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Klimaschutz: Wie groß ist der CO2-Anteil des Verkehrs? | BR24

© BR/Moritz Pompl

In Deutschland werden knapp 800 Millionen Tonnen im Jahr an CO2 ausgestoßen. Aber aus welchen Quellen stammt das Treibhausgas eigentlich?

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Klimaschutz: Wie groß ist der CO2-Anteil des Verkehrs?

CO2 ist in aller Munde. Das Treibhausgas, das bei Verbrennungsprozessen entsteht, muss drastisch reduziert werden, soll es mit dem Klimaschutz klappen. Aber aus welchen Quellen stammt das CO2 eigentlich?

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Wenn es um Klimaschutz geht, dreht sich vieles um Kohlendioxid oder CO2. Es ist eines der wichtigsten Treibhausgase und entsteht bei Verbrennungsprozessen. In der Atmosphäre absorbiert es die Sonnenenergie und sorgt dafür, dass sich dort die Wärme hält. In Deutschland macht CO2 rund 90 Prozent der Emissionen aus. Derzeit sind es knapp 800 Millionen Tonnen im Jahr. Aber aus welchen Quellen stammt das CO2 eigentlich?

Wer einen Überblick über die CO2-Emissionen bekommen will, der muss Deutschlands obersten Treibhaus-Gas-Zähler fragen: Michael Strogies vom Umweltbundesamt. Es gibt vier Haupt-Quellen. Der Spitzenreiter?

CO2-Spitzenreiter: Die Stromerzeugung

Zu den 800 Millionen Tonnen CO2 in Deutschland trage die Energiewirtschaft mehr als 300 Millionen Tonnen bei, sagt Strogies. "Mit 40 Prozent macht das eine ganze Menge aus."

Der Grund: In Deutschland liefern Kohlekraftwerke immer noch den Großteil des Stroms. Die erneuerbaren Energien haben dazu geführt, dass die Stromerzeugung ein Drittel weniger CO2 ausstößt als im Vergleichsjahr 1990. Trotzdem gibt es noch viel Luft nach oben: Würde man zum Beispiel alle Braunkohlekraftwerke abschalten, so würden die CO2-Emissionen in Deutschland auf einen Schlag um fast 20 Prozent sinken.

Und auch auf Verbraucherseite gibt es Einsparpotenzial. Stichwort: effizientere Geräte.

Platz zwei: Die Industrie

Mehr als ein Fünftel der CO2-Emissionen stammen aus der Industrie. Allein das Duisburger Stahlwerk von ThyssenKrupp setzt acht Millionen Tonnen CO2 im Jahr frei, also ein Hundertstel aller Emissionen in Deutschland. Besonders belastend sind auch Raffinerien, Zement- und Chemiehersteller. Allerdings hat sich die Industrie hier weiter entwickelt: Im Vergleich zu 1990 erzeugt sie heute über ein Viertel weniger CO2. Damit hat sie der dritten Hauptquelle einiges voraus.

Platz drei: Der Verkehr

Der Verkehr ist das Sorgenkind der Klimaschützer. "Die Emissionen des Verkehrsbereiches sind heute im Grunde genauso hoch oder sogar noch ein kleines bisschen höher, als sie 1990 waren", sagt Michael Strogies vom Umweltbundesamt.

Die Autoabgase machen rund ein Fünftel der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland aus. Mehr als 95 Prozent davon kommt vom Straßenverkehr, also von Autos und Lkw. Und das, obwohl die Motoren immer besser würden, sagt Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

"Wir haben effizientere Autos, aber zur gleichen Zeit fahren wir mit schwereren Autos, und wir fahren sehr viel mehr. Das nennen wir Ökonomen den Rebound-Effekt. Das heißt mit anderen Worten: Die Effizienzsteigerungen setzen sich am Ende um in höhere Emissionen. " Ottmar Edenhofer, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Nur innerdeutscher Flugverkehr mitberechnet

Klingt paradox, aber schwerere Autos und zunehmender Verkehr machen es möglich. Der Flugverkehr schlägt mit zwei Millionen Tonnen CO2 im Jahr kaum zu Buche. Aber Achtung: Gerechnet wird nur der innerdeutsche Flugverkehr. Sobald ein Flugzeug außerhalb Deutschlands landet, wird es nicht in die Statistik miteinberechnet. Und bei diesen Flügen sind die CO2-Emissionen in die Höhe geschnellt: von zwölf Millionen Tonnen 1990 auf fast 30 Millionen.

"Mit unserem Ferntourismus verursachen wir da ordentlich Emissionen, die uns nicht angerechnet werden", sagt Michael Strogies vom Umweltbundesamt.

Emissionen, die Deutschland verursacht, die aber nicht dazuzählen: Dieses Situation gibt es auch beim Welthandel. Etwa, wenn deutsche Firmen ihre Produktion ins Ausland verlagern.

Platz vier: Die Gebäude

Das Heizen macht mehr als ein Sechstel des CO2-Ausstoßes aus. Seit 1990 hat sich der Wert verringert, weil vorher in den neuen Bundesländern oft mit Kohle geheizt wurde. Trotzdem gibt es auch hier noch Einsparpotenzial: durch Wärmedämmung und moderne Heizungen, die nicht mehr mit Öl arbeiten.

Innerhalb Europas ist Deutschland mit Abstand der größte Verursacher von CO2. Weltweit stehen wir auf Platz sechs.

Und die Landwirtschaft?

In der Landwirtschaft spielt CO2 nicht die Hauptrolle. Die Emissionen, die entstehen, wenn der Bauer mit dem Traktor übers Feld fährt oder den Stall heizt und dafür Diesel und Heizöl verbrennt, werden im Energiesektor verbucht.

Dennoch trägt die Landwirtschaft in Deutschland laut Umweltbundesamt maßgeblich zur Emission klimaschädlicher Gase bei. Dafür verantwortlich sind vor allem Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, die Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist) sowie Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden unter anderem in Folge der Stickstoffdüngung. Methan (CH4) und Lachgas (N2O) sind wesentlich treibhauswirksamer als Kohlendioxid (CO2).