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"Die Pannenchefin": AKK und die Medien

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Kramp-Karrenbauers schwieriges Verhältnis zu den Medien

Die Thüringen-Wahl war für die CDU eine große Niederlage. Einräumen muss das vor allem auch die Parteivorsitzende. Annegret Kramp-Karrenbauer steht mal wieder in der Kritik. Wie steht es um ihr Verhältnis zu den Medien?

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Pressekonferenz im Konrad-Adenauer-Haus am Montag. Nach der Wahl in Thüringen muss sich die Vorsitzende der CDU erklären, muss ihre Partei und sich verteidigen. Gedankenspiele über die Zukunft der CDU-Spitze und damit auch ihre eigene verschiebt sie in den Dezember: "Ich bin dieser Verantwortung in dieser Debatte bisher gerecht geworden. (…) Und wer immer meint, die Frage müsse jetzt in diesem Herbst entschieden werden, der hat auf dem Bundesparteitag dazu Gelegenheit", so Annegret Kramp-Karrenbauer.

Strategin ohne Gespür für die Hauptstadtpresse

Im Dezember vergangenen Jahres hatte sich Annegret Kramp-Karrenbauer gegen die parteiinternen Konkurrenten Jens Spahn und Friedrich Merz durchgesetzt. Seitdem steht sie unter Beobachtung. Reporter sagen das am Rande der Pressekonferenz ganz offen: "Wir sind dafür da, letztendlich zu beschreiben, was ist. Und wenn die Steilvorlage kommt, dann kann man sie auch ins Tor kicken", sagt etwa der Korrespondent des Fernsehsenders Welt, Michael Wüllenweber.

Steilvorlagen liefert Kramp-Karrenbauer immer wieder. So wie Anfang dieses Jahres. Damals ging es bei einem Interview in den "Tagesthemen" um die Lehren aus der Flüchtlingspolitik.

Auszug aus den Tagesthemen vom 11.02.2019: Ingo Zamperoni: "Heißt das dann, Sie wollen die deutsche Grenze dicht machen?" AKK: "Wir haben gesagt, als Ultima Ratio wäre das durchaus denkbar."

Der CDU-Chefin wird diese Ansage als Bruch mit der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel, ihrer Vorgängerin an der Parteispitze, ausgelegt. Und als Fehler. Zur Fastnacht machte sich die Saarländerin zudem über das dritte Geschlecht lustig. Weitere Toiletten seien für Männer, die sich nicht zwischen Stehen und Sitzen entscheiden könnten.

Bis zum Einschränken der Meinungsfreiheit

Nach dem "Zerstörungs-Video" des Youtubers Rezo denkt sie laut über die Einschränkung der Meinungsfreiheit nach – und rudert zurück. Und auch nach dem rechtsextremen Anschlag in Halle irritiert sie die Öffentlichkeit. In ihrer Kondolenzbotschaft nennt sie den Vorfall ein "Warnzeichen".

Kommentatoren finden das verharmlosend und kritisieren das erst in sozialen Netzwerken, dann in klassischen Medien, erinnert sich Phoenix-Reporter Gerd-Joachim von Fallois: "Die deutsche Sprache hält natürlich da auch ein paar andere Begriffe für bereit, aber sie hat halt diese Begriffe gewählt. Man wollte sie da auch runterschreiben."

Verständnis für die Frau aus dem Saarland

Einige Berlin-Korrespondenten springen der CDU-Chefin durchaus bei. "Ich finde, dass an sie enorm strenge Maßstäbe angelegt werden", sagt etwa die Leiterin des Berliner Büros der "Rheinischen Post", Eva Quadbeck. Das habe sie sich aber in Teilen selbst zuzuschreiben.

"Ihr ist eine enorme Pannenserie in diesem Jahr unterlaufen, eine nach der anderen", so Quadbeck. Und damit habe sie sich selbst in eine Spirale hineingebracht, die jetzt dazu führe, dass sich alles für sie negativ drehe, und eigentlich egal sei, was sie sagt, jedes Wort werde auf die Goldwaage gelegt.

Das, sagt Korrespondentin Quadbeck, sei dann nicht immer fair, das Problem aber eben auch hausgemacht. Dazu zählt sie – wie viele – auch den schnellen Wechsel aus dem vergleichsweise beschaulichen Saarland auf das doch harte Berliner Parkett: "Man hat, wenn man ein so kleines Bundesland regiert, auch mehr Möglichkeiten, einfach mal über das nachzudenken, was man eigentlich sagt und was eigentlich die Strategie ist." Sie habe AKK immer als eine strategische Person wahrgenommen und als eine Frau, die die Dinge vom Ende her denke. Das gelinge ihr in Berlin ob des Tempos einfach nicht mehr.

Keine Reaktion ist auch ein Statement

Trotz einer Anfrage sowohl in der vergangenen Woche als auch vor Ort nach der Thüringen-Pressekonferenz: Kramp-Karrenbauer möchte über ihre Erfahrungen mit den Medien derzeit nicht sprechen.

Die Reporter beobachten unterdessen: Die CDU-Chefin versuche, das Risiko für verbale Fehltritte so gut es geht einzudämmen. Pressekonferenzen wie die am Montag nach der Thüringen-Wahl seien kurz und Fragen kaum zugelassen.

Stefan Lange, der seit diesem Jahr für die "Augsburger Allgemeine" aus Berlin berichtet, sieht dennoch weitere Stolperfallen: "Eine war heute nach unserer Beobachtung unter Kollegen, dass sie selber vorbrachte, dass es eine Debatte über sie gibt." Da habe sie im Grunde genommen schon eine Tür aufgemacht. Das sei schwierig wieder einzuholen.

Und so ist Kramp-Karrenbauer für viele Journalisten bis auf Weiteres das, was die "Süddeutsche Zeitung" schon im Mai über sie schrieb: "Die Pannenchefin".