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Kommt die digitale europäische Infrastruktur? | BR24

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Kommt die europäische Supermediathek?

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    Kommt die digitale europäische Infrastruktur?

    Es soll ein Angriff auf Netflix, Youtube, Google und Co. sein – und gegen Algorithmen unterschiedlichster Unternehmen, die nicht immer dem europäischen Wertesystem entsprechen. Der Anfang einer digitalen europäischen Infrastruktur?

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    In einem Appell an die Politik fordert eine hochkarätige Gruppe von Vertretern aus Wirtschaft, Medien und Wissenschaft rund um den BR-Intendanten Ulrich Wilhelm und den Kuratoriumsvorsitzenden der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften "acatech", Henning Kagermann, eine europäische Infrastruktur zu schaffen.

    Europäische Werte zu schützen und Datensicherheit zu schaffen, das ist das Ziel, das die unterschiedlichsten Bereiche erfasst, erklärt BR-Intendant Ulrich Wilhelm: "Von Smart City über Homeschooling, E-Gouvernement, Internet der Dinge. Die Produkte, für die ja alle unterschiedlichen Geschäftsmodelle weiterhin gelten müssen. Aber für technische Themen, wie eine Cloudlösung, Betriebssysteme, Schnittstellen braucht es natürlich umgekehrt auch eine gemeinsame Basis."

    Genau darüber haben in den letzten Monaten viele Experten nachgedacht und Lösungsansätze erarbeitet – vom Bayerischen Rundfunk genauso wie von einigen Universitäten, dem ZDF, der deutsch-französischen Kooperation Arte, von SAP, Telefonica, Experten für Künstliche Intelligenz oder der deutschen Akademie der Technikwissenschaften, kurz acatech. Deren Kuratoriumsvorsitzender Henning Kagermann erklärt, warum das Projekt so wichtig ist: "Es geht zum einen natürlich um volkswirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit. Das bedeutet am Ende Arbeitskräfte und Wohlstand. Denn mehr und mehr auch der industriellen Prozesse werden natürlich auf digitale Plattformen verlagert. Dann geht es darum, dass ob wir noch die Freiheit haben, Themen der Sicherheit und Widerstandsfähigkeit, also Themen der Resilienz nach eigenen Prioritäten zu gestalten. Und der ganz wichtige Punkt ist: Können wir die europäischen Rechts- und Wertesysteme wahren."

    Corona hat Probleme offengelegt

    Der Zeitpunkt könnte besser sein, ein solches Mammut-Projekt auf den Weg zu bringen, denn nie war die EU so uneins wie gerade. Doch anderseits haben die letzten Monate der Corona-Pandemie genau gezeigt, wie wichtig es ist, eine eigene digitale Infrastruktur aufzubauen, die europäischen Werte schützt, ohne sich von Ländern wie den USA oder China abhängig zu machen. BR-Intendant Ulrich Wilhelm ist zuversichtlich, dass eine gemeinsame Linie gefunden werden kann: "Die Überlegung, dass Europa bei einem wichtigen Teil der Wertschöpfung nicht auf eigenes Wachstum verzichten sollte, die wird eigentlich überall geteilt. Auch bei den Ländern, die, wenn es um die Inhalte geht, wie etwa Polen und Ungarn, durchaus eine andere Auffassung vertreten, die die Polarisierung bei Youtube, Facebook oder Twitter aus politischen Gründen gar nicht so schlimm finden. Aber in der Frage, sollte Europa nicht eine eigene Wertschöpfungskette haben, ist diese Abhängigkeit in allen Themen, ob das autonomes Fahren sein wird, die digitale Medizin, das Thema des digitalen Handels, der Plattformen für digitale Konferenzen, Schulunterricht und so weiter, in dem Bereich gibt es einen großen Konsens."

    Daseinsvorsorge auch digital

    In dem gemeinsamen Appell von BR-Intendant Ulrich Wilhelm und der deutschen Akademie der Technikwissenschaften, wird deshalb die EU aufgefordert, eine Konzeption der technologischen Infrastruktur als Teil der Daseinsvorsorge zu entwickeln. Wichtig sei dabei Offenheit und Transparenz, eine Koordination, etwa über eine Art europäischer Digitalagentur, wie Henning Kagemann erklärt: "Die Politik muss zunächst mal einen Anstoß geben, wir haben ja auch ein Modell vorgeschlagen, bestehend aus einer Allianz aus Wissenschaft, Wirtschaft und Medien, aber eben auch einer öffentlichen Einheit, die die Koordination und Steuerung übernimmt. Dieser Anstoß muss von der Politik kommen, aber so viel wir wissen, gibt es genügend Freiwillige, die bereit wären, in so eine Allianz einzutreten." Auch, wenn am Anfang nicht alle Länder mitmachen.

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