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Kobaltabbau im Kongo - Kinderarbeit für Handy-Akkus | BR24

© BR - Linda Staude

In der Batterieherstellung für Smartphones und Tablets benötigt man Kobalt. Im Kongo werden zwei Drittel dieses weltweit geförderten Rohstoffs abgebaut - allerdings zum Teil unter katastrophalen Bedingungen. Eine Reportage von Linda Staude.

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Kobaltabbau im Kongo - Kinderarbeit für Handy-Akkus

Für die Batterieherstellung für Smartphones, Tablets und Elektroautos benötigen die Hersteller Kobalt. Im Kongo werden zwei Drittel davon abgebaut – teilweise bei katastrophalen Bedingungen. Kinder arbeiten in Minen, um ihre Familien mitzuernähren.

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Die moderne Welt braucht Kobalt. In der Batterieherstellung für Smartphones, Tablets und Elektroautos benötigen die Hersteller Kobalt. Im Kongo werden zwei Drittel des weltweit geförderten Rohstoffs abgebaut – allerdings zum Teil unter katastrophalen Bedingungen. Denn neben den Tagebau-Minen großer Bergbauunternehmen schürfen immer noch Kinder nach Kobalt und sichern dadurch das Einkommen ihrer Familien.

Sauberes Kobalt ist schwer zu bekommen

Mit ihren Händen graben sie enge Löcher in den Boden, in die man sich gerade so hineinzwängen kann. Namhafte Abnehmer fürchten, dass ihr Ruf leidet, wenn bekannt wird, wo und wie der kostbare Rohstoff gefördert wird. Sie möchten gerne "sauberes" Kobalt verwenden. Aber das ist nicht so leicht zu bekommen, wie Linda Staude recherchiert hat.

Sie stapft mit Serge Nikumuzinga durch das hohe Gras hinter seinem Dorf Mukoma. Nur ein paar Dutzend Meter von den einfachen Häusern aus ungebrannten Lehmziegeln mit Wellblechdächern entfernt ist ein tiefes, völlig überwuchertes Loch. Der junge Mann biegt das Grünzeug zur Seite und legt einen ungesicherten Schacht frei. Aus den bröckelnden Wänden ragen ein paar dickere Steine – ein wackeliger Halt für Hände und Füße beim Einstieg

"Hier haben wir Kobalt abgebaut. Aber dann sind wir auf Grundwasser gestoßen. Da ist noch Kobalt, aber das Abpumpen ist zu teuer." Serge Nikumuzinga

Täglich sterben Kinder beim Kobalt-Abbau

Die verlassene Mini-Mine ist sieben Meter tief. Nicht viel für Kolwezi in der Demokratischen Republik Kongo. 20 oder sogar 50 Meter tiefe Erdlöcher sind überall – alle selbst gegraben und alle gefährlich. Tödliche Unfälle sind Alltag.

"Natürlich sterben Leute darin. Wenn man in das Loch steigt, bröckeln manchmal die Wände. Steine fallen herunter, und man kann sterben." Serge Nikumuzinga

In Kürze wird das Kobalt im Boden professionell abgebaut. Serges Dorf muss weg, Platz machen für den nächsten großen Tagebau. Das wertvolle Mineral ist unverzichtbar für wiederaufladbare Batterien – und damit für Elektroautos, Handys oder Tablets. 60 Prozent des Kobalts kommen aus dem Kongo – und oft genug aus den unzähligen handgegrabenen Schächten.

"Ich hatte keine andere Arbeit. Meine Brüder haben mir gesagt, in den Minen kannst du viel Geld verdienen. Deshalb habe ich dort angefangen." Serge Nikumuzinga

Einzelne "Kobalt-Kinder" können eine Berufsausbildung machen

Acel ist 15. Zweieinhalb Jahre hat er in den Minen geschuftet, bis "World Vision" ihm eine Ausbildung zum Schweißer finanziert hat.

"Zu Beginn des Projekts haben wir fast 10.000 Kinder in den Minen aufgespürt. Wir kümmern uns um neun Standorte. Seither haben wir 1.200 Kinder da rausgeholt." Florence Mambo, World Vision

In der ganzen Provinz Katanga arbeiten mindestens 20.000 Kinder in den Minen oder waschen das Mineral aus dem wertlosen Geröll. Alphonse hat mit elf angefangen, Kobalt zu schürfen.

"Damals war mein Vater sehr krank und konnte nicht arbeiten. Er war nicht glücklich, dass ich in die Minen gegangen bin, aber ich musste, damit wir überleben konnten. Seit es ihm besser geht, arbeitet er wieder in den Minen, und ich gehe zur Schule." Alphonse

Kinderarbeit ist verboten, aber Polizisten sind korrupt

Kinderarbeit ist auch im Kongo verboten, und die großen Bergbaukonzerne halten sich an das Gesetz. In den wilden Minenfeldern sollen es spezielle Minen-Polizisten durchsetzen. Aber die sind oft korrupt, sagt die 13-jährige Patricia.

"Wenn du ihnen etwas zahlst, lassen sie dich durch. So 2.000 Francs. Wenn ich 3.000 Francs verdiene, bleiben mir dann nur noch 1.000 Francs." Patricia

Ungefähr 1,50 Euro – eine winzige Summe. Aber es gibt auch Schürfer, die mit dem Kobalt ein kleines Vermögen gemacht haben. Der Traum vom leicht verdienten Geld oder wenigstens von einem sicheren Einkommen hält mehr als 100.000 Menschen in den gefährlichen Mini-Minen. Sie einfach zu schließen, ist keine Lösung, sagt Florence Mambo:

"Ein Verbot, ja, aber was ist die Alternative? Die Eltern haben keine andere Möglichkeit, ihre Kinder zu ernähren. Und so lange das der Fall ist, wird der illegale Kobaltabbau so weitergehen." Florence Mambo, World Vision