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Kohleausstieg bis spätestens 2038: Die Lage in Bayern | BR24

© MEV/Hubertus Blume

Bis 2038 soll das letzte Kohlekraftwerk vom Netz gegangen sein.

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Kohleausstieg bis spätestens 2038: Die Lage in Bayern

2038 soll in Deutschland das letzte Kohlekraftwerk vom Netz gehen. In Bayern sind derzeit noch vier Kohlekraftwerke in Betrieb. Doch wann soll die Stromgewinnung aus Kohle im Freistaat beendet werden?

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Deutschland soll nach dem Willen der von der Regierung eingesetzten Kohlekommission bis spätestens Ende 2038 die Stromgewinnung aus Kohle beenden. Darauf einigte sich das 28-köpfige Gremium am frühen Samstagmorgen bei nur einer Gegenstimme. Es ist eine Empfehlung, die Umsetzung liegt bei der Regierung. Im Jahr 2032 soll überprüft werden, ob das Ausstiegsdatum angesichts der Lage und im Einvernehmen mit den Betreibern auf 2035 vorgezogen werden kann. Die Kohleländer sollen über 20 Jahre 40 Milliarden Euro vom Bund bekommen.

Vier Steinkohlekraftwerke in Bayern

Auch in Bayern wird aus dem Ausland importierte Steinkohle in Kraftwerken verbrannt und dabei Wärme und Strom gewonnen. Insgesamt gibt es vier Steinkohlekraftwerke, die im Freistaat noch in Betrieb sind: Zwei kleinere in Erlangen und Schweinfurt sowie zwei größere in München und in Zolling.

Erlangen verzichtet freiwillig ab 2021 auf Steinkohle. Die Kohlekraftwerke in Zolling und Schweinfurt werden zum aktuellen Stand wohl erst mit dem Ende des Kohlestroms 2038 vom Netz gehen.

München soll eigentlich - erzwungen durch einen Bürgerentscheid - 2022 aussteigen. Aber das tatsächliche Ende der Kohleverstromung in München ist weiter offen. Denn das Heizkraftwerk München Nord vorzeitig stillzulegen, kostet den Beitreiber, die Stadtwerke München, zwischen 217 und 279 Millionen Euro, und die Stadtwerke München verweisen darauf, sie seien gesetzlich verpflichtet, die Stromversorgung zu gewährleisten. Mit diesem Argument wird die direkte Umsetzung des Bürgerentscheid-Ergebnisses abglehnt. Sollten interimsweise kleine Heizwerke in den Stadtvierteln errichtet werden, kämen auf die Stadtwerke auch noch die Kosten für den Kauf geeigneter Grundstücke zu. Das haben neue Berechnungen der Stadtwerke ergeben.

Bis 2022 soll nur noch ein Viertel des Stroms aus Kohle kommen

Rund ein Drittel des Stroms kommt in Deutschland derzeit noch aus Kohlekraftwerken. Bei den Verhandlungen war insbesondere umstritten, bis wann und in welchen Schritten die Stromgewinnung aus Kohle in Deutschland enden soll. Bis 2022 sollen nun insgesamt 12,5 Gigawatt Leistung aus dem Netz genommen werden - danach betrüge der Kohleanteil an der deutschen Stromerzeugung nur noch gut ein Viertel. 2030 sollen nur noch höchstens 9 Gigawatt Braunkohle und 8 Gigawatt Steinkohle am Netz sein - das wären dann nur noch rund ein Achtel des Stroms in Deutschland. Zusammen haben die Kohlekraftwerke derzeit eine Leistung von rund 45 Gigawatt.

Kosten des Ausstiegs werden nicht auf Stromkunden abgewälzt

Privathaushalte und die Wirtschaft sollen von steigenden Strompreisen entlastet werden. Die Kommission hält dafür unter anderem einen Zuschuss von mindestens zwei Milliarden Euro pro Jahr für erforderlich, wie es nun im Abschlussbericht heißt, etwa um die Netzentgelte zu senken. Eine zusätzliche Abgabe oder Umlage für Stromkunden soll es nicht geben.

Bis Ende April soll Regierung Eckpunkte für den Ausstieg festlegen

Die von der Regierung eingesetzte Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" kann nur Vorschläge machen, die Umsetzung ist Sache der Politik. Sinn der Kommission war, einen breiten Konsens herzustellen, ähnlich wie beim Atomausstieg. In dem 28-köpfigen Gremium sind Vertreter von Industrie, Gewerkschaften, Umweltverbänden und Wissenschaft vertreten. Die Kommission fordert die Bundesregierung auf, schon bis Ende April Eckpunkte für dieses Maßnahmengesetz vorzulegen und sich dafür mit den Ländern abzustimmen.

Atomkraftwerke laufen noch bis 2022

Die Atomkraftwerke gehen in Deutschland bis 2022 vom Netz. Auch der Anteil des Kohlestroms nimmt schon ab. Allerdings muss der Umstieg auf Ökostrom beschleunigt werden, weil Deutschland sonst nationale und internationale Klimaziele verpasst. Bis 2050 soll der Ausstoß an Kohlendioxid (CO2), dem wichtigsten Treibhausgas, um 80 bis 95 Prozent unter dem Wert von 1990 liegen. Da auch in anderen Sektoren dafür auf Strom statt auf Kohle, Öl und Gas gesetzt werden muss, gewinnt die Stromerzeugung zusätzlich an Bedeutung.

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