arbeitsgericht entschieden werden." Ansay zufolge haben Umfragen ergeben, dass bisher schon unter den Krankgeschriebenen "circa zehn Prozent Blaumacher" sind. "Inklusive Dunkelziffer dürfte der Anteil bei 20 Prozent liegen." Um Tricksereien keinen Vorschub zu leisten, sei sein Angebot auf maximal zwei Krankschreibungen pro Jahr beschränkt. Letztlich gelte aber für Whatsapp wie für den Arztbesuch: "Jeder Patient, der bewusst falsche Angaben macht, begeht einen Betrug."