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Körperliche und seelische Störungen bei Kindern durch Lockdown | BR24

© dpa-Bildfunk/Rolf Vennenbernd

Kind schreibt "Lockdown-Tagebuch"

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Körperliche und seelische Störungen bei Kindern durch Lockdown

Die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder sei durch den Lockdown massiv gestiegen, sagen die deutschen Kassenärzte. Auch der Direktor einer großen Kinderklinik spricht von schweren psychische und körperlichen Störungen als Folge der Einschränkungen.

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Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, warnt vor den Folgen des wochenlangen Lockdowns für Kinder: "Schon jetzt berichten Kinderärzte und Jugendtherapeuten über eine massive Zunahme von Kindern, die verhaltensauffällig sind", sagte Gassen der "Rheinischen Post". "Kein Wunder, wenn sie über Wochen keine anderen Kinder zum Spielen und keine strukturierten Tage mehr haben."

Schulen "keine Infektionstreiber"

Gassen bekräftigte seine Forderung, die strengen Einschränkungen bald zu lockern: "Schulen sollten so schnell wie vertretbar wieder geöffnet werden. Wir vernichten sonst Bildungschancen der Kinder." In Schulen kämen zwar viele Menschen zusammen, als "Infektionstreiber" seien sie bisher aber nicht wirklich aufgefallen.

Auch der Direktor der Westfälischen Kinderklinik Dortmund, Dominik Schneider, beklagt schwere psychische und körperliche Störungen bei Kindern durch die Corona-Pandemie. Quer durch alle Schichten hätten die Belastungen und Erkrankungen zugenommen, sagte Schneider am Samstag im Deutschlandfunk.

Depressionen und nächtelange Computerspiele

Als Beispiele nannte er depressive Störungen, Essstörungen, Gewichtszunahme oder pathologisches Medienverhalten. In der Klinik würden Kinder behandelt, die kollabiert seien, weil sie nächtelang am Computer gespielt hätten.

"Wir müssen wirklich die Stimme der Kinder hören", sagte Schneider. In allen Schichten gebe es verwahrloste oder schlecht ernährte Jungen und Mädchen. Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie seien für Kinder massiv. Von den drei sozialen Räumen Familie, Schule und Freunde oder Hobbys, in denen sich Kinder normalerweise bewegen, seien zwei weggefallen.

Kranke Kinder verschwinden vom Radar

Auch kämen Kinder mit schweren Erkrankungen wie Diabetes oder Krebs deutlich später in die Klinik als zu Nicht-Pandemie-Zeiten. Teilweise seien sie in desolatem Zustand. Schneider: "Das liegt einfach daran, dass die Kinder nicht so gut im Gesundheitsnetz - in den Kinderarztpraxen oder in den Kliniken - gesehen werden. Sie sind einfach nicht da."

Die Schulen sollten schrittweise wieder geöffnet werden, forderte der Chefarzt. An Schulen seien selten größere Corona-Ausbrüche vorgekommen, und Kinder erkrankten selten schwer an Corona. Notwendig seien intelligente Lösungen mit verlässlichen Lerngruppen und Testsystemen an Schulen. Dies erfordere Investitionen in Technik und Personal. Die bisherigen Maßnahmen wie Maske auf und geöffnete Fenster reichten nicht aus. Die Nachverfolgung von Infektionen müsse verbessert und der Schulweg sicherer gemacht werden, sagte Schneider.

© BR

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