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Charlotte Knobloch
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Caroline von Eichhorn
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Charlotte Knobloch

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hat die AfD als judenfeindlich kritisiert – trotz der Gründung der Vereinigung "Juden in der AfD". "Die AfD unternimmt etwas, um sich als judenfreundlich darzustellen, was sie nicht ist", sagte Charlotte Knobloch am Vormittag im Interview mit phoenix. "Wenn man sich das Wahlprogramm der AfD in Bayern ansieht, heißt es: Juden raus aus Deutschland."

"Irregeführte" JAfD-Mitglieder

Für die Vereinigung, die sich der AfD angeschlossen hat, hat sie kein Verständnis. "Diese kleine Gruppe von angeblich jüdischen Menschen ist nicht in der Lage dieses Thema so zu bearbeiten, wie es zu bearbeiten ist. Das ist Aufgabe der Politiker, der Zuständigen. Wir brauchen nicht Irregeführte, die von einer Partei missbraucht werden."

Knobloch fordert deutlichere Abgrenzung von der AfD

Knobloch kritisierte die anderen Parteien dafür, dass sie sich nicht genug gegen die AfD stellen. "Es wäre sehr wichtig, die AfD in erster Linie zu ignorieren", sagte Knobloch. "Es fehlen mir einige Worte und Feststellungen von Bundespolitikern, die dieses Thema ganz intensiv behandeln und dementsprechend sich äußern." Das Thema betreffe nicht nur Juden, sondern alle, die sich ein demokratisches und friedvolles Land wünschen, so Knobloch. Sie hofft, dass die Politik und die Bildungseinrichtungen endlich etwas unternehmen und dem Antisemitismus – sei er rechts oder islamistisch motiviert – Rechnung tragen.

Aktuelle Situation erinnert Knobloch an die Zeit vor der Machtergreifung Hitlers

Knobloch erinnert die aktuelle Situation an die Zeiten 1928/1929 bis zur Machtergreifung Hitlers 1933 und an den Süden in den Vereinigten Staaten, als dort die Country Clubs Dunkelhäutige aufgenommen haben, um verfassungsgerecht zu sein.

Viele JAfD-Mitglieder stammen aus der ehemaligen Sowjetunion

Am Sonntag wurde in Wiesbaden die innerparteiliche Vereinigung "Juden in der AfD" gegründet. Der Gruppe gehörten insgesamt 24 Personen an, sagte der hessische AfD-Landessprecher Klaus Herrmann nach der Gründungsversammlung der dpa. Ein Drittel von ihnen stamme laut Herrmann aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion.