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Kirche und Kriegsende - zwischen Schuld und Sühne | BR24

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Beim Reichsparteitag 1934 begrüßt Hitler den evangelischen Bischof Ludwig Müller, Spitze der Deutschen Christen, die mit dem Regime folgten.

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    Kirche und Kriegsende - zwischen Schuld und Sühne

    Mit einem Gottesdienst im Berliner Dom erinnern die beiden großen Kirchen an das Kriegsende vor 75 Jahren - und damit auch an ihr eigenes Verhalten im Dritten Reich. Kirchenvertreter haben das Hitler-Regime mehr oder weniger aktiv unterstützt.

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    Am 8. Mai 1945 war Selbstkritik bei Kirchenvertretern kein Thema. Vielmehr ging es ums nackte Überleben. Dem Münchner Kardinal Michael von Faulhaber ging es auch in der NS-Zeit ums Überleben der Kirche, wie aus seiner Silvesterpredigt von 1941 hervorgeht: "Ich meine also den Kampf gegen die Kirche, den Kampf zur Unterdrückung und die Ausrottung der Kirche auf deutschem Boden. Da wird die Kirche von Spionen umlauert."

    Am Institut für Zeitgeschichte in München beschäftigt sich Peer Volkmann mit den Schriften Faulhabers. Der Historiker sagt: "Die katholische Kirche sieht sich als die einzige im Nationalsozialismus intakt gebliebene moralische Instanz, man hat zu den Verfolgten gehört. Und wenn man sich das Konzentrationslager Dachau anschaut, dann sitzen da 2.500 Geistliche zwischen 1933 und 1945."

    Ideologische Schnittmengen mit dem Hitler-Regime

    Es gibt Widerstand aus den Kirchen, zumindest auf der Ebene der Seelsorger. Noch in der Weimarer Republik wandte sich die Katholische Kirche strikt gegen den Nationalsozialismus. Nach der Ernennung zum Reichskanzler wurde Hitler jedoch als die legitime Obrigkeit akzeptiert, so Volkmann: "Dann gibt es natürlich diese ideologischen Schnittmengen. Die katholische Kirche ist antikommunistisch, die katholische Kirche ist antiliberal und sie ist natürlich auch antidemokratisch im Hinblick auf die Weimarer Reichsverfassung von 1919."

    Eine Schnittmenge zur NS-Ideologie besteht auch in der Evangelischen Kirche. Eine Reflexion der eigenen Schuld ist nach 1945 auch bei den evangelischen Christen nur selten anzutreffen. Nach dem Krieg sagte dazu der bayerische Landesbischof Hans Meiser: "An Protesten hat es auch während des Krieges nicht gefehlt. Vielleicht hätten die Zeugnisse lauter sein müssen, unterblieben ist es nicht."

    Bei allen Erklärungen der Kirchen nach dem Krieg habe es sich um theologische Deutungen gehandelt, sagt der Kirchenhistoriker Karl-Heinz Fix. So auch bei der Stuttgarter Erklärung der Evangelischen Kirche vom 19. Oktober 1945: "Da ist vom Abfall von Gott die Rede. Auch wenn dieser Text immer als Stuttgarter Schulderklärung bezeichnet wird, er heißt nicht so, er heißt nur Stuttgarter Erklärung. Es geht um die Abwendung von Gott, metaphysische Mächte, Mächte des Bösen. Übrigens die gleichen Kategorien, mit denen man 1933 erklärt hat, warum Adolf Hitler der Retter vor dem Untergang ist."

    Bischöfe zeigen heute Reue

    Die Kirchen im NS-Staat agierten in einem vielschichtigen Spannungsfeld zwischen Nicht-Anpassung und Kooperation. Erst in den letzten Jahrzehnten ist ein differenzierter Blick auf die eigene Rolle möglich.

    Die Deutsche Bischofskonferenz veröffentlichte dazu gerade ein 23-seitiges Schuldbekenntnis. Darin steht: "Gegen die ungeheuerlichen Verbrechen insbesondere den Juden habe sich in der Kirche in Deutschland kaum eine Stimme erhoben", so die Meinung der katholischen Bischöfe heute.

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