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Klimakonferenz: Wut und Enttäuschung über "Bremser-Staaten" | BR24

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Die Enttäuschung über das Ergebnis der UN-Klimakonferenz ist groß. Deutsche Politiker und Klimaexperten beklagten vergebene Chancen - zeigten sich aber auch kämpferisch. Die Bundesregierung müsse jetzt vorangehen.

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Klimakonferenz: Wut und Enttäuschung über "Bremser-Staaten"

Die Enttäuschung über das Ergebnis der UN-Klimakonferenz ist groß. Deutsche Politiker und Klimaexperten beklagten vergebene Chancen - zeigten sich aber auch kämpferisch. Die Bundesregierung müsse jetzt vorangehen.

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Das Ergebnis der UN-Klimakonferenz in Madrid hat auch in Deutschland für Ernüchterung gesorgt. Madrid sei enttäuschend gewesen, erklärte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Dennoch müssten die Staaten handeln. "Die G20-Staaten sind in der Verpflichtung zu handeln und müssen dazu nicht auf die nächste COP warten", fügte er hinzu.

Müller forderte die Industriestaaten dazu auf, ihr Versprechen einzulösen, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar zur Finanzierung der Anpassungsmaßnahmen in den Entwicklungsstaaten bereitzustellen.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zeigten sich unzufrieden mit dem Kompromiss auf der Konferenz, die am Sonntag nach harten und langen Verhandlungen mit Minimal-Beschlüssen zu Ende gegangen war.

Kipping: "Eine Schande"

Die Opposition kritisierte die Beschlüsse scharf. Linken-Parteichefin Katja Kipping sagte der "Welt" es sei "eine Schande, dass die Weltklimakonferenz mit einem Minimal-Kompromiss endete, der in zentralen Fragen keine Lösung bietet und das Problem erneut vertagt".

Die neue Linken-Fraktionschefin Amira Mohamed Ali sagte, es sei erschreckend, dass die Interessen der "Reichen und Mächtigen", mit einem klimaschädlichen Wirtschaftssystem weiter ungestört Profit zu machen, offenbar immer noch wichtiger seien, als das Interesse der Allgemeinheit an einem intakten Planeten.

"Riesenchance vertan"

Auch die klimapolitische Sprecherin der Grünen, Lisa Badum, übte deutliche Kritik. "Beim Klimagipfel wurde eine Riesenchance vertan", sagte sie. Deutschland dürfe sich von den "Bremser-Staaten wie Brasilien und USA jetzt nicht lähmen lassen". Nun müssten sich die Vorreiter-Staaten zusammenschließen und zeigen, dass es auch anders gehe.

Während Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte, dass Deutschland "jetzt erst recht eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz einnehmen" müsse, äußerte sich Fraktionsvize Oliver Krischer in der "Rheinischen Post" skeptisch: Angesichts ihrer verfehlten Klimaziele sei die die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung derzeit beschädigt, sagte er.

"Es stellt sich die Frage, was wir noch machen sollen"

Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer beklagte angesichts der Ergebnisse, der Jugendbewegung "Fridays for Future" sei offensichtlich nicht zugehört worden.

"Wir haben ein Jahr lang alles gegeben, um den Stand der Wissenschaft und die Bereitschaft der Menschen auf die Straße zu tragen. Es stellt sich die ernsthafte Frage, was wir denn noch machen sollen." Luisa Neubauer, Klimaaktivistin

Neubauer ist eines der führenden Mitglieder von "Fridays for Future" und war in Madrid gemeinsam mit der Schwedin Greta Thunberg aufgetreten.

Irritiert sei sie aber weniger von Staaten wie den USA und Brasilien, die bei den Verhandlungen gebremst hätten, sagte Neubauer. Es sei vor allem der Job von Staaten wie Deutschland und auch der EU gewesen, "zu beweisen, dass sie verstanden haben, dass sie diese Tage in der Verantwortung stehen, internationalen Klimaschutz voranzubringen, trotz und wegen aller bekannten Schwierigkeiten."

Klimaforscher wirbt für Zusammenarbeit mit China

Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif plädierte für eine "Koalition der Willigen", um Blockaden bei den UN-Klimaverhandlungen zu überwinden. Die EU habe mit dem "Green Deal" eine große Verantwortung auf sich genommen und sollte sich Partner suchen, sagte er der "Frankfurter Rundschau".

Er nannte als Beispiele China, "den mit 28 Prozent Anteil an den weltweiten Emissionen größten Verursacher von CO2". In einem solchen Vorgehen steckten auch enorme wirtschaftliche Chancen. "Wenn sich die ökonomischen Hoffnungen erfüllen, dann werden auch die Blockiererländer wieder offen für Klimaschutz sein", sagte Latif.