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Der DRF Rettungshubschrauber "Christoph Berlin" vom Typ Eurocopter EC145 bei einem Rettungseinsatz.

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Corona-Lage: Kliniken bereiten Patientenverlegungen vor

Kliniken in Not: Intensivstationen sind vielerorts wegen steigender Corona-Zahlen ausgelastet. Vor allem im Süden und Osten bereitet man sich auf die Verlegung von Patienten vor - auch in andere Bundesländer.

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BR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Die Lage in den Kliniken spitzt sich wegen der stark steigenden Zahl von Corona-Patienten deutlich zu. Am Samstag erreichte die Inzidenz einen neuen Höchstwert. Die Kapazitäten auf den Intensivstationen sind teilweise ausgeschöpft, planbare andere Operationen werden verschoben, Patienten finden unter Umständen in ihrer Nähe keine freie Klinik mehr und werden in andere Städte ihres Bundeslandes gebracht.

Kliniken bereiten Patientenverlegungen vor

Vor allem im Süden und Osten bereiten sich Kliniken auf die Verlegung von Patienten auch in andere Bundesländer vor, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Allerdings sind die Aufnahmemöglichkeiten anderer Länder ebenfalls begrenzt. Sachsen-Anhalt etwa kann zwar noch Kranke aus dem eigenen Land versorgen - aber: "Es sieht so aus, dass man keine Kapazität hat, Patienten aus anderen Bundesländern aufzunehmen", sagte ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft.

Aus einem vertraulichen Bericht der Länder geht hervor, dass in Bayern und Baden-Württemberg bereits "täglich Verlegungen zwischen Krankenhäusern zum Ausgleich und zum Erhalt der Funktionsfähigkeit durchgeführt" werden, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten.

"Im Norden gibt es noch Kapazitäten, im Süden sind sie praktisch aufgebraucht", heißt es demnach im Bericht der länderübergreifenden Steuerungsgruppe des so genannten "Kleeblatt-Systems" zur Patientenverteilung bei regionaler Überlastung. Die 16 Bundesländer sind in bundesweit fünf Gruppen (Kleeblätter) eingeteilt, die sich zunächst gegenseitig helfen sollen. Ist ein ganzes Kleeblatt überlastet, wird deutschlandweit verteilt.

Bayerns Gesundheitsministerium: Noch kein Kleeblatt-Verfahren

Das bayerische Gesundheitsministerium erklärte auf BR-Anfrage jedoch, dass das Kleeblatt-Verfahren aktuell noch nicht aktiviert sei. Es habe auch keinen Verlegungen ins Ausland gegeben.

Dennoch könne es sein, dass in Regionen an den Grenzen zu anderen (Bundes-)Ländern bayerische Patienten von Kliniken in anderen Ländern übernommen wurden. Genauso hätten auch bayerische Kliniken Patienten aus anderen Ländern übernommen und würden diese auch weiterhin übernehmen. Das habe aber nichts mit der Kleeblattstruktur zu tun, erklärte das Ministerium auf BR-Anfrage.

Zu der Frage, ob bereits absehbar ist, dass es in den nächsten Tagen zu einer Aktivierung der Kleebattstruktur kommen wird, wollte sich das Ministerium nicht äußern. Ein Sprecher des Ministeriums wies lediglich darauf, dass die Kleeblattstruktur dazu dient, schnell reagieren zu können - ohne große Vorbereitungen.

In Bayern waren dem Divi-Intensivregister zufolge am Freitag nur noch 9,1 Prozent der Intensivbetten frei: 282 von insgesamt 3.104.

Grafik: Intensivpatienten in Deutschland

Bayerische Kliniken am Anschlag

Das Klinikum Ingolstadt teilte mit, es könne momentan keine Intensivpatienten mehr aufnehmen – weder Covid-19-Erkrankte noch andere Notfälle. Klinikleiter Andreas Tiete sprach von einer dramatischen Situation für sein Haus und die umliegenden Krankenhäuser.

Ähnlich ist die Lage in den RoMed-Kliniken im Landkreis Rosenheim, wie Geschäftsführer Jens Deerberg-Wittram in einem BR24 extra bestätigt. Die Konsequenz sei, dass Patienten, die zwar halbwegs stabil sind, im Normalfall aber noch auf der Intensivstation belassen würden, bereits auf die Normalstationen zurückverlegt werden müssten, um die Betten freizubekommen.

Dr. Jens Deerberg-Wittram von den RoMed-Kliniken in Rosenheim: Wir sind über den Anschlag hinaus

Bildrechte: BR

Zusätzliche Belastung: Corona-Leugner und Personalmangel

Dazu komme, dass Corona-Leugner immer wieder das Klinikpersonal angriffen. Es sei schon vorgekommen, dass Pfleger, Schwestern oder Ärzte bespuckt worden seien oder dass Masken heruntergerissen würden. Das sei für die Menschen, die in den Kliniken arbeiteten "traumatisierend", so Deerberg-Wittram. Massenkündigungen habe es zwar bislang nicht gegeben, aber es werde zunehmend schwer, freiwerdende Stellen nachzubesetzen.

Das bestätigte auch Gerhard Wolf im Interview mit BR24. Er ist Chefarzt der Kinderklinik in Traunstein. Er sprach vor allem von einem "gravierenden Mangel" bei Krankenschwestern und Krankenpflegern. Selbst wenn Intensivbetten frei seien, könnten sie oft nicht versorgt werden. Auch deshalb könne es dazu kommen, dass Patienten abgewiesen werden müssten.

Mehrere Kinder in Traunstein auf Intensivstation

Wolf erklärte, in seiner Klinik lägen mittlerweile mehrere Kinder auf der Intensivstation, mehrere würden beatmet. Bei ihnen nehme zudem das sogenannte Inflammatorische Syndrom zu.

Die Symptome träten einige Wochen nach einer Corona-Infektion auf. Sie verursachten Herzmuskelentzündungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wenn sich mehr Erwachsene und auch Jugendliche ab zwölf Jahren gegen Corona impfen ließen, würde sich auch der Schutz für die Kinder verbessern, betonte Wolf.

Dr. Gerhard Wolf, Kinderklinik Traunstein: Alle Kinderkliniken in Bayern am Limit

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