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Klimakonferenz in Madrid: "Was fehlt, ist der politische Wille" | BR24

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Die Weltklimakonferenz in Madrid ist losgegangen mit Teilnehmern aus 190 Ländern. Es geht um praktische Maßnahmen gegen Klimaschutz. Aber es ist auch Platz für Kunst.

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Klimakonferenz in Madrid: "Was fehlt, ist der politische Wille"

Mit Appellen zum schnellen Umsteuern in der Klimapolitik hat die Weltklimakonferenz in Madrid begonnen. UN-Generalsekretär Guterres äußerte sich enttäuscht über die bisherigen Klima-Anstrengungen der Staaten.

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UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat in Madrid die internationale Gemeinschaft zu deutlich mehr Anstrengungen gegen den Klimawandel aufgerufen. Er äußerte sich enttäuscht über die bisher erfolgten Maßnahmen. Auch die Länder, die am meisten zur Luftverschmutzung beisteuerten, müssten akzeptieren, dass sie bis 2050 klimaneutral werden müssten, sagte er der Nachrichtenagentur AP.

"Auswirkungen wären katastrophal"

"Was immer noch fehlt, ist der politische Wille", sagte Guterres mit Verweis auf die Länder mit den höchsten CO2-Emissionen, "die nicht ihren Beitrag leisten". Guterres nannte die Länder nicht beim Namen.

Wenn die Welt nicht aufhöre, Kohle zu verbrennen, würden alle Versuche, den Klimawandel zu bekämpfen, scheitern. Die Emissionen müssten jährlich um 7,6 Prozent gesenkt werden, um das Pariser Ziel von einer Erwärmung um maximal zwei Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts zu erreichen. "Die Auswirkungen auf alles Leben auf dem Planeten - inklusive unserem - wären katastrophal", sagte Guterres.

Europa müsse verhandeln

Die EU-Initiative für einen "Grünen Pakt" könnte aber ein wichtiger Anstoß werden, andere große Luftverschmutzer in dieselbe Richtung zu bewegen. "Ich bin überzeugt, dass Europa in einer Position wäre, mit China, Indien, den Vereinigten Staaten und mit Russland zu verhandeln", sagte Guterres. Und zwar in einer Art und Weise, die allen erlaube zu verstehen, dass es eine kollektive Anstrengung sein müsse und dass sie drastisch Emissionen reduzieren müssten.

Von der Leyen kündigt EU-Umweltgesetz an

Die neue EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen kündigte verstärkte Anstrengungen Europas im Kampf gegen die Erderhitzung an. Wenn die Europäische Union wie angestrebt bis 2050 klimaneutral werden wolle, müsse jetzt gehandelt werden, sagte von der Leyen. Sie kündigte an, im März erstmals ein EU-Umweltgesetz vorzulegen. Damit solle der Handel mit Verschmutzungsrechten auf alle Sektoren ausgeweitet werden. Zurzeit sind nur die Energiewirtschaft und energieintensive Industriebetriebe erfasst. "CO2 muss einen Preis bekommen", sagte sie zur Begründung.

... und einen "Green Deal"

In zehn Tagen wird Europa nach den Worten der Kommissionschefin seinen neuen "Green Deal" präsentieren: eine neue Wachstumsstrategie. Der Plan werde Emissionen senken, Jobs schaffen und die Lebensqualität erhöhen, sagte sie. Nötig seien massive Investitionen, konkret etwa eine Billion Euro über die nächsten zehn Jahre. Wem das viel vorkomme, der solle bedenken, dass Nichtstun noch viel teurer zu stehen komme.Sánchez: "Nur Fanatiker leugnen Wandel"

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez sagte, "nur eine Handvoll Fanatiker" leugne die Beweise für einen Klimawandel. Namen von Staaten oder Personen nannte er nicht. "Alternative Fakten" müssten mit Taten bekämpft werden. "Es gibt keine Mauer, die irgendein Land beschützen wird, so mächtig es auch sein mag", sagte er und rief Europa auf, die Führung bei den globalen Anstrengungen gegen den Klimawandel zu übernehmen.

Pelosi: "Wir sind noch da"

Auf Sanchez Äußerung - "nur eine Handvoll Fanatiker" - reagierte die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi: Sie sagte, die Staats- und Regierungschefs der Welt sollten sich an die Erkenntnisse der Wissenschaft halten. "Drei Worte beschreiben, wie wir das angehen: Wissenschaft, Wissenschaft und Wissenschaft. Und vielleicht vier: noch einmal Wissenschaft." US-Präsident Donald Trump bezweifelt wissenschaftliche Forschungsergebnisse zum Klimawandel und will die USA aus dem Weltklimaabkommen zurückziehen.

Die US-Regierung entsandte eine einfache Diplomatin. Die oppositionellen US-Demokraten waren hingegen durch Pelosi, vertreten. "Wir sind immer noch da", sagte sie und unterstrich die "moralische Verantwortung" gegenüber künftigen Generationen.Millionen Klima-Flüchtlinge befürchtet

Vor Beginn der Klimakonferenz hatten bereits eine Reihe von Hilfsorganisationen erneut Alarm geschlagen und unter anderem gewarnt, es könne Millionen Flüchtlinge durch klimabedingte Katastrophen geben. Rund 29.000 Teilnehmer aus fast 200 Ländern werden in Madrid erwartet, darunter neben Ministern, Staats- und Regierungschefs auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) kommt in der zweiten Konferenzwoche dazu. Den Vorsitz der auf zwölf Tage angesetzten Beratungen hat Chile mit seiner Umweltministerin Carolina Schmidt.

Nach gewaltsamen Unruhen in dem südamerikanischen Staat hatte Chile die Konferenz im eigenen Land allerdings abgesagt, Spanien sprang kurzfristig als Gastgeberland ein.

Die Delegierten wollen auf dem bis zum 13. Dezember andauernden Gipfel die Regeln für das 2015 abgeschlossene Pariser Klimaabkommen endgültig festzurren.