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Klimagipfel: Mehr Ehrgeiz, aber keine Handelsregeln | BR24

© REUTERS/Nacho Doce

Chiles Umweltministerin und Konferenzpräsidentin Carolina Schmidt auf dem Podium in Madrid

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Klimagipfel: Mehr Ehrgeiz, aber keine Handelsregeln

Im Vorfeld des Klimagipfels von Madrid waren die Hoffnungen auf ein starkes Signal für mehr Klimaschutz groß. Nach zwei Wochen zähen Ringens haben sich die mehr als 200 Staaten auf eine gemeinsame Erklärung geeinigt. Was taugt der Kompromiss?

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Der Gipfel in Madrid fordert die Staaten auf, im kommenden Jahr ihre Ziele beim Klimaschutz zu verschärfen. Das war schon in der Klimavereinbarung von Paris 2015 angelegt, jetzt hat es die Konferenz bestätigt – in deutlicheren Worten als im ersten Entwurf vorgesehen.

Es sei dringend nötig, die deutliche Lücke zu schließen zwischen bisherigen Bemühungen und dem Ziel, die Erderwärmung deutlich unter 2 oder sogar bei 1,5 Grad zu halten. Die Regierungen sollten verstärkte Anstrengungen zeigen, um die höchstmögliche Emissionsminderung zu erreichen.

"Wir haben kleine Fortschritte erzielt, aber angesichts der Klimakrise, angesichts der Erwartungen, die wir aus der Zivilgesellschaft hören, angesichts dessen, was wir in Europa im European Green Deal vorgeleistet haben, hätten wir uns natürlich ein wenig mehr erwartet." Karsten Sach, Leiter der deutschen Delegation

Ein Signal, das nicht reicht

Der Green Deal der EU-Kommission wurde vergangene Woche von den europäischen Staats- und Regierungschefs bestätigt, mit dem Ziel, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen – also nicht mehr klimaschädliche Treibhausgase auszustoßen als eingespart werden. Einige Länder haben beim Gipfel großen Widerstand organisiert, sagt Christoph Bals von der Denkfabrik Germanwatch: die USA, Brasilien und Australien:

"Dass es trotzdem gelungen ist, zumindest ein deutliches Signal für mehr Ambition jetzt im nächsten Jahr zu senden, ist immerhin ein Fortschritt, aber überhaupt nicht das, um in einer Notstandssituation die nötige Dynamik zu erzeugen." Christoph Bals, Denkfabrik Germanwatch

Keine Einigung im Zertifikate-Handel

Außerdem hat der Klimagipfel trotz Verlängerung keine Regeln beschlossen für Artikel 6 der Paris-Vereinbarung. Der erlaubt es Staaten und Unternehmen, mit Ausstoßgutschriften zu handeln. Die EU und Deutschland wollten dabei Doppelzählungen vermeiden und verhindern, dass Staaten alte Zertifikate in den Handel bringen aus der Zeit des weltweit ersten Klimavertrags von Kyoto. Genau das hatten Länder wie Brasilien, Indien und China vor. Kein Konsens in Madrid - ein Beschluss wurde auf den nächsten Gipfel in Glasgow verschoben. "Wir hoffen, dass wir dann Regeln bekommen, die den Handel schneller machen und besser strukturieren", sagt der EU-Unterhändler.

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Pro-Kopf-Ausstoß

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CO2-Gesamtausstoß

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Weltweiter CO2-Ausstoß 2017 nach Sektoren

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CO2-Ausstoß Deutschland

Ausgleich für Entwicklungsländer

Im jahrelangen Streit um einen Ausgleich für Entwicklungsländer, die Schäden oder Verluste erleiden durch Stürme, Dürren und Überschwemmungen, gibt es einen Kompromiss. Industriestaaten haben die Forderung nach einem eigenen Fonds abgewiesen, es wird jetzt auf den schon bestehenden Grünen Klimafonds verwiesen. "Wir haben uns seit Jahrzehnten für das Thema eingesetzt", sagt der Vertreter kleiner Inselstaaten. "Gut, dass jetzt etwas vorangeht."

Klimaschützer kritisieren "müde Beschlüsse"

Umweltverbände kritisieren die Beschlüsse als zu schwach. Martin Kaiser von Greenpeace: "Die Beschlüsse zur Steigerung der Ambitionen sind derart schwach, dass davon kein Land wie China, Indien oder Brasilien sich gezwungen fühlt, mehr zu tun beim Klimaschutz."

Ähnlich Michael Schäfer vom WWF: "Die Beschlüsse sind so müde wie die Delegierten es hier nach zwei durchgearbeiteten Nächten sind. Das ist nicht das, was wir brauchen für den Kampf gegen die Erderhitzung. Da wäre sehr viel mehr Ambition nötig."

Viele Unterhändler haben tatsächlich zwei Tage und Nächte fast pausenlos durchgearbeitet. Der Gipfel in Madrid ist die bisher längste Klimakonferenz. Das Plenum war in der Nacht immer wieder verschoben worden. Gipfelpräsidentin Carolina Schmidt, die chilenische Umweltministerin, empfing Staatenvertreter zu Einzelgesprächen. Aus Delegationen und Organisationen kam Kritik an ihrer Verhandlungsführung: zu schwach und schlecht vorbereitet.

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Immer mehr Menschen ändern ihre Lebensweise, um einen Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten. Wenn sich Treibhausgase nicht vermeiden lassen, gibt es auch die Möglichkeit freiwilliger CO2-Kompensation. Wie funktioniert das?