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Kommentar: Das Gerede von der "Schicksalswahl" | BR24

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Achim Wendler

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Kommentar: Das Gerede von der "Schicksalswahl"

Angeblich ist diese Europawahl so wichtig wie keine vorher. Aber dann müssten die Wahlkämpfer sich mal anstrengen. Ein Kommentar von Achim Wendler

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Sein Schicksal kann man nicht wählen. Deshalb ist es ja Schicksal, weil wir es nicht beeinflussen können. Warum in aller Welt sprechen trotzdem alle gerade von einer "Schicksalswahl" für Europa? Manfred Weber, Katarina Barley, Christian Lindner - alle reden sie von "Schicksalswahl" - und meinen doch das Gegenteil von Schicksal.

Soweit, so anspruchslos. Wäre nicht dramatisch, würde der Wahlkampf nur sprachlich dahindümpeln. Leider dümpelt der ganze Wahlkampf dahin.

Erst gestern hatte die SPD ihre zentrale Auftaktveranstaltung. Nur drei Wochen vor der Wahl! Da bleibt viel zu wenig Zeit. Streng genommen hat dieser Wahlkampf ja noch nicht einmal richtig begonnen. Denn die FDP wird ihre zentrale Auftakt-Veranstaltung erst Mitte Mai machen, nicht einmal zwei Wochen vor der Wahl!

Okay, könnte man sagen, dann wird die heiße Phase vielleicht kurz, aber dafür umso stärker. Aber stark wird dieser Wahlkampf wohl auch nicht. Das zeigen die Zahlen: Die SPD lässt sich ihre Kampagne elf Millionen Euro kosten, genau so viel wie bei der EU-Wahl 2014. In ihre Kampagne zur Bundestagswahl 2017 steckten die Sozialdemokraten mehr als das Doppelte. Das Gleiche bei der CDU, sie steckt genau so viel in ihre Kampagne wie vor fünf Jahren und halb so viel wie bei der Bundestagswahl. All das ist ziemlich knauserig, wo es doch angeblich um so viel geht.

Das Interesse an dieser Wahl ist deutlich größer als 2014, laut neuem ARD-Deutschlandtrend. Das ist auch eine Folge des Geredes von der "Schicksalswahl".

Aber aus Interesse muss bald Engagement werden, also: Wahlbeteiligung. Dafür muss der Wahlkampf viel leidenschaftlicher werden. Sonst wird es gefährlich. Denn wenn Politik nichts tut, akzeptiert sie Enttäuschung. Aber wenn sie erst von "Schicksalswahl" redet und dann nichts tun, produziert sie Enttäuschung.

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Das Europarlament hat großen Einfluss auf die Geschicke der EU. Seine Befugnisse wurden mit den Verträgen von Maastricht 1992 und Lissabon 2007 immer mehr ausgeweitet. Wie weit gehen sie? #fragBR24

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