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Klimagipfel in Madrid: "Keine Zeit und keinen Grund zu zögern" | BR24

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UN-Generalsekretär Gutteres bei der Eröffnung der Klimakonferenz in Madrid

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Klimagipfel in Madrid: "Keine Zeit und keinen Grund zu zögern"

Der Druck von der Straße ist immens, die Ansagen der Wissenschaft sind alarmierend. Entsprechend hoch sind die Erwartung an den Klimagipfel in Madrid. Begonnen hat er mit einem deutlichen Appell an die Staaten.

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Mit eindringlichen Appellen an die Staatengemeinschaft hat in Madrid die UN-Klimakonferenz begonnen. Die Präsidentin der Konferenz, Chiles Umweltministerin Carolina Schmidt, nannte die Klimakrise die größte Herausforderung, der die Menschheit gegenübersteht und sie nahm Bezug auf das Motto des Gipfels: "Zeit zu handeln - das ist kein Slogan, das ist eine Notwendigkeit, moralisch, sozial und ökonomisch." Die Kompromisse, die die Staaten 2015 in der Paris-Vereinbarung getroffen haben, reichten nicht aus. "Wir brauchen neue, ehrgeizigere, die alle Aspekte des Klimaschutzes betreffen", so Schmidt.

Spanien als Ausweichort

Eigentlich wollte Chile die Konferenz ausrichten, die Regierung in Santiago hat aber Ende Oktober wegen der Unruhen im Land abgesagt. Dass Spanien als Gastgeber und Madrid als Ausweichort eingesprungen sind, nannte Schmidt einen eindrucksvollen Beweis dafür, was Multilateralismus zu leisten imstande sei, also die enge Zusammenarbeit vieler Staaten. Zusammenarbeit fordert die Gipfelpräsidentin auch im Kampf gegen die Erderwärmung.

"Die Bürger sagen uns das klar und deutlich – sie fordern mehr Gerechtigkeit, Gleichheit, Rücksicht auf die Schwächsten und sie verlangen einen Kurswechsel. Die Welt schaut auf uns – Staaten der Welt, jetzt ist es Zeit, zu handeln." Carolina Schmidt, Präsidentin der UN-Klimakonferenz und chilenische Umweltministerin

Gutteres warnt vor "Verrat an der Menschheit"

Schmelzendes Eis aus der Arktis, steigende Meeresspiegel und Ozeane, die versauern, Dürren – die Folgen des Klimawandels sind nach den Worten von UN-Generalsekretär Antonio Guterres längst zu spüren. Um sie einzudämmen, müsste die Weltgemeinschaft bis 2050 klimaneutral werden – also nicht mehr klimaschädliche Gase ausstoßen als durch Aufforstung oder CO2-Speicherung eingespart werden können.

"Wir haben keine Zeit und keinen Grund zu zögern. Wir haben die Instrumente, die Zahlen, die Ressourcen. Zeigen wir, dass wir auch den politischen Willen haben, den die Menschen von uns verlangen. Das nicht zu tun, wäre ein Verrat an der Menschheit und an den kommenden Generationen." Antonio Gutteres, UN-Generalsekretär

In Paris haben knapp 200 Staaten 2015 vereinbart, die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts deutlich unter zwei Grad halten zu wollen, besser noch bei 1,5 Grad – so sind die Folgen des Klimawandels noch beherrschbar. Dafür reichen die bisher vorgelegten nationalen Klimapläne aber nicht aus. Nach Angaben der Wissenschaft nimmt die Welt mit den derzeitigen Maßnahmen Kurs auf über drei Grad.

Lisa Göltner von Greenpeace fordert, dass in Madrid die Weichen gestellt werden für die Erhöhung der nationalen Klimaziele, die dann im kommenden Jahr eingereicht werden müssen. Das könne nur gelingen, wenn die Europäische Union bereit sei, den ersten Schritt zu gehen und da spiele Deutschland eine ganz zentrale Rolle, so Göltner. "Denn die europäischen Klimaziele werden nur dann nachgebessert, wenn Deutschland seine Blockade aufgibt."

Handel mit CO2-Zertifikaten soll reformiert werden

Außerdem soll der Gipfel in Madrid Regeln festlegen für den Handel mit Ausstoßrechten. Der ist grundsätzlich im Pariser Abkommen verankert. Umweltverbände befürchten aber, dass sich Verkäufer und Käufer von Emissionsrechten Verdienste beim Klimaschutz doppelt anrechnen. Sie wollen außerdem verhindern, dass Zertifikate aus der Zeit vor 2020 ins Spiel kommen. Christoph Bals von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch: "Wenn wir da große Schlupflöcher bekommen, ist das ein Rückschritt. Im Paris-Abkommen steht aber drin, das soll zu zusätzlichem Klimaschutz führen und eben nicht zu weniger Klimaschutz."

Insgesamt werden zum Gipfel 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet aus rund 200 Staaten.

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Wetterextreme aufhalten, die Erderwärmung um nicht mehr als 1,5 Grad ansteigen lassen - das haben sich fast 200 Staaten vor vier Jahren in Paris zum Ziel gesetzt.