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Kommentar: Kirche vertut Chance bei der Opfer-Entschädigung | BR24

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Tilmann Kleinjung, Redaktion Religion und Orientierung

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    Kommentar: Kirche vertut Chance bei der Opfer-Entschädigung

    Es wäre ein starkes Signal der Versöhnung gewesen, wäre die Kirche bei der Entschädigung der Missbrauchsopfer an ihre Schmerzgrenze gegangen. Doch mit ihrer heutigen Entscheidung zum "Schmerzensgeld" haben die deutschen Bischöfe diese Chance vertan.

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    Sie hätten Geschichte schreiben können, die deutschen Bischöfe. Mit der Entscheidung, Missbrauchsopfer großzügig zu entschädigen. 300.000 Euro - als diese Summe vor einem halben Jahr in Fulda zum ersten Mal genannt wurde, war die Überraschung groß. Noch nie wurden in Deutschland Entschädigungen in dieser Größenordnung diskutiert. Zum ersten Mal gab es so etwas wie Lob für die Bischöfe in diesem epochalen Skandal: Dass sie sich mit einer solchen Summe überhaupt auseinandersetzen wollen.

    Die Kirche geht nicht an die Schmerzgrenze

    Auch damals war klar, dass die Bischofskonferenz über diese Empfehlung der von ihr eingesetzten unabhängigen Arbeitsgruppe noch beraten muss. Und, dass es Widerstände geben wird: Die Evangelische Kirche war entsetzt, weil sie unter Zugzwang wäre, ähnliche Beträge auszuschütten. Die Ordensgemeinschaften klagten: "Wir gehen pleite, wenn wir solche Summen aufbringen müssen." All das wäre sicherlich lösbar und vermittelbar gewesen.

    Die deutsche Kirche ist eine reiche Kirche. Und die hochgerechnete Gesamtsumme von einer Milliarde Euro Entschädigungsleistungen hätte einen hohen symbolischen Wert. Das unendliche Leid, das Vertreter der Kirche Minderjährigen und Schutzbefohlenen angetan haben, lässt sich ohnehin nicht entschädigen. Aber, dass die Kirche bei der Entschädigung der Opfer an ihre Schmerzgrenze geht, wäre ein starkes Signal der Versöhnung gewesen.

    Kluge Entscheidungen werden überschattet

    Das bleibt nun aus. Eine vertane Chance. All die klugen Entscheidungen, die die Bischofskonferenz in Mainz gefasst hat, geraten so in den Schatten der Zahlen: Dass eine unabhängige, zentrale Stelle die Schmerzensgelder auszahlt, ist sinnvoll. So vermeidet die Kirche, dass die Betroffenen noch einmal zu Bittstellern bei Diözesen und Orden werden. Ein Fonds wird aufgesetzt, in den je nach Leistungsvermögen Klöster und Bistümer einzahlen. So helfen die Stärkeren den Schwächeren.

    Die Kirche übernimmt weiter Therapiekosten und bereits ausgezahlte Beträge werden nicht auf das Schmerzensgeld angerechnet. Wer schon einmal Ansprüche bei der Kirche angemeldet hat, muss sich nicht erneut einer belastenden "Plausibilitätsprüfung" unterziehen. Das sind vorbildliche Maßnahmen, an vielen Punkten springt die Kirche da über ihren Schatten. Am Ende aber bleibt ein "nur": Statt einer Entschädigung von 300.000 Euro gibt es maximal "nur" 50.000 Euro Schmerzensgeld.

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