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Kommt jetzt ein "echter" Lockdown?

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Analyse: Kommt jetzt ein "echter" Lockdown?

Am kommenden Dienstag werden sich die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder ein weiteres Mal treffen, um über neue Corona-Maßnahmen beraten. Was droht? Eine Analyse.

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Von
  • Barbara Kostolnik

Von Panik auf der Titanic redet keiner. Aber Fakt ist: Die anhaltend hohen Zahlen und die Aussicht, dass sich die Virus-Mutationen aus Großbritannien, Südafrika oder Brasilien in Deutschland ausbreiten könnten, haben die Politik in erneute und erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Eigentlich sollten sich Kanzlerin und Regierungschefs erst wieder am 25. Januar treffen. Nun aber wird das Treffen vorgezogen.

Appell des Bundespräsidenten: Mehr Homeoffice!

Was genau besprochen wird, steht noch nicht fest. Aber es gibt Anhaltspunkte, dass die Mobilität der Bevölkerung eingeschränkt werden soll. Aus dem RKI kommen Modellrechnungen, die belegen, dass immer noch zu viele Menschen zu viel unterwegs sind und daher zu viele Kontakte haben.

Ein Mittel gegen zu viel Bewegung: Mehr Homeoffice. Das fordert auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er hat gemeinsam mit Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger und DGB-Chef Reiner Hoffmann einen Appell gestartet: "Wir müssen auch die Kontakte – wo irgend möglich – am Arbeitsplatz reduzieren. Weniger ist mehr – gerade in diesen Tagen. […] Unser gemeinsamer Aufruf an Unternehmen, Personalverantwortliche und Führungskräfte: Ermöglichen Sie das Arbeiten von zu Hause! Sie wissen am besten, wie es geht, wo es geht und wie es gelingt. Es ist nötiger denn je. Viele Arbeitskontakte lassen sich heute digital gestalten. Das ist nicht immer ideal, aber es schützt mit Sicherheit vor Ansteckung."

Bundesregierung hält am Ziel der Inzidenz 50 fest

Das Ziel der Bundesregierung bleibt weiterhin, eine durchschnittliche Inzidenz von 50 zu erreichen. Davon ist man allerdings bei derzeit 146 Fällen pro 100.000 Einwohner pro Woche weit entfernt. Ein mutiertes und deutlich ansteckenderes Virus könnte das Ziel in noch weitere Ferne rücken. Daher überlegen Kanzleramt und Länder neue Maßnahmen.

Der Regierungssprecher wörtlich: "Wir sind im Moment nicht schnell genug auf dem Weg zu diesem Zielwert, und das sollte uns Grund genug sein, um unsere Anstrengungen noch einmal zu verstärken." Als sicher gilt, dass Gastronomie und Einzelhandel weiter zu bleiben müssen.

Wohl keine Einschränkungen im ÖPNV

Den Überlegungen, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einzuschränken, haben bereits mehrere Länderchefs und auch die Allianz pro Schiene eine Absage erteilt. Hessens Regierungschef Volker Bouffier nannte eine komplette Stilllegung des ÖPNV "albern".

Auch die Bundeskanzlerin hatte sich im CDU-Bundesvorstand gegen eine Schließung des öffentlichen Personennahverkehrs gewandt.

Sterbefallzahlen deutlich höher als im Vorjahreszeitraum

Das statistische Bundesamt in Wiesbaden hat heute neue Sterbefallzahlen veröffentlicht. Demnach sind in der vorletzten Kalenderwoche des vergangenen Jahres mindestens 23.550 Menschen gestorben. Die Zahl der Todesfälle von Personen, die zuvor laborbestätigt an Covid-19 erkrankt waren, stieg auf 4.484 an. Das waren 711 Fälle mehr als noch in der Vorwoche.

Besonders hoch sind die Zahlen in Sachsen, Brandenburg, Hessen und Thüringen. Dort lag die Zahl der Sterbefälle zuletzt mindestens 30 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019.

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Die Zahl der täglichen Neuinfektionen liegt weiter über 20.000, die der Todesfälle im Zusammenhang mit Corona über 1.000. Kanzlerin Merkel will am kommenden Dienstag gemeinsam mit den Ländern entscheiden, ob der Lockdown verschärft wird.

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