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Annegret Kramp-Karrenbauer
© dpa-Bildfunk/Christian Charisius

Autoren

Jasper Ruppert
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Annegret Kramp-Karrenbauer

Die Entscheidung ist gefallen: Annegret Kramp-Karrenbauer tritt die Nachfolge von Angela Merkel als CDU-Chefin an. In der entscheidenden Stichwahl setzte sie sich gegen Friedrich Merz durch. AKK erhielt 517 der 999 Delegiertenstimmen und damit 52 Prozent. Für Merz votierten 482 Delegierte (48 Prozent).

Im ersten Wahlgang konnte keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen. Annegret Kramp-Karrenbauer erhielt 450 Stimmen und damit 45%, gefolgt von Friedrich Merz (392, 39%) und Jens Spahn (157, 16%).

Vor der Wahl hatten alle drei Kandidaten noch einmal 20 Minuten Zeit, sich in einer Rede um den Vorsitz zu bewerben. Den Anfang machte Kramp-Karrenbauer.

Kramp-Karrenbauer: "Raus aus der Komfortzone"

Die Generalsekretärin erläuterte zunächst ihre eigene Geschichte. Sie sei 1981 in die CDU eingetreten, weil sie die einzige Partei war, "die nicht den Schwarzmalern hinterher gelaufen" sei. Kramp-Karrenbauer forderte mehr Debattenkultur - die CDU müsse "raus aus der Komfortzone", um die Probleme des Landes anzugehen. Die Generalsekretärin wehrte sich gegen Stimmen, die behaupten, sie sei eine Kopie von Angela Merkel. Zugleich verteidigte sie ihren Merkel-ähnlichen Stil: Es käme mehr "auf innere Stärke als auf äußere Lautstärke" an.

Achim Wendler, Leiter des BR-Hauptstadtstudios

Achim Wendler, Leiter des BR-Hauptstadtstudios

Annegret Kramp-Karrenbauer

Annegret Kramp-Karrenbauer

Friedrich Merz

Friedrich Merz

Merz will "Agenda für die Fleißigen"

Der frühere CDU-Fraktionschef Friedrich Merz widmete sich in seiner Rede besonders dem politischen Gegner von rechts. "Dieser Zustand ist unerträglich", sagte Merz über die Tatsache, dass die AfD inzwischen in allen Länderparlamenten vertreten und im Bundestag die größte Oppositionspartei ist. In Bezug auf Leistungsträger in der Gesellschaft kündigte Merz eine "Agenda für die Fleißigen" an. Seine Partei forderte er auf, "eine gesunde Streitkultur" zu entwickeln. Zugleich kritisierte er, dass die Union beispielsweise beim Thema der inneren Sicherheit den Menschen keine ausreichenden Antworten gebe.

Spahn: Partei muss für Jüngere attraktiver werden

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigte den Delegierten anschließend seine Vision auf, wie Deutschland im Jahr 2040 aussehen könnte. Der wichtigste Punkt sei für ihn dabei die gesellschaftliche Freiheit, die heute "unter Druck von linken Moralisten […] von rechten Radikalen" sei. Auch er äußerte sich zur Debattenkultur der Partei. Die Regionalkonferenzen der letzten Wochen hätten die Partei belebt – der Parteitag dürfe deswegen "kein Endpunkt, sondern ein Startpunkt für mehr Debatte sein". Spahn schloss mit einem Appell, die Partei müsse für jüngere Menschen attraktiver werden.

Jens Spahn

Jens Spahn

Erste Kampfabstimmung seit 1971

1.001 Delegierte haben im ersten Wahlgang in der Hamburger Messehalle über den neuen Vorsitzenden der Partei abgestimmt. Die Wahl ist geheim. Es ist erst die zweite Kampfabstimmung um den Vorsitz in der Geschichte der Partei. 1971 bewarben sich Rainer Barzel und Helmut Kohl um den Posten – Barzel gewann.

Angela Merkel tritt nach 18 Jahren an der Spitze der Christdemokraten ab. In ihrer Abschiedsrede als CDU-Chefin am Vormittag bedankte sie sich bei der Partei und verteidigte ihre Bilanz. Nach ihrer halbstündigen Rede gab es minutenlang stehende Ovationen.

Enges Rennen zwischen AKK und Merz wurde erwartet

In den letzten Wochen hatten sich Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn auf mehreren Regionalkonferenzen den Parteimitgliedern der CDU gestellt. Kramp-Karrenbauer und Merz konnten auch mehrere prominente Parteivertreter für sich gewinnen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der ehemalige Sozialminister Norbert Blüm und der Arbeitnehmerflügel CDA sprachen sie beispielsweise für Kramp-Karrenbauer aus. Merz erhielt für seine Kandidatur die Unterstützung von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, EU-Kommissar Günther Oettinger und dem ehemaligen hessischen Ministerpräsident Roland Koch.

Jens Spahn wurden im Kampf um den Parteivorsitz seit Beginn des Rennens nur Außenseiterchancen eingeräumt.