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Kommentar: Union-Kanzlerkandidat Laschet kann aufatmen

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Kommentar: Unions-Kanzlerkandidat Laschet kann aufatmen

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben die Wählerinnen und Wähler nicht nur eine Mehrheit der AfD verhindert, sondern auch ein Abstürzen der CDU. Das ist Rückenwind für die CDU zur Bundestagswahl, meint Susanne Betz.

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Von
  • Susanne Betz

Armin Laschet kann aufatmen. Obwohl er nicht der Kanzlerkandidat der Herzen bei der Basis im Osten ist, ließ die CDU die AfD weit hinter sich. Das müsste der anämisch und selbstzweiflerisch gewordenen Partei drei Monate vor der Bundestagswahl wieder auf die Beine helfen.

Haseloff verschaffte sich viel Respekt

Bedanken muss sich CDU-Chef und Unions-Kanzlerkandidat Laschet in erster Linie bei Reiner Haseloff. Der biedere, eher blasse Spitzenkandidat der CDU in Sachsen-Anhalt, der auch als Rhetoriker kaum ein Überflieger ist, hatte sich in den vergangenen Monaten überraschend zum Macher emanzipiert.

Er säuberte Kabinett und Parteispitze von Holger Stahlknecht, der heftig mit der AfD geflirtet hatte, bot immer wieder der Bundesregierung in Sachen Corona-Maßnahmen Paroli, mobilisierte im Wahlkampf nicht nur CDU-Stammwähler, sondern hielt auch Unentschlossene davon ab, ihre Stimme der AfD zu geben, die als gesamter Landesverband vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Kurzum: Haseloff lieferte gute Beispiele für standhafte demokratische Politik mit ostdeutscher Prägung. Und erwarb sich dafür viel Respekt.

Die AfD hat auch im Osten ihren Zenit überschritten

Rund dreieinhalb Monate vor der Bundestagswahl hat die Union also keinen Grund zu verzagen. Die AfD hat auch im Osten ihren Zenit überschritten, die Linke längst ein verschnarchtes Image. Die FDP ist die zweite, aber kleine Wahlsiegerin von Magdeburg. Sie wird versuchen, mit in eine der mehreren möglichen Magdeburger Regierungen zu schlüpfen.

Ihr Bundesvorsitzender Christian Lindner wird sie nicht davon abhalten, sondern ganz im Gegenteil die Bedeutung der Liberalen für vernünftiges Regieren auch mit Hinblick auf den Bund intonieren.

Die Grünen sind nach wie vor eine Westpartei

In den beiden einzigen Großstädten Sachsen-Anhalts - Halle und Magdeburg - grünt es zwar zaghaft, Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock aber weiß, dass sie letztlich auf urbane Milieus angewiesen ist, die es letztlich nur im Westen zahlreich gibt.

Hat SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz die Verzwergung der SPD nach Sachsen nun auch in Sachsen-Anhalt längst eingepreist? Einmal mehr wurde deutlich, dass die Sozialdemokraten nur noch am politischen Katzentisch sitzen.

Haseloff hat die Qual der Wahl

Weiter mit der bisherigen schwarz-rot-grünen Kenia-Regierung in Magdeburg, die als Bollwerk gegen die AfD ihre wesentliche Aufgabe hatte? Auf jeden Fall kann Haseloff auswählen. Vielen in der CDU-Fraktion wäre es lieber, sie könnten die Grünen durch die FDP austauschen.

Das Abwägen, wer am besten passt, wird zweifelsohne auch in Berlin aufmerksam beobachtet werden. Aber die CDU-Basis könnte den Strippenziehern noch einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Denn laut einem Landesparteitagsbeschluss vom März entscheidet sie über die Koalitionspartner. Wenn das nicht sehr demokratisch ist.

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