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Susanne Betz, BR-Redakteurin für Politik und Hintergrund: "Starke Charaktere überzeugen in Krisenzeiten mehr als Parteien"

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    Kommentar: Charaktere statt Parteien überzeugen in der Krise

    Integre und starke Charaktere überzeugten bei den Landtagswahlen in der Coronakrise - stärker als Parteien. Die CDU scheitert an der Maskenaffäre und dem Missmanagement beim Impfen. Dem Grünen Kretschmann gelingt ein Kulturbruch, meint Susanne Betz.

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    Von
    • Susanne Betz

    Armin Laschet, den erst vor zwei Monaten gewählten Bundesvorsitzenden der CDU, trifft keine Schuld am desaströsen Absturz seiner Partei. Doch besonders die Verluste in Baden-Württemberg sind ab jetzt sein Problem. Diese Hypothek macht es ihm schwer, als Kanzlerkandidat seiner Partei an den Start zu gehen. Zumal er nicht über die Persönlichkeit verfügt, nach der sich Menschen in Krisenzeiten wie der Pandemie so offensichtlich sehnen, wenn es um Regierungschefs geht.

    Besonnene, integre und gleichzeitig aber auch starke Charaktere überzeugten nämlich bei den beiden Landtagswahlen mehr als Parteien. Im Südwesten ist dem Grünen Winfried Kretschmann mit dem Habitus eines konservativen, pastoralen Landesvaters ein bemerkenswerter Kulturbruch gelungen: Aus Gelegenheitswählern, die 2011 nur mal so ihr Kreuzchen bei den Grünen machten, wurden Stammwähler. Eine veritable Volkspartei ist entstanden, die von wertkonservativ-ländlich bis akademisch-urban breit gespannt ist.

    Grüne in der Zukunft größter Konkurrent der Union

    Diese neue Volkspartei ist auf Zukunft der größte Konkurrent der gesamten Union. Aus dem Südwesten kommt daher Rückenwind für die Bundes-Grünen, die bei der Bundestagswahl allerdings mit keinem Menschenfänger wie Kretschmann auftrumpfen können. In Rheinland-Pfalz siegte Malu Dreyer trotz der im Bund immer mehr schwindenden SPD, weil sie weiß, was Volksnähe und Pragmatismus bedeuten. Dass ihre Ampel-Regierung in Mainz fortgesetzt wird, gilt als wahrscheinlich.

    Entscheiden sich die Grünen in Stuttgart ebenfalls für ein Dreierbündnis in den Farben Grün, Gelb und Rot und lassen dafür die CDU im Regen stehen, dann wird es ganz bitter für Armin Laschet. Die Christdemokraten wären dann plötzlich diejenigen, die am Rand stünden, während das Koalitions-Karussell sich munter ohne sie dreht. Der blasse Christian Baldauf in Rheinland-Pfalz und die ungeschickt agierende Kultusministerien Susanne Eisenmann in Baden-Württemberg konnten gegen die Schwergewichte Dreyer und Kretschmann nichts ausrichten.

    CDU scheitert an Maskenaffäre und Impf-Missmanagement

    Und dazu noch die Maskenaffäre, die die CDU als Partei der Raffkes erscheinen lässt, und ein Missmanagement beim Impfen und Auszahlen der Wirtschaftshilfen, das auf Bundesebene von CDU-Ministern zu verantworten ist: ein denkbar schlechter Start in den Wahlmarathon 2021. Doch die Stimmungen sind in diesen Zeiten sehr volatil. Davon profitiert gerade die FDP. Ihr kritischer Kurs gegenüber der Corona-Politik bei gleichzeitigem Hochhalten der Fahne des demokratischen Parlamentarismus zahlte sich bei beiden Landtagwahlen aus.

    Die Strahlkraft der Liberalen auf Bundesebene wird das ebenfalls fördern. Das Wahljahr hat also wuchtig begonnen. Ob die beiden Ergebnisse schon gleich ein Fingerzeig Richtung Bundestagswahl ist, steht in den Sternen, beziehungsweise den Viren. Alles hängt davon ab, ob die unionsgeführte Bundesregierung Herrin der Pandemie wird, oder ob die Pandemie weiterhin Deutschland beherrscht. Armin Laschet von der CDU kann nur zuschauen - beziehungsweise hat das Nachsehen.

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