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Klöckners Ackerbaustrategie: Pflanzen-Fünfklang und 5G | BR24

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Naturschutz und Landwirtschaft dürfen keine Gegensätze sein. So fordert es Bundesagrarministerin Klöckner. Sie stellte in Berlin ihre Ackerbau-Strategie vor.

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Klöckners Ackerbaustrategie: Pflanzen-Fünfklang und 5G

Mehr Pflanzenvielfalt, mehr Digitalisierung: Bundesagrarministerin Klöckner (CDU) will Produktivität und Naturschutz auf den Äckern stärker in Einklang bringen. Aber: Mit Umweltministerin Schulze (SPD) hat sie ihre Pläne noch nicht abgesprochen.

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Landwirt Thomas Scheuerer aus Hagelstadt in der bayerischen Oberpfalz steht neben einem Berg Zuckerrüben. Er ist dabei, die letzten Rüben des Jahres zu ernten. Der Bauer betreibt einen konventionellen Ackerbaubetrieb: "Wir bauen Getreide an, Weizen und Dinkel. Und Hackfrüchte wie Zuckerrüben und Kartoffeln." Damit ist der Landwirt nah dran an einer vielfältigen Fruchtfolge, so wie sie sich die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vorstellt.

Ackerbaustrategie: Fruchtfolge erweitern

In ihrer Ackerbaustrategie plädiert die CDU-Politikerin dafür, die Fruchtfolge auf den Äckern zu erweitern. Das heißt, dass auf einer Fläche mehrere Nutzpflanzen angebaut werden sollen, es also einen Wechsel aus Winter- und Sommergetreide und Blattfrüchten gibt. Klöckner warnt: "Enge Fruchtfolgen befördern Resistenzbildung von Unkräutern oder Ertragsverluste. Und deshalb eben die Notwendigkeit für mehr Pflanzenschutzmittel. Und wir wollen hin zu einem Fünfklang für fruchtbare Böden und Biodiversität."

Mehr Dinkel, Hafer, Erbsen und Bohnen

Fünfklang, das heißt konkret: Bis 2030 sollen die Landwirte mindestens fünf verschiedene Pflanzen je Betrieb anbauen. Laut Klöckner dominieren derzeit Weizen, Gerste, Raps und Mais auf den Feldern in Deutschland, mit 70 Prozent der Anbaufläche. Das soll sich ändern. Die Landwirte sollen zum Beispiel mehr Dinkel, Hafer, Erbsen und Bohnen anbauen.

Landwirtschaft soll "smart und digital" werden

Weitere Stichwörter in Klöckners Ackerbaustrategie: Smart und digital. Für die Bundeslandwirtschaftsministerin heißt das: Schnelles Internet an jedem Acker, Drohnen schweben über den Feldern. Doch dafür sind 5G-Netze auf allen landwirtschaftlich genutzten Feldern nötig, sagt die CDU-Politikerin. Sie verweist auf die Mobilfunkstrategie der Bundesregierung. 60 Millionen Euro will der Bund in den kommenden fünf Jahren bereitstellen, um die Funklöcher über den landwirtschaftlich genutzten Flächen zu schließen.

Weniger Pflanzenschutzmittel mithilfe der Digitalisierung

Aus Sicht Klöckners ist die Digitalisierung zum Beispiel nötig für GPS-gesteuerte Traktoren. Und um Pflanzen- und Bodensensoren sowie Kameras an Drohnen einzusetzen, die den Pflanzen- und Bodenzustand erkennen und dann zielgenau düngen können. Die Ministerin sagt: "Wir brauchen Digitalisierung, wenn Wetterstationen Dürreperioden besser vorhersagen. Und das sind die besten Maßnahmen, um den Ackerbau an den Klimawandel anzupassen, weniger Pflanzenschutz einsetzen zu müssen und wir können auch Ressourcen schonen."

Strategie noch nicht mit Bundesumweltministerium abgesprochen

Dagegen hat auch die Bundesumweltministerin Svenja Schulze nichts einzuwenden. Die SPD-Politikerin hat kürzlich eigene Eckpunkte für eine Ackerbaustrategie vorgelegt. Darin heißt es, die derzeitige Intensität des Einsatzes chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel sei nicht zukunftsfähig. Ein Thema, das immer wieder für Konflikte zwischen den beiden Ressorts, Bundesumwelt- und Bundeslandwirtschaftsministerium, führt.

Die Frage, warum die beiden Ministerinnen keine gemeinsame Ackerbaustrategie vorgelegt haben, beantwortet die Bundeslandwirtschaftsministerin so: "Jetzt sind wir schon noch einzelne Ressorts. Man fühlt sich ja schon fast wie in einer WG, wenn man jeden Mittwoch im Kabinett sitzt. Aber wir sind einzelne Ressorts."

Ob WG, oder Ressort, die beiden Ministerinnen werden sich noch abstimmen müssen. Landwirt Thomas Scheuerer verfolgt die Debatte genau. Er ist bereit dazu, mehr für den Umweltschutz auf seinen Äckern zu tun, zum Beispiel mehr Zwischenfrüchte anzubauen. Doch er sagt: Dafür müssten die Ackerbauern dann auch besser bezahlt werden, damit sie ihre Betriebe rentabel betreiben können.