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Wenn das Eis auf den Gipfeln schwindet | BR24

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Experten aus aller Welt beraten in Genf über Folgen des Klimawandels für die Bergwelt

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Wenn das Eis auf den Gipfeln schwindet

Die Bergwelt wird vom Klimawandel hart getroffen. Wie kann darauf am besten reagiert werden? Darüber beraten Experten auf einer Konferenz in Genf. Die Weltwetterorganisation will eine verbesserte Forschung über den Klimawandel im Hochgebirge.

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Die Hochgebirge sind mehr als ein Postkartenmotiv, mehr als nur Gebiete zum Wandern und Skifahren. Die Bergwelt spielt eine wichtige Rolle in verschiedenen Bereichen - als Lebensraum, als landwirtschaftliches Gebiet, als Wirtschaftsfaktor oder als wichtiger Wasserlieferant. Schließlich sind die dortigen Ökosysteme Trinkwasserquelle für mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung.

Zwar wirken die mächtigen Berge so, als könne niemand ihnen etwas antun, doch reagieren ausgerechnet die Hochgebirge äußerst sensibel auf die in Folge des Klimawandels weltweit steigenden Temperaturen. Niederschlagsmuster verändern sich, Gletscher schmelzen, Permafrost taut. Ganze Bergmassive drohen zu zerbröseln.

Es drohen Felsrutsche und Überschwemmungen

Auf der Konferenz der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf diskutieren nun mehr als 150 Experten darüber, wie sich der Klimawandel auf die Hochgebirge auswirkt. So drohten beispielsweise mehr gefährliche Naturereignisse, erklärt Carolina Adler, die Co-Vorsitzende des Hochgebirgsgipfels: "Zum Beispiel Steinschläge, Schlammlawinen, Felsrutsche, aber auch wasserbedingte Folgen, wie Überschwemmungen aus überlaufenden Seen - in den Alpen etwa. So etwas beobachten wir in der gesamten Bergwelt."

Abgesehen von den unmittelbaren Zerstörungen habe der Klimawandel einen Effekt auf die Bevölkerung und die Wirtschaft. Nicht nur in den Bergregionen selbst, sondern auch in dichtbesiedelten Gebieten im Flachland - nicht zuletzt durch Veränderungen bei der Wasserversorgung, so die Umweltwissenschaftlerin: "Dies wird Auswirkungen haben auf unsere Nahrungsmittelproduktion, die Möglichkeit, Energie mittels Wasserkraft zu gewinnen und auch in anderen Bereichen, z.B. im Tourismus, wird der Klimawandel zu spüren sein - im Winter- und Schneetourismus. Das ist ja gerade für viele Alpenländer ein wichtiger Wirtschaftszweig."

Keine Panikmache, sondern Lösungen

Auf dem Expertentreffen bei der Weltwetterorganisation in Genf soll es nicht um Panikmache gehen. Vielmehr dreht es sich um die Frage, wie der Klimawandel und seine Folgen besser erforscht und die Ergebnisse international vergleichbar gestaltet werden können. Davon sei man weit entfernt.

Außerdem soll erörtert werden, wie am besten auf die Veränderungen reagiert werden kann, etwa mit Katastrophenvorsorge durch bessere Warnsysteme, verändertes Wassermanagement für Bewohner oder eine nachhaltig ausgerichtete Anpassung der Wirtschaft in den Bergregionen.

Bis Donnerstag soll in Genf zudem ein "Call for Action", ein internationaler Aktionsplan für das Hochgebirge, diskutiert und angenommen werden, sagt die Co-Vorsitzende des Hochgebirgsgipfels Carolina Adler: "Ziel dieses Treffens ist es nicht nur, alle zusammenzubringen und zu diskutieren, sondern auch eine Verpflichtung - von Regierungen, nationalen und regionalen Institutionen, von zwischenstaatlichen Organisationen und der wissenschaftlichen Gemeinschaft - den Austausch zu intensivieren." Denn das sei ein Problem, dass nicht jede Gruppe einzeln angehen könne. Es müsse statt dessen über das Spektrum verschiedener Interessengruppen hinweg koordiniert werden.

Die Weltwetterorganisation betonte vor Beginn des Treffens, wie wichtig es sei, auf die Folgen des Klimawandels in den Bergregionen zu reagieren, denn sie umfassten ein Viertel der Landfläche der Erde und seinen Lebensraum für 1,1 Milliarden Menschen.