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Kommentar: Synodaler Weg - Reden allein genügt nicht | BR24

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Tilmann Kleinjung, Leitung Redaktion Religion & Orientierung

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    Kommentar: Synodaler Weg - Reden allein genügt nicht

    Schon einmal gab es die Diskussionen, die bei derzeit im Rahmen des Synodalen Wegs geführt werden. 50 Jahre ist dies her - und die Papiere dazu verschwanden in den päpstlichen Schubladen. Das darf sich keinesfalls wiederholen meint Tilmann Kleinjung.

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    Von
    • Tilmann Kleinjung

    Die Diskussion dreht sich im Kreis. Vor genau 50 Jahren fand die Würzburger Synode statt. Auch damals diskutierten schon Bischöfe, Theologen und Vertreter der Kirchenbasis über Reformen. Über eine zeitgemäße Sexualmoral, über die Rolle der Frauen in der Kirche, über die Verteilung von Macht und Verantwortung. Schon damals baten deutsche Katholiken (auch Bischöfe) den Papst: Er möge prüfen, ob Frauen zu Diakoninnen geweiht werden können. Der Vorschlag verschwand wie andere auch in den Schubladen, um jetzt 50 Jahre später wieder diskutiert zu werden. Auch bei der Online-Konferenz des Synodalen Wegs ging es um die Frauen-Frage. Und ich wage eine Prognose: Diese Frage ist entscheidend für die Zukunft der katholischen Kirche. Ob der Zölibat fällt, ob Priester eines Tages tatsächlich heiraten dürfen, ob es der Kirche gelingt, eine zeitgemäße Sexualmoral zu formulieren – all das scheint fast nebensächlich angesichts der großen, zentralen Frage: Mit welchem Recht und noch wichtiger, mit welcher Theologie schließt die Kirche einen Teil ihrer Gläubigen von Ämtern und damit von Macht aus?

    Ein weiteres Papier für die päpstlichen Schubladen?

    Darüber haben auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Synodalen Weg in den vergangenen zwei Tagen mit großer Leidenschaft diskutiert und gestritten. Allein das ist schon bemerkenswert. Gibt es doch in der katholischen Kirche auch die Auffassung, dieses Thema sei ein für alle Mal zu Ende diskutiert. Auch Papst Franziskus sieht wenig Spielraum. Die Frage, ob Frauen Diakoninnen werden können, lässt er prüfen. Wird das schon wieder ein Papier für päpstliche Schubladen? Und die Ordination von Frauen zu Priesterinnen schließt er kategorisch aus.

    Beim Reden kann es nicht bleiben - nicht bei dem Frust an der Basis

    Also schön, dass die Katholikinnen und Katholiken in Deutschland darüber geredet haben. Doch beim Reden kann es nicht bleiben. Der Druck ist zu groß, der Frust gewaltig. Der Missbrauchsskandal hat auf die denkbar schlimmste Weise offensichtlich gemacht, woran eine Kirche krankt, die von Männern dominiert wird. Die Frauen von Maria 2.0 begehren auf, wollen sich nicht mit Placebos abspeisen lassen, mit dem, "was heute schon möglich ist": Pastoralreferentin, Religionslehrerin, Ordensfrau. Sie wollen echte Teilhabe an allen Ämtern der Kirche. Maria 2.0 ist tatsächlich nicht irgendeine randständige "Revoluzzertruppe". Die Frauen kommen aus der Mitte der Kirche, und in vielen Gemeinden sind sie es, die den Laden am Laufen halten. Es wäre ein schlechter Witz, sollte das Gerücht zutreffen, dass "Maria 2.0" gerade von der vatikanischen Glaubenskongregation geprüft wird.

    Es geht um das Menschen- und Gottesbild

    Die Diskussionen der vergangenen zwei Tage haben gezeigt: Es geht hier nicht um konservativ oder liberal. Nicht um Tradition oder Zeitgeist. Es geht um das Menschen- und das Gottesbild: Kann Gott, Jesus Christus nur von einem Mann repräsentiert werden? Darauf muss die Kirche bald eine Antwort finden. Nicht erst in 50 Jahren.

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