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Klimagerechtes Wohnen – steuerlich gefördert? | BR24

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Nach dem heutigen zweiten Treffen des Klimakabinetts in Berlin hat die Bundesregierung bekräftigt, dass Deutschland die Klimaschutzziele 2030 einhalte und damit Jahr für Jahr deutliche zusätzliche CO2-Reduktionen einhalten wolle.

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Klimagerechtes Wohnen – steuerlich gefördert?

Bundesbauminister Seehofer hat vorgeschlagen, energetische Gebäudesanierung steuerlich absetzbar zu machen. Das hatte die Regierung schon einmal vor - 2012 scheiterten die Pläne jedoch. Was tut der Staat schon jetzt für klimaneutrales Wohnen?

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18 Millionen Wohngebäude gibt es in Deutschland, außerdem 1,7 Millionen Gewerbe-Immobilien. Auf sie alle fällt fast die Hälfte des Energieverbrauchs in Deutschland – und sie sind für fast ein Drittel des gesamten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

Viele Gebäude energetisch in einem schlechten Zustand

Der Grund: Drei Viertel der Häuser wurden vor 1978 gebaut, bevor die erste Wärmeschutzverordnung erlassen wurde. Die allermeisten Gebäude sind also energetisch in einem schlechten Zustand. Ein Potenzial, das die Bundesregierung für den Klimaschutz nutzen will.

"Bei der Sitzung des Klimakabinetts hat der Minister vorgeschlagen, die steuerliche Absetzbarkeit der energetischen Gebäudesanierung zu verbessern." Sprecher des Bundesbauministers Horst Seehofer

Klimakabinett will Maßnahmenpaket erarbeiten

Der für den Bereich Bau zuständige Bundesinnenminister Horst Seehofer will also entsprechende Maßnahmen steuerlich absetzbar machen. Außerdem sollen Fördermittel der nationalen Förderbank KfW aufgestockt werden. Bis zu 15 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr will Seehofer so einsparen.

Klimaneutrales Wohnen bis 2050

Die Bundesregierung hat das Thema nicht erst seit heute im Blick. Schon im "Aktionsprogramm Klimaschutz 2020", das die Bundesregierung 2014 verabschiedet hat, heißt es: "Das angestrebte Ziel eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestandes bis 2050 erfordert schon heute die richtigen Weichenstellungen." Das hat Seehofer gerade in einem Gastbeitrag für die Welt am Sonntag noch einmal bekräftigt.

Bis 2050 soll der Energiebedarf von Gebäuden deutlich sinken, der verbleibende soll durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Vor allem bei Heizungen lässt sich hier ansetzen – sie verbrauchten im Jahr 2015 knapp drei Viertel des gesamten Energieverbrauchs der privaten Haushalte. Im Vergleich: Auf Warmwasser entfielen 14 Prozent, auf die Beleuchtung nur zwei Prozent.

Der Bund fördert Sanierungsmaßnahmen

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt mit den erwähnten Förderprogrammen Maßnahmen wie Dämmung und Sanierung durch zinsverbilligte Kredite und Zuschüsse. Vom Einbau einer Solarthermie- oder einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach über den Austausch der Heizung oder die Erneuerung der Fenster bis hin zur Beratung und Baubegleitung reichen die Programme. Allerdings: Hausbesitzer müssen die Förderung beantragen, bevor die Sanierungsmaßnahme beginnt!

Gleiches gilt für Fördermaßnahmen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) – das unter anderem den Austausch alter Heizkessel finanziell fördert.

Einen Überblick, wofür es Zuschüsse gibt und wie viel, gibt es auf der Internetseite der KfW. Auch ein Energieberater kann helfen, dessen Kosten ebenfalls vom BAFA bezuschusst werden.

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Nach dem heutigen zweiten Treffen des Klimakabinetts in Berlin hat die Bundesregierung bekräftigt, dass Deutschland die Klimaschutzziele 2030 einhalte und damit Jahr für Jahr deutliche zusätzliche CO2-Reduktionen einhalten wolle.

Kommt der Steuerzuschuss?

Wie genau die nun von Bundesbauminister Seehofer ins Klimakabinett eingebrachte steuerliche Förderung aussehen könnte, ist noch unklar. Seehofer geht davon aus, dass seine Pläne etwa eine Milliarde Euro pro Jahr kosten werden. Das Bundesfinanzministerium wollte sich noch nicht dazu äußern, welche der auch von den anderen Ministerien vorgeschlagenen Maßnahmen wie finanziert werden könnten – von einem Gesamtpaket war die Rede, welches das Klimakabinett nun erstmal erarbeiten wolle.

Geplante Förderung auf Wiedervorlage

Es ist übrigens nicht das erste Mal, das Steuervergünstigungen im Gespräch sind. 2011 war genau dies schon einmal geplant: Hausbesitzer sollten Sanierungskosten über zehn Jahre hinweg steuerlich absetzen können. Doch der Bundesrat stimmte dem Gesetz nicht zu. Auch die sich über ein Jahr hinziehenden Verhandlungen im Vermittlungsausschuss brachten kein Ergebnis – Bund und Länder konnten sich nicht darauf einigen, wie die Kosten der Steuerausfälle untereinander aufgeteilt werden sollten. Der Plan für Steuervergünstigungen wurde damit begraben. Bis jetzt.