BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern
© dpa-Bildfunk/Sven Hoppe
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe

Holetschek fordert doppeltes Gehalt für Intensivpflegekräfte

26

    Holetschek fordert doppeltes Gehalt für Intensivpflegekräfte

    Die Intensivstationen sind am Limit. Das liegt auch am erheblichen Personalmangel. Eine weitere Verschärfung dessen scheint so gut wie sicher. Gesundheitsminister Holetschek will deshalb jetzt die Bezahlung deutlich verbessern.

    Von
    BR24  RedaktionBR24 Redaktion
    26

    Die eskalierende Situation auf den Intensivstationen in Deutschland hat den bayerischen Gesundheitsminister und Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferenz, Klaus Holetschek, zu einem neuen Vorschlag bewogen. Intensivpflegekräfte sollen demnach für die kommenden zwölf Monate deutlich mehr Geld bekommen.

    "Keine Tabus" bei Unterstützung der Intensivpflegekräfte

    "Ich schlage vor, dass wir das Gehalt der Pflegekräfte auf den Intensivstationen für die kommenden zwölf Monate steuerfrei stellen oder dass wir es durch einen Staatszuschuss für dieses Jahr verdoppeln", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit". Holetschek erhofft sich davon, den akuten Mangel an Kräften beheben zu können. Durch ein höheres Einkommen ließe sich die aktuelle Lage verbessern. "Es muss ein großer Aufschlag sein, kein Klein-Klein."

    Zur akuten Hilfe für die Pflegekräfte brauche es nachhaltige Lösungen. "Wir müssen für Pflegekräfte die Wohnsituation und die Kinderbetreuung verbessern und Zuschüsse zum Wohnen zahlen. Ich würde da jetzt keine Tabus aufstellen", sagt Holetschek. "Wir müssen das jetzt wirklich groß denken, auch mit Hilfen außerhalb des Gesundheitssystems, sonst kommen wir in der nächsten Welle in die gleiche Situation."

    Ampel plant weiteren Pflegebonus

    Auch die geplante Ampelkoalition will unter anderem die finanzielle Situation der Pflegekräfte auf den Intensivstationen verbessern. Sie hat sich für einen erneuten Bonus an alle Pflegekräfte in Heimen und Krankenhäusern ausgesprochen und will dafür eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Dabei soll die Steuerfreiheit des Pflegebonus auf 3.000 Euro steigen. Auch soll die Gehaltslücke zwischen Kranken- und Altenpflege geschlossen werden.

    Linksfraktionschef Dietmar Bartsch verlangte eine "fünfstellige steuerfreie Rückkehrprämie" für Ex-Pflegekräfte. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch) sagte er, die gleiche Summe sollten auch die aktuellen Pflegekräfte als Bonus erhalten.

    Bald möglicherweise kaum noch Pflegekräfte auf den Intensivstationen

    Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx, hat sich für strikte Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ausgesprochen. Trotz leicht gesunkener Sieben-Tage-Inzidenz gebe es keinen Grund zur Entwarnung. Die Intensivstationen würden bald an ihre Grenzen stoßen, sagte Marx im RBB-Inforadio.

    Zur Impfpflicht sagte der Intensivmediziner, es sei lange auf Freiwilligkeit gesetzt worden, nun müsse man drastischer verfahren. Allerdings werde eine Impfpflicht höchstens die fünfte oder sechste Welle brechen können, aber nicht die vierte. Auch ein dreiwöchiger Lockdown müsse in Betracht gezogen werden, sagte der Direktor der Intensivmedizin am Universitätsklinikum Aachen.

    Seine größte Sorge sei, dass nach dieser Welle kaum noch Pfleger vorhanden seien, die sich um die schwerkranken Intensivpatienten kümmerten, weil sie auch aufgrund des Pflegenotstands ausgebrannt seien und den Job dann nicht mehr ausüben wollten.

    Entscheidungen von der Ministerpräsidentenkonferenz erwartet

    Am Donnerstag werden die Ministerpräsidenten mit der geschäftsführenden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und deren designiertem Nachfolger Olaf Scholz (SPD) angesichts der hohen Zahl von Corona-Infektionen und Covid-19-Patienten auf Intensivstationen über weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie entscheiden. Dann findet eine weitere Ministerpräsidentenkonferenz statt.

    "Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!

    Schlagwörter