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Klimagipfel in Madrid: Der entscheidende Tag beginnt | BR24

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Der Klimagipfel soll heute mit der Unterzeichnung eines Abschlussdokuments zu Ende gehen. Die meisten rechnen allerdings damit, dass das erst am Samstag gelingen wird. Inhaltlich werden dabei bestenfalls Grundlagen für den nächsten Gipfel erwartet.

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Klimagipfel in Madrid: Der entscheidende Tag beginnt

Der Klimagipfel soll heute mit der Unterzeichnung eines Abschlussdokuments zu Ende gehen. Die meisten rechnen allerdings damit, dass das erst am Samstag gelingen wird. Inhaltlich werden dabei bestenfalls Grundlagen für den nächsten Gipfel erwartet.

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Zwei Wochen lang haben junge Frauen und Männer auf dem Klimagipfel mehr Engagement der Politik beim Klimaschutz verlangt, zwei Wochen lang haben Wissenschaftler in Madrid aktuelle Zahlen vorgestellt, wonach die bisherigen Anstrengungen längst nicht ausreichen, um die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten, wie im Paris-Abkommen von 2015 beschlossen.

Aber auf die entscheidende Frage: "Um wie viel bessern die Regierungen nach?" wird die Klimakonferenz keine Antwort geben. Die soll erst der nächste Gipfel in Glasgow liefern. In der Abschlusserklärung von Madrid soll zumindest verankert werden, dass bis zum nächsten Jahr solche Ansagen kommen. Wie hart oder weich die Formulierungen im Text ausfallen – das ist umstritten. "Deswegen erwarte ich hier nur, dass man das noch mal sagt, dass vollkommen klar ist, in Glasgow, auf dem nächsten Klimagipfel müssen alle Staaten sagen, was sie mehr tun", erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze.

EU will bis 2050 klimaneutral sein

Schulze lobte den Plan der EU-Kommission, die Europäische Union bis 2050 klimaneutral zu machen, also nicht mehr klimaschädliche Treibhausgase auszustoßen als eingespart werden. Der stellvertretende Kommissionschef Frans Timmermans bekräftigt in Madrid: "Unser Ziel in der EU ist es, beim nächsten Klimagipfel in Glasgow einen Klimagesetzentwurf vorzulegen, um der Welt zu zeigen, dass es einen Weg zur Klimaneutralität bis 2050 gibt und hoffentlich überzeugt das unsere internationalen Partner, wie notwendig das ist."

Timmermans spricht ausdrücklich den weltgrößten Emittenten von Klimagasen China an. Auf dem Gipfel hat sich Peking zwei Wochen lang nicht sichtbar bewegt. Timmermans erinnert China an die gemeinsame Verantwortung, die Klimavereinbarung von Paris umzusetzen. Und er sieht nach eigenen Worten einige Anzeichen dafür, dass die chinesische Regierung künftig wirklich mehr tun will. Vertretern kleiner Inselstaaten geht das zu langsam. "Wir sind entsetzt über den Stand der Verhandlungen", sagte ihr Chefunterhändler Carlos Fuller aus Belize.

Grenadas Umweltminister: "Schluss mit dem Gerede"

"Schluss mit dem Gerede, wir wissen, was zu tun ist", so der Umweltminister von Grenada, Simon Stiell, nämlich die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu halten: "Wenn dabei einige Staaten versagen oder ihre Ziele nicht verschärfen wollen, dann zeigt das mangelndes Engagement und untergräbt unsere Anstrengungen. Dieses Nichtstun kostet das Leben unserer Völker und schädigt Leben und Lebensraum von Millionen weltweit."

Die Unterhändler aus rund 200 Staaten suchen weiter nach Regeln für Artikel 6 des Paris-Abkommens – das erlaubt Staaten und Unternehmen, mit Ausstoß-Gutschriften zu handeln, um mehr fürs Klima zu tun. Die Bundesregierung will aber Doppelzählungen vermeiden, bei denen sich Verkäufer und Käufer von solchen Zertifikaten die dadurch erreichte Emissionsminderung gutschreiben. Brasilien setzt sich für weniger strikte Regeln ein. Staaten wie China, Indien und Russland wollen außerdem auch mit alten Gutschriften handeln aus der Zeit der weltweit ersten Klimavereinbarung von Kyoto.

Kritik an Vorgehen der Industriestaaten

Ebenfalls umstritten: ein Ausgleich für Entwicklungsländer für Schäden und Verluste durch Stürme, Dürren oder Überschwemmungen. Einen eigenen Finanztopf dafür wird es wohl nicht geben. Sabine Minninger von der Entwicklungsorganisation "Brot für die Welt" kritisiert das. "Die Industriestaaten verweigern sich komplett neuen Finanzzusagen", erklärt Minninger. "Sie verweisen darauf, dass es genug Fonds gibt und, dass sie sich daraus bedienen können, wenn Klimaschäden entstehen."

Der letzte planmäßige Gipfeltag und wichtige Fragen ungelöst – am Vormittag wird sich das gewohnte Bild bieten: Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen mit ihren Rollkoffern zur Konferenz, weil sie auf ein pünktliches Ende und eine schnelle Abreise hoffen – dabei wissen sie eigentlich, dass Weltklimagipfel selten rechtzeitig fertig werden. Ministerin Schulze nimmt es gelassen. "Ich habe gar keinen Flieger versucht zu buchen, sondern ich gehe davon aus, dass auch diese Weltklimakonferenz wie die anderen auch etwas länger dauern wird."

Verhandlungen wohl auch am Samstag

Christoph Bals von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch wird konkreter. "Ich wollte eigentlich Samstagmorgen abreisen, wir haben das verschoben. Ich rechne damit, dass das in den Samstag hineingehen wird." Sabine Minninger von Brot für die Welt hat eine ähnliche Prognose: "Ich wette jetzt mal, dass diese Verhandlungen noch ganz weit in den Samstag reingehen. Ich schätze, dass die Verhandlungen erst Samstagabend beendet werden."

Bei dieser Wette wird die NGO-Vertreterin auf dem Gipfel kaum jemanden finden, der dagegenhält.