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Klimaproteste sollen weitergehen, "auch wenn es nervt" | BR24

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Steigende Temperaturen, Dürresommer, Starkregen: Die Folgen des Klimawandels sind längst auch in Bayern zu spüren. Wie kann die Politik unser Klima schützen? Was muss jeder Einzelne tun? "Jetzt red i" fragt nach im niederbayerischen Essenbach.

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Klimaproteste sollen weitergehen, "auch wenn es nervt"

Die "Gereiztheit" in der Gesellschaft habe auch ihr Gutes, meinten Fridays For Future-Anhängerinnen bei "jetzt red i". Sie forderten die Politik erneut zum Handeln auf. In einem Punkt allerdings herrschte Konsens in der Diskussion.

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Während in Madrid auf der UN-Weltklimakonferenz das Vorgehen gegen die Erderwärmung diskutiert wird, brodelt das Thema auch in Bayern weiterhin. 2019 war das Jahr der Klimaproteste und ein Ende ist nicht in Sicht. Das wurde bei "jetzt red i" im niederbayerischen Essenbach deutlich. Auch hier in der Region wollen die Fridays for Future-Anhänger weiterhin für ihre Ziele demonstrieren, wie mehrfach betont wurde. "Es ist wichtig, dass wir nicht aufgeben", sagte Franziska Sänftl, die bereits von Anfang an auf den Demos dabei war.

"Wir wollen so lange auf die Straße gehen, bis die Politik und die Wirtschaft endlich handeln. Bis sich etwas ändert. Und da ist diese Gereiztheit vielleicht auch gut und vielleicht ein Antrieb an die Menschen. Wenn einen was nervt, überlegt man doch, wieso einen das nervt, und versucht, daran was zu ändern." Franziska Sänftl, Fridays for Future

Es sind vor allem die Jungen, die auf die Straße gehen. Ihre Forderungen richteten sie an diesem Mittwochabend dann auch passenderweise an das bisher jüngste Podium in der Geschichte von "jetzt red i". Sowohl Eva Lettenbauer, als auch Christian Doleschal haben in diesem Jahr ihre neuen Ämter übernommen: sie mit 27 Jahren den Vorsitz der Bayerischen Grünen und er mit 31 Jahren den Vorsitz der Jungen Union (JU) in Bayern.

Grünen-Vorsitzende Lettenbauer: Klimapaket "ambitionslos"

Eva Lettenbauer, die auch für die Grünen im Landtag sitzt, unterstützte in der Sendung die Fridays for Future-Demonstranten. "Die Politik muss umsteuern", sagte sie. "Es geht um nichts anderes, als unsere Lebensgrundlagen zu sichern." Dies müsse "sozial gerecht" geschehen, sodass auch die Landwirte und die Beschäftigten der Automobilindustrie mitgenommen werden. Bisher gingen die Maßnahmen der Politik jedoch noch nicht weit genug, um die Marke von 1,5 Grad Erderwärmung nicht zu überschreiten, wie es der weltweite Klimarat fordert.

"Was jetzt auf Bundesebene und auf Landesebene vorgelegt wird, ist aus meiner Sicht absolut ambitionslos. Wir sind als Politikerinnen und Politiker dazu verpflichtet, das 1,5 Grad Ziel zu erreichen und dafür alles zu tun." Eva Lettenbauer, Vorsitzende der Bayerischen Grünen

Der im Klimapaket der Bundesregierung vorgesehene CO2-Preis von 10 Euro pro Tonne ab 2021 könne "überhaupt keine Lenkungswirkung entfalten", so die Grünen-Politikerin. Es sei "fatal", dass dadurch weitere Jahre "verschlafen" würden.

JU-Chef Doleschal: "Leitindustrie nicht an den Pranger stellen"

Der bayerische JU-Vorsitzende und CSU-Europaabgeordnete Christian Doleschal dankte zwar in der Sendung den Fridays for Future-Anhängern dafür, das sie das Thema auf die Tagesordnung gebracht haben. Er wehrte sich jedoch gegen den Vorwurf einer Aktivistin, seine Partei würde den Klimaschutz "aufs Übelste blockieren". Bayern habe ein "ambitioniertes Klimaschutzpaket" auf den Weg gebracht. Es gehe jetzt darum, die Gesellschaft zusammen zu bringen und nicht weiter zu spalten. Niemand dürfe an den Pranger gestellt werden.

"Wir als Deutschland sind gefühlt das einzige Land, das seine Leitindustrie an den Pranger stellt. Ich glaube, wir müssen auch aufhören, das Auto zu verteufeln. Das Auto hat Zukunft. Und wir müssen mit der Automobilindustrie den Weg in eine Transformation schaffen. Wir müssen das CO2-freie Auto schaffen." Christian Doleschal, JU-Chef Bayern

Entsprechende Forschung müsse nun gefördert werden, um eine globale Vorreiterrolle zu übernehmen.

Klimaschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Nicht nur die Jugendlichen, auch die Älteren meldeten sich in der Live-Sendung kräftig zu Wort. Mehrfach wurde eine Verbesserung des Öffentlichen Nahverkehrs für ländliche Regionen gefordert, sowie die Flächenversiegelung kritisiert. Statt einer "Klima-Hysterie" mit "punktuellen Gesetzen" forderte ein Transportunternehmer, dass sich "die ganze Gesellschaft ändern muss". Auch Essenbachs Bürgermeister Dieter Neubauer (CSU) sieht Klimaschutz als "gesamtgesellschaftliche Aufgabe", bei der parteiübergreifend zusammengearbeitet werden müsse.

Dem gaben auch die beiden Politiker auf dem Podium recht. Und noch in einem anderen Punkt waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig: Weihnachts-Shopping per Klick bei internationalen Großkonzernen sei für das Klima schädlich. Lieber solle man die Geschäfte um die Ecke unterstützen.