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Kommentar zur US-Wahl: Lügen-Präsident abgewählt | BR24

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BR-Chefredakteur Christian Nitsche

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    Kommentar zur US-Wahl: Lügen-Präsident abgewählt

    Die Abwahl von Donald Trump ist eine Erlösung: Dieser Präsident ist eine reale Gefahr. Bleibt zu hoffen, kommentiert BR-Chefredakteur Christian Nitsche, dass es dem Trump-Clan nicht gelingt, seine enttäuschten Anhänger in Gewaltaktionen zu treiben.

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    Dies ist eine Erlösung. Die Abwahl von Donald Trump beendet die peinlichste Ära der jüngeren amerikanischen Geschichte. Ein Präsident, der sich ohne ein Wimpernzucken hinwegsetzt über feststehende Fakten, der nur seine eigene erfundene Wahrheit kennt und diese als Propaganda einsetzt, ist eine reale Gefahr.

    Nie konnte man sich sicher sein, ob Trump mit seinem infantilen Verhalten nicht im nächsten Moment eine internationale Krise auslöst. Berater, die versuchten, ihn einzuhegen, mussten einer nach dem anderen das Weiße Haus verlassen. Das Machtzentrum der stärksten Militärnation erhielt den Ruf einer fettigen Frittenbude.

    • Alle Infos zur US-Wahl finden Sie hier in unserem Ticker.

    Trump stellt Wahlergebnis in Frage

    Rechtsstaat und Demokratie sind für Trump nur Vehikel zum eigenen Machterhalt, das zeigt auch seine Strategie, das Wahlergebnis in Frage zu stellen. Sein Sohn forderte, als sich die Niederlage immer deutlicher abzeichnete, den "totalen Krieg". Hier will jemand einen Bürgerkrieg herbeireden. Solches Verhalten schafft eine Nähe zum Wahlverständnis von Diktatoren.

    Bleibt zu hoffen, dass es dem Trump-Clan nicht gelingt, die Enttäuschung seiner Anhänger in Gewaltaktionen zu kanalisieren. Dies ist im Moment die größte Gefahr. Trump hat die schon lange bestehende politische Spaltung Amerikas in eine kämpferische, oft unversöhnliche Gegnerschaft umgewandelt. Die Partei der Republikaner muss deshalb ihrer Verantwortung jetzt gerecht werden und deeskalieren, damit sich die Wut der aufgeputschten Trump-Anhänger nicht gewaltsam entlädt.

    Wie stabil ist die Demokratie?

    Natürlich ist es aus europäischer Perspektive eine Enttäuschung, dass Trump überhaupt so viele Stimmen auf sich vereinen konnte. Wie ist es möglich, dass ein Politiker, der schamlos mit Lügen Politik betreibt, immer noch eine so große Gefolgschaft hat? Was sagt dies über ein Bildungssystem aus? Wie stabil ist diese Demokratie? Welche Werte sind womöglich in weiten Teilen der Bevölkerung längst verloren gegangen?

    Ist die politische Entfremdung Europas von der Regierung Trumps also nur die schroffe Oberfläche, aber darunter bröckelt auch das gemeinsame, demokratische Wertegerüst, auf dem sich das Bündnis mit Amerika gründet?

    Biden und Merkel müssen Allianz beleben

    Man sollte aber nicht allzu pessimistisch sein. Sobald der neue Präsident vereidigt ist, wird die politische Wundversorgung starten. Deutschland kommt als stärkster Nation Europas eine wichtige Rolle zu, die zerrüttete Beziehung zu Amerika neu zu ordnen.

    Angela Merkel wird dies als eine ihrer letzten großen Aufgaben annehmen. Die bilateralen Beziehungen sind geschwächt, aber die Kontakte sind trotz Trump weiter intensiv. Das gegenseitige Vertrauen mag zwar durch Trump erschüttert worden sein, aber die Basis ist dennoch fest.

    Die NATO schwankt auch nicht mehr, weil die Unsicherheit über die Beistandsbereitschaft der USA mit der Wahl von Joe Biden passé ist. Natürlich wird Deutschland auch mit Biden an der Seite mehr in das Verteidigungsbündnis einzahlen müssen. Aber man weiß wieder, wofür man zahlt.

    Trumps Niederlage stärkt internationale Institutionen

    Die Niederlage von Trump stärkt letztlich auch internationale Institutionen, ob UNO oder WHO. Internationale Verträge wie das Pariser Klimaschutzabkommen gewinnen wieder an Bedeutung. Das Atomabkommen mit dem Iran könnte wiederbelebt werden. Unsicherheit dürfte allerdings in Israel herrschen, wie sich der weitere Kurs der US-Regierung im Nahen und Mittleren Osten auswirkt.

    Feiertag für Freunde der Demokratie

    Insgesamt ist Amerika wieder kalkulierbarer geworden. Die deutsch-amerikanische Freundschaft kann an alte Zeiten anknüpfen. Frieden ist kein politisches Zufallsprodukt einer undurchschaubaren, impulsiven Macho-Außenpolitik. Die geostrategischen Interessen der USA werden wieder berechenbarer. Die Wiederbelebung der transatlantischen Allianz wird Putin und Xi Jinping nicht schmecken, denen ein zunehmend politisch vereinsamtes Europa gefallen haben dürfte.

    Dieser Tag lässt viel erhoffen. Die Instrumentalisierung von Lügen als politisches Machtmittel erinnert an dunkle Zeiten und verletzt christliche Werte. Wer ein gefestigter Anhänger von Demokratie, Rechtsstaat und Wissenschaft ist, und ein Freund Amerikas, für den ist heute ein Feiertag.

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