Die Vollversammlung des Reformprojekts "Synodaler Weg".

Die Vollversammlung des Reformprojekts "Synodaler Weg".

Bildrechte: Johannes Reichart/BR
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    Kirche und Missbrauch: Empörung über Voderholzer-Äußerung

    Kirche und Missbrauch: Empörung über Voderholzer-Äußerung

    In der Reformdebatte der katholischen Kirche warben Betroffene für Veränderungen. Für Aufregung sorgte eine Aussage von Regensburgs Bischof Voderholzer. Er sagte, er lehne das "unfehlbare Lehramt der Betroffenen" ab. Mitbrüder widersprachen.

    Am zweiten Tag der Vollversammlung des Reformprojekts Synodaler Weg in Frankfurt kam es zu teils heftigen Diskussionen. Grund dafür war eine Wortmeldung des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer. Nach dem Bericht von Vertretern des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz sprach er davon, dass er "die Tränen der Betroffenen" kenne und sich nicht nachsagen lasse, "dass ich unsensibel bin". Aber die Sorge um Opfer sei von kirchenpolitischen Agenden zu unterscheiden. "Ich lehne eine Emotionalisierung und das unfehlbare Lehramt der Betroffenen ab."

    Dem entgegnete der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck: "Man kann durchaus von einem Lehramt der Betroffenen sprechen und das ist das einzige wirklich unfehlbare. Und dafür bin ich sehr dankbar." Im Gespräch mit BR24 bezeichnete die Münchner Synodale Gudrun Lux die Äußerungen als "zynisch" und "menschenverachtend". Sie sehe keine Gemeinsamkeiten mit Voderholzer. Sie halte ihn als Bischof für nicht mehr tragbar.

    Betroffenenbeirat: Erneute Traumatisierungsgefahr

    Zuvor hatte der Würzburger Kai Christian Moritz vom Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz in seinem Statement gefordert, das Verfahren zu Anerkennungsleistungen für Opfer von sexuellem Missbrauch schnell zu reformieren: "Warum werden Betroffene und damit Opfer von Gewaltverbrechen sehenden Auges einer erneuten und hier ausschließlich systembedingten Traumatisierungsgefahr ausgesetzt?"

    200.000 Austritte pro Jahr

    Auch Claudia Lücking-Michel, Vizepräsidentin des Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), mahnte zu Veränderungen: "Bei 200.000 Austritten pro Jahr kann man nicht so tun, als hätten wir nicht größten Handlungsdruck. Und natürlich angesichts des Missbrauchsskandals. Der verpflichtet uns, die Solidarität mit den Betroffenen jetzt zu handeln."

    "Neuerfindung der Kirche"

    Einen ersten Textentwurf zur Macht- und Gewaltenteilung in der Kirche lehnen einzelne Bischöfe wie Rudolf Voderholzer ab und warnen vor einer "Neuerfindung der Kirche". Andere betonen, schon jetzt handle ein Bischof nicht losgelöst. Der Würzburger Bischof Franz Jung sagte: "In vielen anderen Fragen kann ein Bischof gar nicht einzeln entscheiden. Er braucht Kommissionen, die ihm helfen, entweder Entscheidungen vorzubereiten, diese Entscheidungen zu treffen, das haben wir schon längst nicht. Es wird immer so ein Bild gezeichnet eines totalitären Herrschers. Das ist sicher nicht gegeben."

    Bischofsamt auf Zeit?

    Eine diskutierte Abwahl oder eine zeitliche Begrenzung des Bischofsamtes lehnt der Chef der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, ab. Das Amt sei existenziell verliehen, eine stärkere Selbstverpflichtung sei begrüßenswert: "Dass es Rechenschaft gibt, vor seinem Gottesvolk, vor seinem Gremium, das halte ich für ganz berechtigt, das ist ein gutes Anliegen."

    Bei der zweiten Versammlung des Synodalen Wegs wird deutlich: Für viele Laien und auch Bischöfe sind tiefe Strukturveränderungen notwendig für eine Erneuerung der Kirche.

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