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Kirchliche Arbeitnehmer müssen nicht immer Kirchenmitglied sein | BR24

© picture alliance / Sergi Reboredo

Symbolbild einer Kirche

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    Kirchliche Arbeitnehmer müssen nicht immer Kirchenmitglied sein

    Vergibt die Kirche beispielsweise bei einem Wohlfahrtsverband einen Job, können auch Bewerber zum Zuge kommen, die keinem Glauben angehören. Das Bundesarbeitsgericht sprach einer Klägerin jetzt knapp 4.000 Euro Entschädigung zu.

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    Vor sechs Jahren hatte sich die Sozialpädagogin als Referentin auf eine befristete Stelle beim Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung beworben. Allerdings hieß es in der Stellenanzeige, Voraussetzung für eine Einstellung sei die Mitgliedschaft in einer evangelischen oder einer anderen christlichen Kirche. Die konfessionslose Frau wurde daraufhin gar nicht erst zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Das wollte sie nicht hinnehmen und klagte.

    Religionszugehörigkeit muss für Tätigkeit objektiv geboten sein

    Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt gab der Berlinerin nun Recht und sprach ihr knapp 4.000 Euro Entschädigung zu (Aktenzeichen: 8 AZR 501/14). Denn auf der Referentenstelle wäre der kirchliche "Ethos" durch eine konfessionslose Mitarbeiterin nicht wesentlich beeinträchtigt worden. Soll heißen: Die Kirchen dürfen nur dann von Bewerbern verlangen, dass sie einem christlichen Glauben angehören, wenn das für die konkrete Tätigkeit objektiv geboten sei. Die Arbeitsrichter stützten sich dabei auch auf eine Grundsatzentscheidung des Europäischen Gerichtshofs, den sie extra wegen diesen Falls angerufen hatten.

    Diakonie und Evangelische Kirche bedauerten das Urteil. Die Klägerin habe nicht einmal die formale Voraussetzung eines entsprechenden Hochschulabschlusses erfüllt, heißt es. Außerdem sei auch bislang die Personalauswahl "nicht willkürlich" gewesen.

    Grundsatzurteil hat wohl weitreichende Folgen

    Die Kirchen haben in Deutschland eigentlich ein Selbstbestimmungsrecht, das vom Grundgesetz verbrieft ist. Das gibt ihnen einen Sonderstatus als Arbeitgeber. Für die evangelische Diakonie sowie die Caritas der katholischen Kirchen arbeiten in Deutschland zusammen mehr als eine Million Menschen. Weil das Bundesarbeitsgericht dieses Selbstbestimmungsrecht nun in einem entscheidenden Punkt eingeschränkt hat, handelt es sich um ein Grundsatzurteil. Es dürfte Einfluss auf jährlich tausende Stellenausschreibungen haben.