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Bildrechte: picture-alliance/dpa

Ottmar Edenhofer, Präsident des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, hält den von Joe Biden initiierten virtuellen Klimagipfel für ein gutes Signal. Es sei gut, dass die USA, China und Europa wenigstens bei der Klimapolitik kooperieren wollen.

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Klimaökonom Edenhofer: Klimagipfel mehr als Symbolpolitik

Ottmar Edenhofer, Präsident des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, sieht den von Joe Biden initiierten virtuellen Klimagipfel positiv. Es sei gut, dass die USA, China und Europa wenigstens bei der Klimapolitik kooperieren wollen.

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Von
  • Stefan Kreutzer
  • Frank Steininger

US-Präsident Joe Biden hat sein Land und die anderen großen Industrieländer aufgerufen, mehr gegen den Klimawandel zu unternehmen.

Das müsse erledigt werden, sagte er zum Auftakt eines virtuellen Klimagipfels, zu dem er 40 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt geladen hatte.

Kooperation von USA, China und Europa

Der Präsident des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer, hält diesen virtuellen Klimagipfel für ein gutes Signal: "Ich denke, dass ist sehr viel mehr als Symbolpolitik. Vor allem weil sich die Vereinigten Staaten, China und Europa als die wichtigsten Spieler herausgestellt haben." Diese Dreiergruppierung sei auch deswegen so bedeutsam, "weil die drei gesagt haben: wir haben viele Konflikte auf vielen Feldern, aber im Bereich der Klimapolitik wollen wir kooperieren."

Edenhofer bemängelte allerdings, dass sich außer Europa noch keine der drei Regionalmächte dazu bereit erklärt habe, eine substantielle CO2-Bepreisung einzuführen.

Diskussion um CO2-Preise angestoßen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen habe hier eine bemerkenswerte Ankündigung gemacht. "Sie hat gesagt, es wird jetzt in Europa einen zweiten Emissionshandel geben für die Sektoren Verkehr und Gebäude und Wärme. Das ist aus meiner Sicht eine ganz bedeutsame Ankündigung", so Edenhofer. China habe dazu bisher noch nichts gesagt und auch Joe Biden zögere, die CO2-Bepreisung einzuführen. Edenhofer äußert aber die Hoffnung, dass sich hier etwas bewegt, denn zumindest seien diese Konzepte jetzt in der Diskussion.

"Ich glaube, die drei verstehen, dass sie CO2-Preise brauchen, weil sie sich sonst mit der Klimapolitik in einen Handelskrieg verstricken würden, denn wenn China keinen CO2-Preis hätte, würde die europäische Wirtschaft in einen Wettbewerbsdruck geraten und das würde niemand wollen", so der Klimaökonom.

Edenhofer: USA sollten sich mit CO2-Bepreisung auseinandersetzen

Das Vorhaben von US-Präsident Biden, den Treibhausgasausstoß bis 2030 im Vergleich zum Jahr 2005 zu halbieren, hält Edenhofer für umsetzbar: "Das kann schon konkret geschafft werden. Aber ich bezweifle, dass das mit den Maßnahmen, die er vorgeschlagen hat, geschafft werden kann." Die Maßnahmen bestünden im Wesentlichen darin, dass neue Technologien subventioniert würden. "Das kann man als einen ersten Schritt akzeptieren. Aber Joe Biden wird auch sich in den USA mit der CO2-Bepreisung auseinandersetzen müssen und davor schreckt er zurück, weil er befürchtet, dafür keine Mehrheiten zu finden."

Klimaökonom: "China müsste Kohleausstieg vollziehen"

Das Ziel, die Erderwärmung um nicht mehr als zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit steigen zu lassen, ist nach Ansicht von Edenhofer "immer noch drin". Der Beschluss der EU, den CO2-Ausstoß bis 2030 um mindestens 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu senken, "ist die richtige Richtung". Auch die Ankündigung der USA und Europas, bis 2050 treibhausgasneutral zu werden, sei "sehr ermutigend". Man müsse nun daran arbeiten, das auch China sich zu dem Ziel bekenne und der Kohleausstieg "ehrgeizig" vollzogen werde, sagte Edenhofer.

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