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Klimaziele: Wie weit sind andere Länder? | BR24

© BR/Miriam Stumpfe

Das Pariser Klimaabkommen im Jahr 2015 hat die Erderwärmung auf 1,5 bis 2 Grad begrenzt. Was die einzelnen Länder dafür tun müssen, steht nicht in dem Vertrag. Deutschland ist von den Zielen noch weit entfernt. Und die anderen Länder?

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Klimaziele: Wie weit sind andere Länder?

Das Pariser Klimaabkommen im Jahr 2015 hat die Erderwärmung auf 1,5 bis 2 Grad begrenzt. Was die einzelnen Länder dafür tun müssen, steht nicht in dem Vertrag. Deutschland ist von den Zielen noch weit entfernt. Und die anderen Länder?

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Es ist umstritten, ob das letzte Woche von der Bundesregierung vereinbarte Klimapaket ausreichen wird, um die Klimaziele schnell genug zu erreichen. Wenn Deutschland sich ein Beispiel nehmen wollte, dann könnten vor allem kleinere Länder Vorbilder sein. Eine besonders ambitionierte Klimapolitik verfolgen etwa Marokko, Bhutan oder Costa Rica - und sie erreichen damit zurzeit auch die Pariser Klimaziele.

"Das sind kleinere Länder, aber das zeigt, dass Klimaschutz auch mit ihren Ressourcen möglich ist." David Ryfisch, German Watch

Costa Rica will schon in zwei Jahren bei der Stromerzeugung ganz auf Erneuerbare setzen – und ist aus der Erdölförderung ausgestiegen. Marokko baut die Wind- und Solarenergie zielstrebig aus.

Einer der Vorreiter ist Indien

Auch Indien steht nicht schlecht da im weltweiten Vergleich, so das Projekt "Climate Action Tracker". Ein internationales Wissenschaftler-Team bewertet darin die Klimaanstrengungen einzelner Staaten. Bei den Berechnungen des Climate Action Tracker sticht Indien heraus: Das Land erreiche fast das 1,5-Grad-Ziel, obwohl deren Emissionen steigen.

"Das liegt daran, dass Indien sehr niedrige Pro-Kopf-Emissionen hat, und für ein Land auf diesem Entwicklungsstand passiert in Indien doch sehr viel: Indien baut erneuerbare Energien aus, macht sich Gedanken zur Elektromobilität, und deswegen bekommt es eine sehr gute Bewertung." Niklas Höhne, Projekt Climate Action Tracker

EU steuert drei Grad an

Aber die meisten Länder der Erde strengen sich zu wenig an: Insgesamt reichen die internationalen Klimapläne hinten und vorne nicht aus, um das Pariser Ziel zu erreichen – nämlich die Erwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen.

"Wenn man alles zusammenzählt, was Länder vorgeschlagen haben, dann erreichen wir drei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts." Niklas Höhne, Projekt Climate Action Tracker

Gerade die großen CO2-Verursacher stehen schlecht da. Die EU müht sich – aber im internationalen Vergleich würden ihre Klimapläne bestenfalls für ein Drei-Grad-Ziel ausreichen.

USA und China schädigen das Klima

Die USA unter Präsident Donald Trump haben sich aus dem Pariser Prozess ohnehin verabschiedet und China schwankt: Das Land baut zwar in rasendem Tempo die Erneuerbaren aus, investiert aber im Ausland in viele klimaschädliche Projekte.

"Da steht der Bau von Kohlekraftwerken auf der Liste, der Bau von Energieinfrastrukturen und von Straßen, die alle auf CO2-intensive Konzepte setzen. Da ist nichts von Klimaschutz zu sehen." Susanne Dröge von der Stiftung Wissenschaft und Politik

Brasilien macht beim Klimaschutz nicht mit

Und dann ist da noch Brasilien unter seinem neuen Präsidenten Jair Bolsonaro. Er hat mit seiner Drohung, aus dem Abkommen auszutreten, bisher nicht ernst gemacht, hat aber bei den Brandrodungen im Amazonas gezeigt, dass er beim Klimaschutz einfach nicht mitmacht.

Die Euphorie des Pariser Klimaabkommens ist längst der Ernüchterung gewichen. Deswegen jetzt der Sondergipfel in New York.

"Beim Gipfel in New York geht es schon darum, dass UN-Generalsekretär Antonio Guterres die Staats- und Regierungschefs fast schon persönlich in die Pflicht nimmt, nicht mit leeren Händen zu kommen. Und er hat auch gesagt, dass er keine Sonntagsreden erwartet, sondern konkrete Zusagen." Susanne Dröge von der Stiftung Wissenschaft und Politik

Deutschland: Reicht Klimaschutzpaket aus?

Der Gipfel soll also motivieren und es sollen nur Länder sprechen, die auch konkrete Pläne vorlegen. Von Deutschland erwarten einige dort Impulse. Ob das gelingen kann, mit dem umstrittenen Klimaschutzpaket, mit dem Angela Merkel nach New York reist – ist fraglich. Doch es gibt ja auch Länder wie Finnland, das schon beschlossen hat, 2035 klimaneutral zu werden.

Trotz aller Skepsis sieht Niklas Höhne Chancen, dass das Treffen in New York etwas bewegt. Der Zeitpunkt ist günstig:

"Die globale Aufmerksamkeit, Fridays for Future und jetzt der globale Klimastreik: Eine solche öffentliche Aufmerksamkeit gab es bisher nicht in dieser Größenordnung." Niklas Höhne, Projekt Climate Action Tracker

Außerdem seien die erneuerbaren Energien seit Paris in einigen Ländern fast um die Hälfte des Preises gesunken, so Höhne. Das bedeute, dass der Umschwung günstiger werde. Höhnes Meinung nach müsste also jedes Land in der Lage sein, heute einen ambitionierten Plan vorzulegen.