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Klimawandel: Italien wird zum Überschwemmungsland | BR24

© dpa-Bildfunk

04.10.2020, Italien, Ornavasso: Ein Feuerwehrhubschrauber überfliegt eine überschwemmte Stadt in der norditalienischen Region Piemont.

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    Klimawandel: Italien wird zum Überschwemmungsland

    Der Klimawandel lässt Extremwetter-Phänomene weltweit zunehmen. In Europa trifft es Italien besonders hart: Starkregen führt immer öfter zu Überflutungen - das Land muss sich wappnen.

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    Eingestürzte Brücken, weggeschwemmte Häuser, abgetragene Straßen: Mehr als 600 Liter Regen fielen Anfang Oktober pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden im westlichen Piemont - eine Menge wie sonst innerhalb eines halben Jahres. Der Fluss Roya an der französisch-italienischen Grenze wuchs zum gewaltigen Strom, sechs Menschen wurden von ihm fortgerissen und starben. Starkregen, Hagel, Stürme: Die Zahl der Extremwetter-Phänomene nimmt weltweit aufgrund der Erderwärmung zu. Italien ist von der Dynamik besonders hart betroffen.

    Erwärmung des Mittelmeers hat Folgen für Italien

    Wurden in Italien im Jahr 2009 rund 300 Extremwetter-Phänomene gezählt, waren es im Jahr 2019 laut der European Severe Weather Database mehr als 1.600 - eine Verfünffachung innerhalb von zehn Jahren. Der Grund ist die Erderwärmung, durch die auch die Temperatur des Mittelmeers in den vergangenen 15 Jahren circa um ein halbes Grad gestiegen ist. Mit großen Folgen für Italien: Da das Land wie eine Brücke im Mittelmeer liegt, ist das Wetter dort stark vom Meer geprägt.

    Klimaforscher Antonello Pasini von der italienischen Gesellschaft für Klimaforschung sagt, das Land befindet sich im Auge des Sturms. Denn die Erwärmung des Meeres führt dazu, dass mehr Energie im Klimasystem ist, die sich dann an Land entlädt. Deswegen nehmen in kaum einem europäischen Land die Extremwetter-Phänomene so schnell zu wie hier.

    Ein Drittel der jährlichen Regenmenge in 30 Stunden

    Das Dorf Monterosso gehört zu den Cinque Terre, den fünf jahrhundertealten Nachbargemeinden an der italienischen Riviera. Es ist ein Touristen-Magnet. Die bunt getünchten Häuser drängen sich am schmalen Küstenstreifen, gleich dahinter steigt die schroffe Steilküste auf: Der Schatz dieses Fleckens Erde ist seine spektakuläre Landschaft. Doch darin liegt auch eine Bedrohung: Denn bei starken Niederschlägen im Hinterland schwellen die kleinen Bäche hier innerhalb kurzer Zeit an, treten über die Ufer und bedrohen Bewohner und Touristen - so wie am 25. Oktober 2011.

    Nach einem Starkregen riss der örtliche Bach Baumstämme und Geröll mit, die das Bachbett und einen unterirdischen Kanal verstopften. Das Wasser staute sich, bis schließlich ein breiter Strom durch Monterosso emporschoss. Die Gäste retteten sich in die höher gelegenen Zimmer, ein Mitarbeiter des Zivilschutzes wurde von der Flut ergriffen und ertrank. An jenem Tag war innerhalb von 30 Stunden ein Drittel der Regenmenge gefallen, wie sonst in einem Jahr.

    Sechs Kameras überwachen den örtlichen Bach

    Monterossos Bürgermeister Emanuele Moggia ist sich sicher, dass dieser extreme Regen wiederkommen wird. Vergangenes Jahr mussten zehn Mal die Schulen und Restaurants schließen, weil Starkregen angekündigt war.

    Moggia will dem Extremwetter etwas entgegensetzen: Insgesamt sechs Kameras überwachen heute das Rinnsal, das damals das Unheil brachte. Die Bilder werden in ein Kontrollzentrum übertragen, das heute in einer Ecke der Gemeindebücherei im Rathaus steht. Bei Starkregen kann der Zivilschutz von hier aus beobachten, wie schnell der Pegel steigt und ob der Kanal verstopft - und so die Gefahr genauer einschätzen.

    Ein zweiter Tunnel soll schwere Schäden verhindern

    Die Regierung in Rom will sieben Milliarden Euro aus dem Corona-Hilfspaket bereitstellen, um die Städte und Dörfer wetterfest zu machen. Die Kommunen sollen nun prüfen, wo auf dem Gemeindegebiet die Schwachstellen bei Kanalisation, Dämmen oder Brücken liegen.

    Moggia will zusätzlich einen weiteren Überlaufkanal mit einem Tunnel bauen, der nur eine Funktion hat: Falls der kleine Bach über die Ufer tritt, soll er das Wasser durch einen Berg ins Meer leiten. Elf Millionen Euro soll der 600 Meter lange Tunnel kosten.

    Das Projekt ist heikel, denn Monterosso liegt im Nationalpark Cinque Terre. Die Natur und die Landschaft sind besonders geschützt und das Kapital des Ortes. Aber Bürgermeister Moggia sagt, dass der neue Kanal gut versteckt wäre. Das Geld sei gut investiert, denn das letzte Hochwasser habe Schäden in Höhe von circa 100 Millionen Euro verursacht - nicht zu vergessen, dass ein Bürger in den Fluten ertrunken ist. Moggia sagt, er wolle den Bürgern und Gästen Monterossos Sicherheit geben. Denn der nächste Starkregen kommt bestimmt.

    Mehr dazu sehen Sie am Samstag, 24. Oktober um 12.45 Uhr im Europamagazin.

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