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Kostüme im Fasching: Lustig oder rassistisch? | BR24

© Heiko Becker/HMB Media/dpa

Buntes Treiben bei der Fastnacht in Franken.

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    Kostüme im Fasching: Lustig oder rassistisch?

    Was für viele ein großer Spaß ist, kann für andere verletzend sein. Bestimmte Bräuche und Kostüme werden etwa als diskriminierend erlebt. Den meisten ist das nicht bewusst - sodass die Faschingszeit zur offenen Plattform für Rassismus werden kann.

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    Von
    • Suria Veit

    Indianer, Scheich oder Menschen die sich schwarz schminken (sogenanntes "Blackfacing") - das sind Verkleidungen, die man immer wieder im Fasching entdecken kann. Diese Kostümierungen empfinden viele jedoch als diskriminierende Stereotype.

    Das hänge mit den historisch kulturellen Hintergründen zusammen, erklärt Hamado Dipama, Referent für Antidiskriminierungs- und Antirassismusarbeit bei der AGABY, der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten und Integrationsbeiräte Bayerns: "Wenn zum Beispiel Ureinwohner von Amerika als 'Indianer' bezeichnet werden, obwohl wir wissen, dass 'Indianer' keine Selbstbezeichnung, sondern mit Kolonialismus verbunden ist und das hier trotzdem salonfähig gemacht wird, dann ist das natürlich sehr verletzend", so Dipama.

    Blackfacing hat kolonialistische Wurzeln

    Auch Blackfacing hat einen kolonialistischen Hintergrund. Im 18. Jahrhundert wurde Blackfacing in den USA populär. Damals bemalten sich weiße Menschen das Gesicht mit schwarzer Farbe, um in Unterhaltungsshows das Stereotyp eines schwarzen Sklaven darzustellen. Dabei wurde die Rolle oft dümmlich-naiv interpretiert und die Sklaverei stark verharmlost.

    Blackfacing an Fasching könnten also viele als rassistisch wahrnehmen. "Unserer Beobachtung nach ist Fasching eine Zeit, auf die viele warten, um diskriminierende Ansichten zu verbreiten", erklärt Dipama. "Das ist wie eine vorgegebene Zeit, in der alles erlaubt ist, wir müssen aber sagen Rassismus und Diskriminierung gehören nicht dazu."

    Kita will Stereotype vermeiden

    Aus Gründen der Sensibilität hat deshalb eine Erfurter Kita dieses Jahr gebeten, die Kinder am Rosenmontag und Faschingsdienstag nicht verkleidet in die Kita zu schicken. "Mit der Kostümierung der Kinder wird in den Einrichtungen des Studierendenwerks generell sehr bewusst und kultursensibel umgegangen", heißt es auf der Internetseite der Kita. "Dies ist einer der Bausteine des pädagogischen Konzepts, mit dem Stereotype vermieden werden sollen. Es wird Wert daraufgelegt, keine Bevölkerungsgruppe zu beleidigen oder Kindern falsche Bilder zu vermitteln."

    Dipama: "Frühe kultursensible Erziehung ist wichtig"

    Auch in München hat eine Kita im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, auf gewisse Kostüme, zu verzichten. Hamado Dipama erklärt, wie wichtig eine frühzeitige kultursensible Erziehung für Kinder ist: "Gerade in der heutigen Zeit (...) sollten wir als Gesellschaft sehr sensibel sein, vor allem was Kinder und Jugendliche anbelangt. Und das müssen wir ernst nehmen und versuchen, Klischeebilder nicht zu vermitteln."