Auch die Kirche mischt auf dem Wohnungsmarkt mit. Doch zu welchen Konditionen? Laut Mieterverein München sind sie nicht sozialer als bei anderen.

Auch die Kirche mischt auf dem Wohnungsmarkt mit. Doch zu welchen Konditionen? Laut Mieterverein München sind sie nicht sozialer als bei anderen.

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    Kirche als Vermieter – sozialer als andere Anbieter?

    Kirche als Vermieter – sozialer als andere Anbieter?

    Wohnungsnot betrifft immer mehr Menschen: Im Großraum München müssen Mieter teils schon die Hälfte des Netto-Verdiensts für ihre vier Wände berappen. Günstiger sind kirchliche Wohnungsunternehmen. Doch wie sozial sind deren Konditionen?

    Gabriele Goretzki ist glückliche Mieterin einer Wohnung des Katholischen Siedlungswerks im Münchner Stadtteil Berg am Laim. Seit 2005 wohnt sie hier. "Die Gemeinschaft, die wir hier haben, ist wirklich sehr schön, sehr freundschaftlich, quer durch alle Generationen, sehr unterschiedlich und sehr bunt", schwärmt sie. Vier Wochen dauerte es damals vom Antrag auf eine Wohnung bis zur Zusage – eine nach heutigem Gefühl unglaublich kurze Zeit.

    Der Quadratmeterpreis: rund zwölf Euro. Das ist in der Regel günstiger als auf dem freien Markt. Das Katholische wie auch das Evangelische Siedlungswerk sind jeweils eine GmbH und trotz kirchlichen Hintergrunds gewinnorientiert. Daher bekommt auch nur eine Wohnung, wer ein Einkommen nachweisen kann. Und wenn eine Beziehung zerbricht, wird schon mal nachgeprüft, ob der zurückgebliebene Partner alleine die Miete stemmen kann.

    Mieterverein: Kirchliche Vermieter nicht übermäßig sozial

    Die Kirchen zählen in Deutschland zu den größten Immobilieneigentümern. So wurde der Immobilienbestand der katholischen Kirche etwa vor einigen Jahren auf rund 130.000 Wohnungen geschätzt, aktuelle Zahlen gibt es aber nicht. Nach Angaben des Evangelischen Immobilienverbands Deutschland besitzen evangelische Kirchen insgesamt 75.000 Gebäude. Und nur etwa 30 Prozent des evangelischen Gebäudebestands werden demnach sakral genutzt.

    Kirchliche Vermieter findet der Mieterverein München generell nicht übermäßig sozial. "Sie benehmen sich genauso, wie andere Großvermieter sich auch benehmen, und machen ihre Mieterhöhungen, wenn sie eine Mieterhöhung machen können", sagt Anja Franz vom Mieterverein München. Es gelte also nicht der Grundsatz: "Das Beste, was man haben kann, ist eine kirchliche Einrichtung als Vermieter, denn da kommt man immer wahnsinnig günstig weg."

    Der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen sieht das anders. Die vergleichsweise günstigen Preise wirkten als natürliche Mietpreisbremse.

    Katholische Stiftung führt Mieteinnahmen in Wohnraum zurück

    Bei der katholischen Joseph-Stiftung in Bamberg wird nicht, wie bei den meisten GmbHs, Geld an Gesellschafter ausgeschüttet, die Stiftung muss nur die Stiftungseinlage erhalten. Die Gewinne, die durch Mieten entstehen, werden wieder in Wohnungen gesteckt oder in damit verbundene soziale Programme.

    Aber was, wenn ein Mieter seine Miete nicht zahlt? Andreas Heipp, Vorstandsmitglied der Joseph-Stiftung, sagt, das sei meistens bei Menschen der Fall, die aufgrund einer bestimmten Lebenssituation überfordert seien. "Denen wollen wir dann helfen, und wir wollen vermeiden, dass geräumt werden muss. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass wir uns schlussendlich von einem Mieter trennen müssen", räumt Heipp ein.

    Die Wartelisten sind bei kirchlichen Wohnungsunternehmen mittlerweile meterlang. Die Mieten gelten auf dem heiß umkämpften Wohnungsmarkt eben als vergleichsweise fair.

    Keine Sorge vor Eigenbedarf

    In Berg am Laim ist Gabriele Goretzki mit ihrer Wohnsituation und mit ihrem Vermieter hochzufrieden. Sie empfindet das katholische Siedlungswerk sehr wohl als einen "sozialen Vermieter". "Einfach dahingehend, dass sie darauf schauen, dass sie diese Wohnungen an Familien oder Paare vergeben, die ein nicht so hohes Einkommen haben. Man muss hier auch keine Angst haben, dass Eigenbedarf angekündigt wird."

    Unterm Strich sind Wohnungen kirchlicher Vermieter also keine Schnäppchen, aber sehr begehrt. Auch, weil richtig böse Überraschungen in der Regel ausbleiben.

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