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Andreas Bachmann, Redaktionsleiter Rundschau & Landesberichte

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    Kommentar: Worte reichen gegen Antisemitismus nicht

    Judenfeindliche Parolen und Angriffe auf Synagogen: Die Szenen, sich die in den vergangenen Tagen auf Demonstrationen in Deutschland abspielten, alarmieren die Politik. Den Worten müssen nun wirklich Taten folgen, meint Andreas Bachmann.

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    Von
    • Andreas Bachmann

    "Wir schauen importiertem Antisemitismus aus falsch verstandener Toleranz schon viel zu lange achselzuckend zu."

    "Solche Demonstrationen zeigen die Manifestation der Parallelgesellschaft."

    "Wir müssen mit allen Mitteln des Rechtsstaats gegen antisemitische Taten und Äußerungen vorgehen."

    Nein, das sind keine Statements zu den aktuellen antisemitischen Demonstrationen in Deutschland. Diese Zitate stammen aus den Jahren 2012 und 2014 von Jens Spahn, Franziska Giffey und Frank Walter Steinmeier.

    Heute nun höre ich Annalena Baerbock, die fordert: "null Toleranz gegenüber Antisemitismus, egal woher er kommt" - und denke mir: Täglich grüßt das Murmeltier. Wo sind eigentlich die Fortschritte im Kampf gegen den Antisemitismus seit damals? Was ist seitdem konkret passiert? Die Bilder aus Gelsenkirchen oder Berlin führen uns vor Augen: viel zu wenig.

    Muslimischer Antisemitismus wurde zu lange ignoriert

    All diese Szenarien, die wir jetzt auf den Straßen vor unseren Synagogen sehen, die gab es schon vor Jahren. Doch statt konsequent zu handeln, wurde muslimischer Antisemitismus hierzulande ignoriert und verdrängt, um bloß nicht eine unbequeme Islamdebatte führen zu müssen.

    Der Ruf nach schneller und harter Bestrafung von Antisemiten ist dabei verständlich und richtig, gleichzeitig springt er aber zu kurz. Die Polizei kann auf einer Demonstration kurzfristig handeln. Aber wer die Zahl der Antisemiten hierzulande wirklich verringern will, der muss langfristig arbeiten. Heißt: Wir müssen uns im Präventionsbereich noch viel stärker diesen Fragen widmen, unser Bildungssystem so reformieren, dass wir im Schulalltag und -unterricht ein differenziertes Bild über den Nahen Osten vermitteln.

    Vor allem aber, liebe politisch Verantwortliche: Sie müssen ihren Worten auch wirklich Taten folgen lassen!

    Ein Kommentar von Andreas Bachmann, Redaktionsleiter Rundschau und Landesberichte

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