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Klarheit über Covid-19: Wie gut sind die neuen Antigentests? | BR24

© REUTERS

Antigen-Schnelltest

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    Klarheit über Covid-19: Wie gut sind die neuen Antigentests?

    Nach dem PCR-Test und dem Antikörpertest kommt jetzt der Antigentest auf das Coronavirus. Er zeigt das Ergebnis schon nach 15 Minuten an. Das ist gut für Einrichtungen wie Altenheime oder Kitas. Doch ist der Antigentest wirklich schon einsatzbereit?

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    Bayern will zehn Millionen dieser Schnelltests auf das Coronavirus beschaffen. Doch wie gut sind die Tests? Und wann ist ihr Einsatz überhaupt sinnvoll?

    So funktioniert der Antigentest

    Antigentests müssen nicht erst im Labor ausgewertet werden, das Ergebnis können Patienten und Ärzte direkt auf dem Teststreifen ablesen. Mit Kosten von rund zehn Euro sind Antigentests günstiger als PCR-Tests, die bis zu 60 Euro kosten.

    Antigentests weisen - wie PCR-Tests - direkt den Erreger von SARS-CoV-2 nach. Der Unterschied: PCR-Tests suchen nach der viralen RNA, also dem Erbmaterial des Virus. Antigentests suchen nach Eiweißfragmenten des Virus, also nach Proteinen. Der Nasen- oder Rachenabstrich wird hierfür auf einen Teststreifen mit Antikörpern gegeben. Sind im Abstrich genügend Antigene vorhanden, binden sie sich an die Antikörper – und der Teststreifen verfärbt sich. Ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest.

    Einsatz in der Notaufnahme

    Ärzte und Forscher an der Uniklinik Augsburg nutzen die Antigentests seit einigen Wochen: in der Notaufnahme - und bei Patienten ohne Covid-19-Symptome, die für einen anderen Eingriff in die Klinik kommen. Labormediziner Prof. Reinhard Hoffmann hat festgestellt: Die Qualität der Tests schwankt.

    "Wir haben verschiedene Testhersteller ausprobiert. Im ersten Testsystem waren gerade mal 20 Prozent der Tests positiv, die beim PCR-Test positiv waren. Im zweiten Testsystem landen wir jetzt bei rund 80 Prozent. Antigentests geben uns schnell ein Ergebnis. Aber wir wissen, dass dieses Ergebnis nicht zu hundert Prozent zuverlässig ist." Prof. Reinhard Hoffmann, Direktor Institut für Labormedizin und Mikrobiologie, Universitätsklinikum Augsburg

    Um sicher zu gehen, machen die Ärzte im Moment bei jedem Patienten zusätzlich noch einen PCR-Test.

    Wann liefert der Antigentest ein falsches Ergebnis?

    Die Erfahrung am Klinikum Augsburg: Falsche Ergebnisse bekommen die Ärzte beim Antigentest vor allem, wenn bei Patienten nur noch sehr wenig Viruslast im Rachen nachweisbar ist - wie zum Beispiel in der Spätphase einer Covid-19-Erkrankung. Und: Je länger die Ärzte mit den Antigentests arbeiten, um so öfter stimmen die Ergebnisse mit denen der PCR-Tests überein.

    "Natürlich funktionieren sie besser, wenn wir mehr Übung haben. So haben wir zum Beispiel herausgefunden, dass die Verwendung eines falschen Abstrichtupfersystems, mit dem Rachenabstriche gemacht werden, zu sehr starken falsch positiven Signalen führen kann." Prof. Reinhard Hoffmann, Direktor Institut für Labormedizin und Mikrobiologie, Universitätsklinikum Augsburg

    Wie zuverlässig sind die Antigentests?

    Die Angaben verschiedener Herstellung zur Zuverlässigkeit der Antigentests variieren – sie liegen aber meist bei über 90 Prozent. So auch beim Medizintechnikhersteller nal von minden. Seit drei Wochen bietet die Firma Antigentests in Deutschland an:

    "Die Tests sind sehr zuverlässig. Sie haben eine Sensitivität von über 97 Prozent und eine Spezifität von über 99 Prozent. Die Sensitivität beinhaltet die richtig positiven Ergebnisse. Das heißt, wenn jemand infiziert ist, finde ich über 97 von 100 Infizierten mit dem Test. Richtig negativ, da bekomme ich nahezu 100 von 100." Roland Meißner, Geschäftsführer nal von minden, Regensburg

    Dass sich die Ergebnisse aus dem Klinikalltag so deutlich von den Angaben der Hersteller unterscheiden, sei normal, erklärt Prof. Hoffmann:

    "Die Zuverlässigkeit der Tests hängt auch davon ab, welche Gruppe an Menschen ich untersuche. Bei den Zulassungsstudien wird immer eine sehr gut bekannte Gruppe von Menschen unter Laborbedingungen untersucht. Das ist etwas völlig anderes." Prof. Reinhard Hoffmann, Direktor Institut für Labormedizin und Mikrobiologie, Universitätsklinikum Augsburg

    Um ein möglichst genaues Ergebnis zu bekommen, darf bisher nur medizinisches Personal die neuen Tests durchführen. Privatpersonen können sie noch nicht kaufen.

    Gibt es Kreuzreaktionen?

    Im Labor in Regensburg werden die Antigentests ständig weiterentwickelt und zum Beispiel auf eventuelle Kreuzreaktionen untersucht.

    "Wir schauen, ob irgendwelche anderen Substanzen beim Test zu einem positiven Ergebnis führen würden, wie zum Beispiel Grippeviren. Bisher ist das Ergebnis gut, es gibt keine Kreuzreaktionen. Wir untersuchen außerdem, ob wir virale Transportmedien, die für den PCR-Test genutzt werden, auch für den Schnelltest einsetzen können. Das würde den Arbeitsfluss bei der Testung erleichtern." Roland Meißner, Geschäftsführer nal von minden, Regensburg

    Das genauste Ergebnis erzielen Antigentests im Moment bei Personen mit akuten Symptomen, die hoch infektiös sind. Das Ziel: Mit nur einer Probe sowohl einen Schnelltest als auch einen PCR-Test durchführen – und so Reagenzien und Abstrichtupfer einsparen.

    Schnelltests in der Altenpflege?

    Schnell Gewissheit zu haben, das kann in Alten- und Pflegeheimen über Leben und Tod entscheiden. Sonja Schwab leitet in Würzburg den Krisenstab für die Altenhilfe der Caritas. Sie hofft, dass Mitarbeitende der Gesundheitsberufe bevorzugt Zugriff auf zuverlässige Schnelltests bekommen.

    "Ich würde sogar sagen, dass Schnelltests für die Gäste der Tagespflege sehr gut geeignet sind, weil sich dort jeden Tag die Personengruppe ändert. Und wenn einer nur einmal die Woche kommt, kann ich den Schnelltest machen und weiß ganz klar: Er ist negativ, er kann reinkommen." Sonja Schwab, Leiterin Krisenstab Altenhilfe, Caritasverband, Diözese Würzburg

    Der Anfang ist also gemacht bei den Antigentests. Doch bis sie allen nutzen, dauert es noch.

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