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Kirche bewegt sich bei Entschädigung von Missbrauchsopfern | BR24

© picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa

Bischöfe betreten zu Beginn ihrer Herbstvollversammlung den Fuldaer Dom. In der Mitte der Missbrauchsbeauftragte Bischof Stephan Ackermann.

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    Kirche bewegt sich bei Entschädigung von Missbrauchsopfern

    Bei der Entschädigung von kirchlichen Missbrauchsopfern gibt es Fortschritte. Die katholischen Bischöfe haben sich grundsätzlich für eine Weiterentwicklung des Entschädigungsmodells ausgesprochen. Dies könnte knapp eine Milliarde Euro kosten.

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    Bei der Entschädigung von Missbrauchsopfern in der katholischen Kirche gibt es Fortschritte. Die katholischen Bischöfe haben sich bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda grundsätzlich für eine Weiterentwicklung des Entschädigungsmodells ausgesprochen, teilte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, mit.

    Verantwortung der katholischen Kirche für "erlittenes Unrecht"

    Die katholische Kirche will das Anerkennungssystem überarbeiten. Die Bischöfe folgen dem Vorschlag der Arbeitsgruppe, in der auch Vertreter der Opfervereinigung "Eckiger Tisch" sitzen. Wie genau die Entschädigung aussehen und wann das Entschädigungsmodell beschlossen wird, ist aber noch nicht klar.

    Der Sprecher der Opfervereinigung, Matthias Katsch, bedankte sich für die ernsthaften und konstruktiven Gespräche. Das Modell definiert die Entschädigungszahlungen als "Verantwortungsübernahme der katholischen Kirche", in dem sie das erlittene Unrecht anerkennt und für die erlittenen Folgen finanziell aufkommt. Bisher hatte die Kirche nicht von "Unrecht", sondern immer nur von der "Anerkennung zugefügten Leids" gesprochen.

    Kosten bis zu einer knappen Milliarde Euro

    Katsch sagte vor Journalisten, auf dem Tisch lägen zwei unterschiedliche Modelle: Das eine sehe eine pauschale Entschädigung von Opfern in Höhe von rund 300.000 Euro vor. Bei schätzungsweise 3.000 Anträgen von Opfern würde dies die Kirche knapp eine Milliarde Euro kosten. Ein alternativer Vorschlag umfasse ein abgestuftes Entschädigungsverfahren mit einem Grundbetrag und weiteren Entschädigungsleistungen von 40.000 bis 400.000 Euro.

    Die Bischöfe müssten jetzt über die Grundsatzentscheidung hinaus konkrete Verfahren beschließen, so Katsch. Es gehe darum, welche Gremien über die Entschädigungshöhe entscheiden könnten, ob es einen gemeinsamen Fonds der Bistümer und Orden gebe und in welcher Höhe Entschädigungen gezahlt würden.

    "Lasst uns das, was machbar ist, schnell machen." Matthias Katsch, Sprecher Opfervereinigung

    Bisher 2.100 Opfer entschädigt

    Einen Zeitplan dazu werde es wohl nicht vor Beginn des Jahres 2020 geben. Bis Ende des Jahres werden zunächst die Regelwerke der Aufarbeitung und Prävention von Missbrauch überarbeitet sein und Anfang 2020 in Kraft treten, so Bischof Ackermann. Dazu komme ein Monitoring mit der Frage "Wie wirkt die Prävention und was funktioniert bereits gut?"

    Bis heute wurden etwa 2.100 Menschen von der katholischen Kirche in Deutschland entschädigt. Neun Millionen Euro sind gezahlt worden. Die Empfehlungssummen reichten hierbei von 1.000 bis zu 15.000 Euro. Im Durchschnitt waren es circa 5.000 Euro als "Anerkennung zugefügten Leids".