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Klimakiller Inlandsflüge: Warum die Politik nicht eingreift | BR24

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Fliegen ist schlecht fürs Klima. Kurzstrecken sind, wegen des hohen Spritverbrauchs beim Start, besonders schädlich. Trotzdem wird munter geflogen: 800 Inlandsflüge pro Tag zählt die Deutsche Flugsicherung.

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Klimakiller Inlandsflüge: Warum die Politik nicht eingreift

Fliegen ist schlecht fürs Klima. Kurzstrecken sind - wegen des hohen Spritverbrauchs beim Start - besonders schädlich. Trotzdem wird munter geflogen: 800 Inlandsflüge pro Tag zählt die Deutsche Flugsicherung.

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Früher Morgen, Terminal 2 des Münchner Flughafens: Bis acht Uhr starten gleich fünf Flugzeuge allein der Lufthansa mit dem Ziel Berlin. Männer und Frauen in Businesskleidung eilen in Richtung Sicherheitsschleuse. Viele brauchen gar keinen Stopp am Check-In – sie haben nur eine Laptoptasche dabei.

Warum nehmen sie den Flieger und nicht die Bahn?

“Weil ich heute hin und wieder zurück muss. - In dem Fall zahlt es der Arbeitgeber und es geht schneller. - Ich hätte um drei Uhr nachts losfahren müssen, um den 11 Uhr-Termin wahrnehmen zu können. - Was soll ich da in der Bahn rumsitzen, die eh unpünktlich ist?” Mehrere Passagiere von Inlandsflügen am Flughafen München

Inlandsflüge sind besonders klimaschädlich

Dass das Flugzeug mit Abstand das Verkehrsmittel mit den höchsten Emissionen ist, ist eigentlich fast allen bekannt. Die Forderungen nach einem Umdenken und weniger Flugverkehr sind jedoch nicht nur ein Anliegen von Umweltschützern, sondern haben auch noch eine andere Dimension.

Für den Juristen Felix Ekardt, Leiter der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik der Universität Rostock, ist ein Umsteuern beim Flugverkehr ganz schlicht eine rechtliche Frage. Denn das Pariser Klimaabkommen gebe für alle Staaten rechtsverbindlich die Grenze von 1,5 Grad globale Erwärmung vor.

“Und das heißt schlicht und einfach: In allen Sektoren weltweit in zwei Jahrzehnten null Emission. Und das bedeutet, dass das Fliegen, was sich nicht ohne weiteres auf erneuerbare Energien umstellen lässt, damit zur Disposition steht.” Prof. Felix Ekardt

In der Kritik: Subventionen für Flugverkehr

Umweltverbände kritisieren schon lange, der Flugverkehr werde in Deutschland bevorzugt – auch finanziell. Im Fokus steht das Kerosin. Denn der Treibstoff ist steuerfrei. Anders als etwa der Sprit fürs Auto oder der Strom, mit dem die Bahn fährt. Rechtlich wären nationale Steuern auf Kerosin möglich - also für die Inlandsflüge.

Die Niederlande und Norwegen besteuern Kerosin bereits

In den Niederlanden und in Norwegen gibt es diese bereits. Für das Umweltbundesamt sind die Steuervorteile im Flugverkehr "umweltschädliche Subventionen". Die Behörde rechnet mit knapp zwölf Milliarden Euro, die der Staat jedes Jahr einnehmen könnte, wenn unter anderem Kerosin besteuert würde.

Für Michael Müller-Görnert vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland VCD ist klar, warum alle Ideen, daran etwas zu ändern, politisch bisher keine Chance haben.

“Der Flugverkehr wird in Deutschland gehätschelt. Weil immer noch gesagt wird, Deutschland ist ein Industriestandort, da ist der Flugverkehr wichtig, und wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit auch der deutschen Flugindustrie stärken.“ Michael Müller-Görnert, VCD

Luftfahrtbranche sieht sich durch Ticketsteuer genug belastet

Die deutsche Luftfahrtindustrie selbst sieht sich dagegen ganz und gar nicht im Vorteil im Vergleich mit der Bahn. Für den Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow, ist der Luftverkehr durch die Steuer, die auf jedes Flugticket aus Deutschland anfällt, schon stark genug belastet.

Zusätzlich auch noch eine Kerosinsteuer zu erheben, kommt für die Luftfahrtwirtschaft nicht in Frage. Der BDL-Geschäftsführer hält das ohnehin für international nicht durchsetzbar:

“Weil nationale Alleingänge alleine dazu führen, dass der Verkehr von anderen geflogen wird und nicht mehr von den deutschen Fluglinien und es damit nur zu einer Verschiebung von CO2-Emissionen, aber nicht zu einer Reduzierung kommt.” Matthias von Randow, Bundesverband Luftverkehrswirtschaft

Verkehrsminister: Maßnahmen müssen wirtschaftlich sein

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer stand für ein Interview nicht zur Verfügung. Auf die Frage, welche Priorität die gesetzten Klimaziele und eine CO2-Reduzierung im Flugverkehr für die Verkehrspolitik haben, antwortet das Ministerium nur schriftlich. Die Pressestelle weist darauf hin, dass Maßnahmen, die auch dem Klimaschutz dienen, durchsetzbar und wirtschaftlich sein müssen.

Das Thema "Subventionen im Flugverkehr" und die Forderungen nach einer anderen Besteuerung gehören dagegen für das Ministerium von Andreas Scheuer offenbar noch nicht einmal zur Verkehrspolitik. Auf die Fragen zu Kerosin- und Mehrwertsteuer teilt das Ministerium nur mit, man möge sich dazu doch bitte an die Kollegen im Bundesfinanzministerium wenden.