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Krankenkassen warnen vor höheren Beiträgen | BR24

© BR/Julia Müller

Etliche Gesundheitskarten liegen auf Geldscheinen

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    Krankenkassen warnen vor höheren Beiträgen

    Noch können die meisten gesetzlichen Krankenkassen von teilweise hohen Rücklagen zehren. Aber der Spitzenverband warnt: Weil die Ausgaben massiv steigen, müssten die Versicherten schon ab kommendem Jahr mit höheren Beiträgen rechnen.

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    Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen sind in letzter Zeit stark gestiegen. Laut dem Spitzenverband GKV haben die Kassen 2019 zum ersten Mal seit einigen Jahren wieder ein Defizit ausweisen müssen - von insgesamt rund einer Milliarde Euro. Nur weil hohe Rücklagen da seien, habe es zu Beginn dieses Jahres kaum Beitragserhöhungen gegeben, so der GKV.

    Höhere Beiträge vielleicht schon ab 2021

    Der Verband rechnet damit, dass es schon im kommenden Jahr anders aussehen könnte. "Wenn die Rücklagen erst mal aufgebracht sind, führt kein Weg an höheren Beiträgen vorbei", sagte Gernot Kiefer, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbandes, der "Welt am Sonntag". Dafür verantwortlich macht Kiefer Reformen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

    "Allein in diesem Jahr rechnen wir aufgrund des Terminservicegesetzes und des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes mit fünf Milliarden Euro Mehrausgaben." Gernot Kiefer, stellvertretender Vorstandschef des GKV-Spitzenverbandes

    Beide angesprochenen Gesetze sind im Laufe des vergangenen Jahres in Kraft getreten. Das erste zielt darauf ab, dass gesetzlich Versicherte schneller an Termine bei Ärzten oder Therapeuten kommen. Das zweite sieht Fördermittel dafür vor, dass zum Beispiel Altenheime mehr Pflegekräfte einstellen.

    Spahn spricht von unechtem Defizit

    Spahn sieht die Lage freilich deutlich gelassener als der GKV. Sein Ministerium weist darauf hin, dass die Rücklagen der Kassen Ende September 2019 bei rund 20,6 Milliarden Euro gelegen haben: Das ist etwas das Vierfache der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestreserve. Das Minus der Kassen im vergangenen Jahr nennt Spahn deshalb ein "unechtes Defizit". In Wirklichkeit würden ja nur die Rücklagen abgebaut, wozu die Kassen ohnehin angehalten seien.

    Experte: Keine Panikmache!

    Und auch Experten warnen vor Panikmache. Die "Welt am Sonntag" zitiert den Gesundheitswirtschaftler Jochen Pimpertz vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Nach seinen Worten erwartet der Schätzerkreis des Bundesversicherungsamtes zumindest kurzfristig keine extremen Ausschläge.

    Unbestritten sei allerdings, dass die Ausgaben der gesetzlichen Kassen langfristig steigen werden, und zwar überdurchschnittlich stark. Das liege aber nicht in erster Linie an neuen Gesetzen, sondern am medizinisch-technischen Fortschritt, ein einer unwirksamen Steuerung des Gesundheitssystems und daran, dass die Bevölkerung immer älter werde.