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Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern eskaliert weiter

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Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern eskaliert weiter

Der Gaza-Konflikt heizt sich auf. Zwar gehen erste Berichte über den Einsatz von Bodentruppen wohl auf eine Kommunikationspanne der israelischen Armee zurück. Doch die Zahl auch ziviler Opfer steigt. Außenminister Maas erwartet "kritische Tage".

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Von
  • Tim Aßmann
  • BR24 Redaktion

Auf einer Intensivstation des Schifa-Krankenhauses in Gaza-Stadt werden Verletzte der israelischen Angriffe behandelt. Mohammad Abu Selmia, der Direktor der Klinik, berichtet von Schwerverletzten, auch Frauen, Kindern und alten Menschen.

Viele davon hätten Schrapnell-Wunden. "Wir mussten auch bei Kindern Amputationen von Armen oder Beinen vornehmen", erzählt der Arzt - und berichtet von der schwierigen Situation des Krankenhauses: Die in Gaza ohnehin schon häufigen Stromausfälle nähmen in Folge der Kämpfe zu. Der Klinik fehle es an Treibstoff für ihre Generatoren, an Medikamenten und anderer Ausrüstung.

Zuletzt 109 Tote und über 600 Verletzte im Gaza-Streifen

In der Nacht meldeten die Gesundheitsbehörden im Gaza-Streifen 109 Tote seit Beginn der Kämpfe am Montag und mehr als 600 Verletzte. Die Angriffe der israelischen Armee richten sich gegen die Hamas und andere bewaffnete palästinensische Gruppen, treffen im dicht besiedelten Gaza-Streifen aber häufig auch Zivilisten. Israel will die Angriffe fortsetzen.

Beschuss aus der "Eisernen Kuppel"

Regierungschef Benjamin Netanjahu besuchte eine Stellung des Luftabwehrsystems Eiserne Kuppel, das in den vergangenen Tagen sehr viele Raketen aus Gaza abgeschossen hat. Dabei sprach er von "großer Intensität" und erklärte, das letzte Wort sei noch nicht gesprochen.

"Die Abwehrkraft der Eisernen Kuppel erlaubt uns, die Attacken zu steigern. Die Armee hat jetzt schon hunderte Ziele angegriffen. Bald werden es mehr als 1.000 sein. Wir treffen die Hamas weiter und schützen unsere Bürger. Es wird dauern, aber mit großer Entschlossenheit, mit Abwehr und Offensive, werden wir unser Ziel erreichen – Ruhe für Israel." Israels Premier Benjamin Netanjahu

14.000 Reservisten warten auf Einsatzbefehl

Die Armee hat mittlerweile rund 14.000 Reservisten mobilisiert und Truppen entlang der Gaza-Grenze zusammen gezogen. Der Einmarsch von Bodentruppen, der irrtümlich von der Armee bereits gemeldet wurde, steht aber offenbar nicht unmittelbar bevor. Ein Militärsprecher sprach von "internen Kommunikationsproblemen". Israel will sein militärisches Ziel – eine wesentliche Schwächung der Hamas und anderer Gruppen - mit so wenig eigenen Verlusten wie möglich erreichen.

"Ich denke wirklich, dass ein paar Tage ausreichen können. Aber ich glaube nicht, dass sich die Frage darum drehen sollte, sondern wieviel Schaden wir Hamas zufügen können. Ich habe von der militärischen und der politischen Führung die Anweisung erhalten: Macht mit voller Kraft weiter. Ihr habt absolute Unterstützung und bekommt alles, was ihr braucht, um der Hamas weiter zuzusetzen." General Nimrod Aloni, Kommandeur einer im Grenzgebiet stationierte Division

Bombenalarm in zahlreichen israelischen Orten

In der Nacht flogen wieder Raketen auf zahlreiche israelische Orte. Besonders betroffen war erneut die Grenzregion zum Gaza-Streifen. Die Armee rief alle Einwohner im Umkreis von vier Kilometern von der Grenze dazu auf, in Schutzräume zu gehen und dort zu bleiben. In der Küstenstadt Ashkelon wurde ein Haus direkt von einer Rakete getroffen und ein Mann dabei schwer verletzt. In einem anderen Ort in Südisrael stürzte eine 87-Jährige auf dem Weg in einen Schutzraum und verletzte sich dabei tödlich. Die Zahl der israelischen Todesopfer lag in der Nacht bei acht. Hunderte wurden verletzt.

Wechselseitige Übergriffe zwischen Sicherheitskräften und Bewohnern

Unterdessen kam es in vielen Städten Israels erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen arabischen Einwohnern und Sicherheitskräften. In der Stadt Lod brannte erneut eine Synagoge. Es wurden auch wieder Übergriffe von jüdischen auf arabische Israelis und umgekehrt gemeldet.

Auch in Deutschland war es zuletzt zu anti-israelischen Aktionen gekommen. Nach Übergriffen auf Synagogen in Bonn und Münster war es in der Nacht auf Donnerstag auch eine israelische Flagge in Würzburg beschädigt worden.

Sicherheitsrat soll am Sonntag zusammentreffen

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) warf der radikalislamischen Hamas unterdessen eine bewusste Eskalation des Nahost-Konflikts mit "Raketenterror" gegen Israel vor. "Wir blicken kritischen Tagen entgegen", so Maas.

Eine zunächst für Freitag angedachte Sitzung des UN-Sicherheitsrates zur eskalierenden Gewalt in Nahost soll auf Bitten der USA nun am Sonntag abgehalten werden. Die Vereinigten Staaten hatten um eine Verschiebung gebeten, weil diplomatische Bemühungen andauerten und die geplante offene Sitzung diese nach Ansicht Washingtons hätte untergraben können. Der Sicherheitsrat hatte sich diese Woche bereits zwei Mal wegen der Eskalation zwischen Israelis und Palästinensern getroffen.

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Mohammed Talatene

Alexander Brakel leitet das Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem. Für ihn kommt der jüngste Ausbruch der Gewalt sehr unerwartet. Eine politische Lösung sei nicht in Sicht.

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