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Haus vor Windrädern

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Klimaneutral bis 2050 - Wichtiger Baustein: Gebäude

Die EU will bis 2050 klimaneutral werden, Deutschland bereits bis 2045. Dazu muss der CO2-Ausstoß massiv verringert werden. Wie das erreicht werden kann, darüber soll im Rat für Nachhaltige Entwicklung gesprochen werden. Ein Schwerpunkt: Gebäude.

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Von
  • Regina Wallner
  • Anja Volkmeyer
  • Renate Ell

Klimaneutral bis 2050 - das ist das Ziel der Europäischen Union. "Klimaneutral" bedeutet, dass nicht mehr CO2 vom Menschen produziert werden soll, als ausgeglichen werden kann. Deutschland will das schon bis 2045 schaffen. Heute kommt der Rat für Nachhaltige Entwicklung bei seiner 20. Jahrestagung zusammen, um das Thema zu besprechen. Neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird auch der EU-Kommissar für Klimaschutz, Frans Timmermans, an dieser Tagung teilnehmen.

Ein Viertel der CO2-Emissionen durch Gebäude-Energieverbrauch

Ein wichtiger Aspekt beim Thema Klimaneutralität ist das Bauen und Wohnen. Experten schätzen, dass immerhin ein Viertel der weltweiten CO2-Emissionen auf den Energieverbrauch in Gebäuden zurückgeht. Bei der Verwendung der richtigen Materialien lässt sich CO2 sparen. Wichtig dabei sind auch gut gedämmte Häuser und Wände.

Energie-Experte: Schnellere Renovierungen dringend nötig

Um Treibhausgase in Gebäuden einzusparen, muss man natürliche Energie verwenden aus Wind, Sonne und anderen regenerativen Quellen – statt Öl und Gas. Allerding ist bei Gebäuden so ein Umstieg weit schwieriger als etwa vom Auto auf Bus, Bahn oder Fahrrad.

"Die Aufgabe ist immens", sagt William Gillett. Er ist Energieexperte der europäischen Vereinigung der Wissenschaftsakademien und Co-Autor einer Studie zu Treibhausgasemissionen von Gebäuden. Die Studie zeigt, dass zukunftsfähige Renovierungen dringend nötig sind.

"Wir haben nur noch zehn Jahre, um die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu reduzieren, gemäß dem Pariser Abkommen. Die aktuelle Renovierungsrate von etwa einem Prozent pro Jahr ist viel zu niedrig. Wir müssen sie verdoppeln, in manchen Ländern verdreifachen." William Gillett, Energieexperte

Mehr Recyclingmaterialien - Renovieren statt abreißen

"Bisher wurden die Treibhausgasemissionen, die in den Baumaterialien stecken, weitgehend ignoriert. Wir schießen uns selbst ins Knie, wenn wir durch die Herstellung von Baustoffen in den nächsten zehn Jahren mehr Treibhausgase produzieren, als wir hinterher durch energieeffizientere Gebäude einsparen. Wir müssen mehr Recyclingmaterialien und schon vorhandene Bauteile nutzen. Das Mantra muss heißen: renovieren statt abreißen", sagt William Gillett.

Quartiere statt Einzel-Gebäude betrachten

Zwei oder dreimal mehr energetische Renovierungen als bisher – das fordert die Studie der Wissenschaftsakademien. Allerdings könne das die Bauindustrie derzeit gar nicht leisten, sagt Lamia Messari-Becker, Professorin für Gebäudetechnologie und Bauphysik an der Universität Siegen. Deshalb fordert sie, nicht nur auf das einzelne Gebäude zu schauen: "Auf der Quartiersebene, da haben Sie ganz andere Abnahmemengen an Energie. Und erst dann werden bestimmte Energieversorgungsoptionen überhaupt darstellbar und lohnen sich erst dann. Sie haben aber auch oft sehr ähnliche Gebäudetypen mit der Folge, dass die Sanierungsmaßnahmen auch ähnlich ausgeführt werden. Da ist wirklich mehr Potenzial als immer nur am Gebäude herumzuschrauben", sagt Lamia Messari-Becker

Problematisch vor allem alte Öl- und Gasheizungen

Auch bei der Energieversorgung sind neue Ideen gefragt und individuelle Lösungen. Je nach Lage des Quartiers auf dem Land braucht man ganz andere Lösungen. Problematisch sind vor allem nicht-sanierte Gebäude aus der Zeit vor der ersten Wärmeschutzverordnung von 1977 mit alten Öl- und Gasheizungen und schlecht gedämmten Dächern und Wänden.

"Also, wir wissen zum Beispiel, dass die beiden schlechtesten Effizienzklassen mehr als die Hälfte der Treibhausgasemissionen verursachen. Also 30 Prozent der Gebäude in Deutschland fallen in diese beiden schlechtesten Klassen", so Martin Pehnt vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg.

Fossile Heiz-Methoden immer noch beliebter als erneuerbare

"Trotz aller Bemühungen und Fördergelder wurden im letzten Jahr viermal so viele fossile Heizungen verkauft wie erneuerbare Heizungen. Diese Heizungen werden in 15 Jahren noch in Betrieb sein. Das ist eine wirkliche Bürde in Hinblick auf den Klimaschutz", so Martin Pehnt.

© B5 aktuell
Bildrechte: picture alliance / Eventpress | Eventpress Stauffenberg

Interview zum Null-Emissions-Haus: Prof. Claudia Kemfert, Wirtschaftswissenschaftlerin, im Gespräch mit Anja Volckmeyer, B5 aktuell

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