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Einkaufen ohne Plastiktüten
© pa/dpa/Horst Ossinger
© pa/dpa/Horst Ossinger

Einkaufen ohne Plastiktüten

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – und er hat es gern bequem. Angewohnheiten ändern? Wie anstrengend! Verbote befolgen? Da reagieren wir mit Trotz und Abwehr. Deshalb ändern wir unser Verhalten dann am besten, wenn es uns gar nicht bewusst ist. Die Verhaltenspsychologie nennt das "Nudging". Kleine "Anstupser", denen wir wie von selbst folgen, ohne es überhaupt zu merken. Der Nachhaltigkeitsforscher Felix Eckardt nennt Beispiele: So könne man Kopierer automatisch auf "doppelseitig kopieren" voreinstellen, um Papier zu sparen. Oder Fahrstühle in entlegene Gebäudeecken verbannen, um die Menschen zu mehr körperlicher Bewegung zu bringen.

Nudging: zum Klimaschutz geschubst

Umweltfreundliches Verhalten sollte uns also so leicht wie möglich gemacht werden. Wir entscheiden schneller, wenn wir nicht lange darüber nachdenken müssen: Benutzen keine Plastiktüten, wenn sie nicht an der Kasse liegen. Greifen eher zum vegetarischen Gericht, wenn es das günstige Tagesgericht ist. Und noch etwas spielt, so Felix Eckardt, eine große Rolle: Das Vorbild: "Gruppendruck kann helfen, weil Menschen Herdentiere sind und eher Nachmacher sind, als Vormacher."

Klimaschutz muss cool werden

In der Mode eifern wir gerne anderen nach. Rauchen gilt mittlerweile als uncool. Könnte man also den Wunsch, mit der Mehrheit mitzulaufen, zum Beispiel auch beim Stromsparen nutzen? In Kalifornien verschicken Stromanbieter ihre Rechnungen mit dem Hinweis "Ihr Verbrauch ist im Vergleich zu ihren Nachbarn höher". Ergebnis: Diese Stromkunden bemühen sich zu sparen.

Braucht es Verbote?

Kritiker des Nudgings wenden ein, dass solche Maßnahmen nicht genug bringen. Felix Eckardt gehört zu ihnen. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müssten die Co2-Emissionen drastisch gesenkt werden. Das gehe nur über Verbote und entschlossenes politisches Handeln. Sollen wir also gleich die Flinte ins Korn werfen, weil wir als Einzelne zu wenig ausrichten? Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung sieht das anders:

"Das sind alles keine Entweder-oder-Fragen, sondern man muss an allen Stellschrauben drehen, um eine bedrohliche Klimakatastrophe abzuwenden." Stefan Rahmstorf, Klimaforscher

Klimawandel im Wetterbericht?

Mehr Informationen, zum Beispiel im Wetterbericht, könnten das Bewusstsein der Bürger für die Auswirkungen des Klimawandels schärfen. Ein Beispiel: Wenn Luft ein Grad wärmer ist, kann sie sieben Prozent mehr Wasser aufnehmen. Heftige Regenfälle sind die Folge. Klimaforscher Stefan Rahmstorf fände es gut, wenn solche Zusammenhänge öfter erklärt würden. Gerne auch im täglichen Wetterbericht. Die eigentlich abstrakte Information, wenn wir von einer Erderwärmung von einem oder zwei Grad sprechen, wird damit viel anschaulicher.

Fazit: Wir brauchen sachliche Aufklärung, Vorbilder und möglichst viele "Anstupser", um unser Verhalten zu ändern.