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Flugverkehr, Wasserverbrauch, Öko-Wertpapiere - welche Maßnahmen braucht es für mehr Nachhaltigkeit?

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    Kohleausstieg und CO2-Preis: Grüne Wünsche für Nachhaltigkeit

    Flugverkehr, Wasserverbrauch, Öko-Wertpapiere - welche Maßnahmen braucht es für mehr Nachhaltigkeit? Darüber diskutieren die Landtags-Grünen mit Experten im Rahmen einer zweitägigen Konferenz. Den Auftakt bildete eine Podiumsdiskussion.

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    Von
    • Johannes Reichart

    Ganz am Schluss wurde es noch einmal richtig konkret bei der Auftakt-Diskussion zur Grünen Nachhaltigkeitskonferenz, als Moderatorin Natalie Amiri die Podiumsteilnehmer fragte, welche Maßnahme die neue Bundesregierung ihrer Meinung nach am ehesten umsetzen sollte:

    "Kohleausstieg 2030", "Photovoltaik auf alle Dächer", "ein CO2-Preis, der richtig teuer ist und zu 100 Prozent an alle Bürgerinnen und Bürger am 1. Januar zurückzugeben wird": Die Landtagsgrünen haben eingeladen zur digitalen Nachhaltigkeitskonferenz, bei der Gesprächsrunde herrscht Harmonie – alle Teilnehmer kommen aus demselben politischen Spektrum und kreisen hauptsächlich um das Thema Klimaschutz. Viele Ideen sind bereits bekannt: Wind- und Sonnen-Energie lokal ausbauen, ein höherer CO2-Preis, mehr Home-Office und Holz statt Zement beim Bauen. Vergleichsweise neu ist die Idee von Jan Lorch vom Outdoor-Ausrüster Vaude; er plädiert dafür, "dass recycelte Materialien zum Beispiel verringerte Mehrwertsteuersätze und Zollsätze haben".

    Weniger Pendeln durch Home-Office

    Der Autor für Nachhaltigkeitsthemen, Christian Berg, sieht die Lösung für weniger Verkehr auf den Straßen in festen Home-Office-Tagen, die Unternehmen einrichten müssten: "Wenn man alleine montags und freitags die Pendler um 20 Prozent reduzieren könnte, dann hätte man einen viel besseren Verkehrsfluss."

    Astrophysiker Harald Lesch bemängelt die zögerliche Umsetzung vieler nobler Vorsätze in Sachen Energiewende: "Ich habe immer den Eindruck, Ziele werden schnell formuliert und dann geht die Person vom Rednerpult weg und dann wabert das Ziel im Saal rum. Und dann wird Deutschland zum Wüstenland - denn es verläuft im Sande", so Lesch.

    "Keine Partei hat einen Plan zur Einhaltung der 1,5 Grad"

    Kein Weiterwirtschaften wie bisher, kein "business as usual", das fordert Klimaaktivistin Fabia Klein von "Fridays for Future Deutschland". "Wir haben bisher keine Partei, auch nicht die Grünen, die einen konkreten guten Plan für die Einhaltung der 1,5 Grad-Grenze hat und das kann es im Jahr 2021 nicht sein", kritisiert Klein.

    Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann dämpft allzu hohe Erwartungen: Ja, der Staat müsse strengere Rahmenbedingungen in der Klima- und Sozialpolitik vorgeben, aber alle wissenschaftlich gebotenen Maßnahmen müssten auch von den Menschen angenommen werden, sagt Hartmann und schlägt einen Bogen zu Corona. "Bei Corona, wäre es wissenschaftlich am besten gewesen, überhaupt keine Kontakte zu haben und alles runterzufahren. Das wäre wissenschaftlich zum Eindämmen des Beste gewesen. Aber die Rechte von Kindern, die Bildungschancen, die nicht verloren gehen dürfen – das muss also eine Abwägung stattfinden. Politik muss abwägen", betonte Hartmann.

    Subvention für Regionalflughäfen aus der Zeit gefallen

    Gleichzeitig hat der Grünen-Politiker genau vor Augen, was seine Partei machen will und was nicht: weniger Flächenverbrauch, mehr Güterverkehr auf den Gleisen – auch bei möglichem Widerstand der Anwohner wie etwa dem geplanten Brennerzulauf und die Flugreisen minimieren. "Für uns Grüne ist klar: Wir wollen weniger und nicht mehr Flugverkehr", sagt Hartmann. "Wir haben uns ganz deutlich gegen die dritte Startbahn in München gewehrt, genauso ist es bei Subventionen für Regionalflughäfen - sind vollkommen aus der Zeit gefallen."

    Die Runde ist sich einig, dass Deutschland vom Trend zur Nachhaltigkeit profitieren kann, wenn es seine Wirtschaft entsprechend umstellt. Nur welchen Preis die Verbraucher zahlen und welche Einschnitte an Lebensqualität sie durch eine forciertere Klimapolitik hinnehmen müssten - Stichwort Fernreisen, individuelle Mobilität oder Lebensmittelpreise – diese Fragen kommen bei der Diskussion nur am Rande zur Sprache.

    Virtuelle Messestände und digitale Workshops

    Am zweiten Tag der Nachhaltigkeitskonferenz der Grünen können sich Interessierte an virtuellen Messeständen informieren. Dazu werden digitalen Workshops angeboten, unter anderem zu den Themen Wasserverbrauch, Rassismus und nachhaltiges Investieren.

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