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Kommt jetzt der kirchliche Segen für homosexuelle Paare? | BR24

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Papst Franziskus

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    Kommt jetzt der kirchliche Segen für homosexuelle Paare?

    In einem Dokumentarfilm spricht sich Papst Franziskus für zivile Partnerschaften für homosexuelle Paare aus. Öffnet sich die katholische Kirche jetzt gegenüber Schwulen und Lesben?

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    Von
    • Tilmann Kleinjung

    Es hat sich angekündigt. Auf dem Rückweg von seiner ersten Auslandsreise zum Weltjugendtag in Brasilien sprach Franziskus erstmals offen über das Thema Homosexualität - so offen wie noch kein Papst vor ihm. Und er sagte einen Satz, an dem er seitdem gemessen wird: "Wenn eine Person homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, über ihn zu richten?"

    Bei der Familiensynode in den Jahren 2014 und 2015 wurde über eine Öffnung der katholischen Kirche für schwule und lesbische Paare diskutiert. Ohne Ergebnis. In der nun veröffentlichten Szene des Dokumentarfilms "Francesco" wird der Papst konkreter.

    Darin sagt er: "Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu sein. Sie sind Kinder Gottes und dürfen nicht aus dieser Familie ausgeschlossen werden. Was wir brauchen, ist ein Gesetz für zivile Partnerschaften und sie haben das Recht, durch dieses Gesetz geschützt zu werden."

    Kleriker: Homosexualität als "Bedrohung" für die Ehe

    Die Vorgänger des amtierenden Papstes haben versucht, jede Form der Legalisierung homosexueller Partnerschaften zu verhindern. Katholische Politiker wurden aufgefordert, dagegen vorzugehen. In einigen Ländern demonstrierte die katholische Kirche gegen entsprechende Gesetzesvorhaben.

    Bis heute haben viele katholische Bischöfe keinen Frieden gemacht mit den eingetragenen oder zivilen Partnerschaften. "Es gibt Bischöfe in den USA oder in Polen, die darin eine Bedrohung für die Ehe sehen", sagt der US-amerikanische Jesuit James Martin, der sich für die Rechte homosexueller Katholiken einsetzt. "Jetzt unterstützt der Papst solche Partnerschaften. Da müssen manche umdenken. Schwule und lesbische Menschen können sich nun in der katholischen Kirche mehr willkommen fühlen."

    Theologe: Reformbedarf bei katholischer Morallehre

    Was Franziskus weiterhin ablehnt, ist die Homo-Ehe beziehungsweise die Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Das Sakrament der Ehe ist nach katholischem Verständnis Mann und Frau vorbehalten. Das sieht auch Thomas Schüller, Kirchenrechtsprofessor an der Universität Münster, so.

    Reformbedarf sieht er allerdings in der katholischen Morallehre. Die definiert gelebte Homosexualität nach wie vor als Sünde: "Es wäre jetzt konsequent, nachdem er diese Tür öffnet, dass er auch diese Lehre im Katechismus ändert. Wie kann man dauerhafte rechtliche Beziehungen gutheißen, wenn man gleichzeitig die darin gelebte Sexualität als schwere Sünde geißelt?"

    Offizielle Segensfeiern für homosexuelle Paare gefordert

    In der katholischen Kirche in Deutschland wird gerade diskutiert, ob homosexuelle Paare auch den kirchlichen Segen erhalten sollen. Wenn, dann finden solche Feiern bislang nicht öffentlich statt. Auch hier dominiert die Sorge vor einer Verwechslung mit der kirchlichen Trauung.

    Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Marc Frings, erhofft sich nun eine "innerkirchliche Klärung". Er fordert offizielle Segensfeiern für homosexuelle Paare: "Bischöfe in Deutschland haben sich offen gezeigt für Segensfeiern für homosexuelle Paare. Die Liebe zweier Menschen soll gefeiert werden, da sehe ich keinen Unterschied zwischen homo- und heterosexuellen Paaren. Ich würde es sehr begrüßen, wenn die Bischöfe die Äußerung des Papstes jetzt aufgreifen und sie in die innerkirchlichen Entscheidungsprozesse überführen."

    Eine Gruppe deutscher Bischöfe arbeitet bereits an einem Segensritus für gleichgeschlechtliche Paare. Die Vorlage für eine solche Feier soll, so sagt es Schüller im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk, im kommenden Jahr veröffentlicht werden.

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