BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Kombihaltung für Kühe: Österreich als Vorbild? | BR24

© BR / Christine Schneider

Kühe in Anbindehaltung

25
Per Mail sharen

    Kombihaltung für Kühe: Österreich als Vorbild?

    In Österreich ist - anders als in Deutschland - die ganzjährige Anbindehaltung von Kühen verboten. Bauern ohne Laufstall praktizieren die Kombinationshaltung: An mindestens 90 Tagen im Jahr haben die Tiere Bewegungsfreiheit. Vorbild für Deutschland?

    25
    Per Mail sharen
    Von
    • Christine Schneider

    Die 18 Kühe von Johann Weiß in Ebenau bei Salzburg sind nur im Winter im Stall. Ab dem Frühjahr dürfen sie wieder jeden Tag raus ins Freie, aber nicht auf die Weide, sondern in einen zum Teil überdachten Auslauf, direkt neben dem Stall.

    "Die Viecher sind gesund, vital, werden nie krank. Denen geht’s gut draußen. Hier können sie Heu fressen, sie haben eine Bürste und Mineral-Lecksteine. Ich bin zufrieden mit meinem Auslauf, der taugt mir voll." Johann Weiß, Landwirt

    Die Bauern sind mittlerweile überzeugt

    Johann Weiß lässt seine Kühe sogar öfter als die gesetzlich vorgeschriebenen 90 Tage im Jahr frei laufen. Seine Milch liefert er an die Molkerei SalzburgMilch und die hat für ihre 2.500 Lieferanten strengere Auflagen als der Gesetzgeber erlassen. Die Tiere müssen sich an mindestens 120 Tagen im Jahr frei bewegen können.

    Wilhelm Niedermüller ist Hofberater bei der Molkerei SalzburgMilch:

    "Am Anfang war es schwierig, die Bauern zu überzeugen, aber mittlerweile sind alle zufrieden. Die Bauern sehen, dass ihre Tiere Bewegung haben. Wir haben immer bessere Rückmeldungen." Wilhelm Niedermüller, Hofberater bei SalzburgMilch

    Kombinationshaltung kann sich finanziell lohnen

    Kombinationshaltung heißt das System, bei dem die Kühe zeitweise nicht angebunden im Freien sind. Der Vorteil: Es muss kein teurer Laufstall gebaut werden. Schon für 10.000 Euro ist ein einfacher Umbau möglich.

    Die Molkerei zahlt den Landwirten grundsätzlich keinen besseren Milchpreis. Aber für 2019 hat SalzburgMilch den Landwirten jetzt für Auslauf und Weidehaltung 2 Cent pro Liter Milch nachgezahlt.

    Der Versuch, beim Einzelhandel einen höheren Preis für Milch aus Kombihaltung zu erlösen, um ihn an die Landwirte weiterzugeben, ist bisher allerdings gescheitert.

    Ausnahmegenehmigungen im Härtefall

    Obwohl das in Österreich seit 2012 verboten ist, gibt es aber immer noch Ställe, in denen die Tiere das ganze Jahr angebunden sind: Etwa 9 Prozent der 27.000 Milchvieh-Betriebe hatten letztes Jahr eine Ausnahmegenehmigung, zum Beispiel, weil sie im Dorf aus Platzgründen keinen Auslauf bauen können.

    Unter den Lieferanten der Molkerei SalzburgMilch haben noch knapp 0,5 Prozent der Betriebe eine Ausnahmegenehmigung. Doch auch sie sollen bald umstellen.

    Ein Nachteil der Kombinationshaltung: Jede einzelne Kuh muss abgekettet und dann wieder angekettet werden. Das bedeutet Mehrarbeit für den Landwirt.

    In Bayern ist jede vierte Kuh immer angebunden

    Derzeit werden in Bayern rund 1,17 Millionen Milchkühe gehalten. Die Haltungsform wird in keiner Statistik erfasst. Aber nach einer aktuellen Schätzung sind rund 26 Prozent der Milchkühe ganzjährig angebunden und zwischen 4 und 5 Prozent in Kombinationshaltung.

    Laut einer Berechnung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft wird es im Jahr 2032 in Bayern keine Anbindehaltung mehr geben, wenn die Betriebsaufgaben so weiter gehen wie bisher. Dennoch werden im Voralpenland ein paar Betriebe übrig bleiben.

    Betriebe, die Umbaumaßnahmen für Kombinationshaltung planen, können sich die Anlage eines Laufhofs vom Staat fördern lassen. Es sind Zuschüsse von bis zu 25.000 Euro möglich.

    Ein gesetzliches Verbot ist nicht in Sicht

    Obwohl Tierschützer das massiv fordern und auch einzelne Bundesländer im Bundesrat immer wieder Vorstöße unternehmen, ist ein gesetzliches Verbot der Anbindehaltung in Deutschland unrealistisch. Weil aber der Lebensmitteleinzelhandel immer mehr Tierwohl fordert, drängen die Molkereien die Bauern, die Anbindehaltung aufzugeben.

    Die Molkerei Berchtesgadener Land in Piding beispielsweise zieht seit 1. Januar 2020 Milcherzeugern mit ganzjähriger Anbindehaltung 2 Cent pro Liter vom Auszahlungspreis ab, weil dort diese Milch getrennt erfasst wird und mit den 2 Cent ein Teil der erhöhten Erfassungskosten refinanziert werden soll. Auch andere Molkereien haben bereits Preisabschläge angekündigt.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!