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Klimaschutz – Wie viel ist er uns wert? | BR24

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Klimaschutz – Wie viel ist er uns wert?

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Klimaschutz – Wie viel ist er uns wert?

Die Politik diskutiert über Kohleausstieg und das Verbot von Plastiktüten. In Afrika und Asien wird der Klimawandel zum ganz realen Horrorszenario. Wie muss Klimaschutz in Zukunft aussehen, damit wir uns nicht selbst abschaffen?

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Weniger fliegen, regional einkaufen, die Online-Bestellungen reduzieren - das klingt alles gut. Doch die Verantwortung allein auf den Einzelnen und sein Konsumverhalten zu schieben, überfordert und ist auch der falsche Ansatz, sagt der Zukunftsforscher Harald Welzer. Er beschäftigt sich seit langem mit dem Klimawandel und den Folgen für unsere Gesellschaft. Die Verantwortung für den Umweltschutz zu individualisieren, verstellt den Blick auf das viel größere Problem, sagt der Soziologe: "Das Problem ist, dass wir eine extrem machtvolle ökonomische Sphäre haben und dass wir falsche Prioritäten setzen. Es soll sich im Grunde alles danach richten, dass Wirtschaft funktioniert. Und das bedeutet Steigerungslogik.“

Positive Visionen statt Untergangsstimmung

Das Paradox ist, dass heute den meisten Menschen klar ist, dass wir nicht mehr so weiterleben können wie in den vergangenen 40 Jahren. Und trotzdem nimmt der Konsum zu, werden die Autos größer und unser Lebensstil verschwenderischer. Harald Welzers Fazit lautet daher: Die Mahnungen, mit denen der Umweltschutz bisher begleitet wurde, bringen nichts.

"Wir brauchen das Bild einer erstrebenswerten, gestaltbaren Zukunft, die attraktiv ist, weil viel weniger verbraucht wird. Ich kann zum Beispiel die Utopie einer autofreien Stadt ganz wunderbar positiv begründen, da brauche ich nicht mal den Klimawandel dafür. Da kann ich darüber sprechen, wie viel Fläche man gewinnt, was das für Auswirkungen auf Boden- und Immobilienpreise hätte und wie sich der Lärm reduzieren würde.“ Harald Welzer, Soziologe

Dafür braucht es jedoch auch eine mutige Politik, die ihre Spielräume nutzt.

Globales Gerechtigkeitsproblem

In Europa, und besonders in Deutschland, leben wir auf großem Fuß – ökologisch gesehen. Mit 12,36 Tonnen CO2 im Jahr belastet der Durchschnittsdeutsche das Klima. Zum Vergleich: In Burkina Faso dagegen beträgt der durchschnittliche CO2-Verbrauch nur 0,16 Tonnen, sagt Okka Lou Mathis vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik.

"Das ist ein riesiges globales Gerechtigkeitsproblem, wenn man bedenkt, dass der Klimawandel in allen Staaten seine Auswirkungen zeigt und ganz besonders in armen Ländern, die in den am stärksten betroffenen Zonen liegen.“ Okka Lou Mathis, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik

Kein Braunkohleabbau mehr in der Lausitz

Wie viel ist uns der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen also wert? Sind wir bereit, dafür auf Arbeitsplätze zu verzichten? In der Lausitz, wo der Braunkohleabbau seit über 100 Jahren Tradition hat, wird genau das passieren. Spätestens 2038 soll Schluss sein mit der Kohleförderung. Viele Kumpel in der Lausitz sehen dadurch ihre Existenz gefährdet. Umbrüche und struktureller Wandel haben schon immer Verwerfungen mit sich gebracht, sagt Harald Welzer. Diese müssten sozial aufgefangen werden, aber Modernisierungsprozesse lassen sich nicht aufhalten, sagt der Soziologe und Zukunftsforscher.

„Man kann nicht damit weiter machen, Dinge die nicht zukunftsfähig sind, nur aus politischer Angst – wie in dem Fall vor der AfD – künstlich am Leben zu halten. Damit vergrößert man die Probleme nur.“ Harald Welzer, Soziologe

In Zukunft müsste es Mechanismen geben, die das Nachhaltigkeitsprinzip bei jeder politischen Entscheidung mitberücksichtigen, findet Okka Lou Mathis vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik. Denn so könnte jede politische Maßnahme dahingehend überprüft werden, ob sie mit den globalen Klimazielen übereinstimmt. Damit hätte der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen oberste Priorität.

© BR

Mehrere Umweltschutzverbände haben die Bundesregierung aufgefordert, Sofortmaßnahmen für mehr Klimaschutz anzugehen. Sie fordern unter anderem den sofortigen Kohleausstieg und einen CO2-Preis.