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In Luxemburg laufen die letzten Vorbereitungen für ein verkehrspolitisches Großprojekt: Ab März soll der öffentliche Verkehr kostenlos werden. Und das ist erst der Anfang.

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Kostenloser ÖPNV: Luxemburg probt die Verkehrswende

In Luxemburg laufen die letzten Vorbereitungen für ein verkehrspolitisches Großprojekt: Ab März soll der öffentliche Verkehr kostenlos werden. Und das ist erst der Anfang.

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Es ist inzwischen fast jeden Morgen das Gleiche: Luxemburg erstickt geradezu im Stau. Im reichsten Land Europas kann man sich dann vor allem auf den Straßen rund um die Hauptstadt kaum noch fortbewegen. Das kleine Großherzogtum gehört zu den vier Ländern der Welt mit der höchsten Autodichte pro Einwohner.

Damit die Autos morgens auch mal stehen gelassen werden, lässt Luxemburg bald seine Busse, Bahnen und Trams kostenlos fahren:

"Es ist eine soziale und eine Imagemaßnahme, um die Nutzung des öffentlichen Verkehrs zu vereinfachen." Francois Bausch (Die Grünen), Verkehrsminister Luxemburg

Ab dem 1. März werden Fahrkartenautomaten abmontiert, Schalter geschlossen, Kontrolleure bekommen neue Aufgaben.

Kostenfrei allein reicht nicht

Es sei tatsächlich ein Anfang hin zu einer echten Verkehrswende, stellt auch Benny Mantin fest. Der Kanadier ist Verkehrswissenschaftler an der Universität Luxemburg. Mantin sagt aber auch, niemand solle davon ausgehen, dass von einem Tag auf den anderen die Busse und Bahnen aus allen Nähten platzen, nur weil die Nutzung kostenfrei wird. Es brauche nämlich mehr, damit alle ihre Autos auch wirklich stehen lassen.

"Ein Punkt ist tatsächlich der Preis, den schieben wir jetzt auf Null", sagt Mantin.

"Aber es ist eben nicht nur der Preis entscheidend, sondern auch noch: Wie lange brauche ich, wie oft werden die Verbindungen angeboten und wie bequem reise ich? Muss ich zum Beispiel umsteigen?" Benny Mantin, Verkehrswisenschaftler

All das spiele für die Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle, unterstreicht Mantin und zeigt auf eine kleine Bushaltestelle. Sie liegt nicht weit von seinem Arbeitsgebäude der Universität entfernt. "Ich bin heute hierhin mit einem einzigen Bus gekommen. Erst seit ein paar Monaten gibt es diese Linie, und ich konnte regelrecht miterleben, wie sich die Nutzung verändert hat."

In den ersten Tagen sei der Bus quasi leer gewesen, weil ihn niemand gekannt habe, berichtet Mantin. "Inzwischen ist er voll, weil die Leute nach und nach mitbekommen haben: Das ist einfach eine gute Verbindung."

Investitionen auch in den Nachbarländern

Luxemburgs Ampelkoalition aus Liberalen, Grünen und Sozialdemokraten versucht, genau das umzusetzen. Sie hat ein riesiges Investitionsprojekt aufgesetzt. Allein in die Züge sollen ab sofort jedes Jahr 600 Euro pro Einwohner fließen. Das ist fast doppelt so viel, wie sich das bisherige Musterland Schweiz seine Züge kosten lässt und gleich acht Mal so viel wie Deutschland bereit ist, für die Schiene auszugeben.

Die Luxemburger gehen noch weiter: Sie denken längst über die eigenen Grenzen hinaus, betont Verkehrsminister Bausch. Die Gleise würden beispielsweise bis nach Thionville in Frankreich ausgebaut, "wo wir die Grenzpendler auffangen wollen". Sein Land habe Projekte in Rheinland-Pfalz mitfinanziert und Züge bis nach Trier und darüber hinaus organisiert.

Die Kombination soll es richten

Dennoch sollte jetzt niemand nur von Edelmut der Luxemburger ausgehen. Der wirtschaftliche Erfolg des Großherzogtums hängt nämlich wie bei keinem zweiten EU-Land von seinen Grenzpendlern ab. Zu Zehntausenden fahren jeden Tag Franzosen, Belgier und Deutsche zum Arbeiten ins Land. Die Hauptstadt Luxemburg zählt deshalb an einem normalen Werktag doppelt so viele Menschen auf ihren Straßen und Plätzen, wie sie eigentlich Einwohner hat.

Damit die alle noch durchkommen und nicht, wie derzeit, ständig im Stau stecken bleiben, arbeitet die Regierung an einem völlig neuen System. Neben ausgebauten Straßen, Schienen, neuen Tramstrecken und Radschnellwegen werden auch Park-and Ride-Plätze angelegt.

Es bringe nichts, ein Verkehrsmittel zu verteufeln, erklärt Bausch. Die Lösung liege nicht in einem "Wundermittel", sondern in der "intelligenten Nutzung und Kombination aller Verkehrsmittel, die es gibt".

Luxemburg wächst wie kein anderes Land in Europa. Sollte hier wirklich ein deutlicher Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Verkehr gelingen, wäre das nicht nur eine Entlastung für das Land und die Region, sondern ein Signal für ganz Europa, dass es tatsächlich funktionieren kann.