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Kindesmissbrauch in Münster: "Das erweckt Wut und Hass" | BR24

© dpa/Guido Kirchner

In der Gartenlaube brachte der mutmaßliche Täter Teile seiner Server-Anlage unter.

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    Kindesmissbrauch in Münster: "Das erweckt Wut und Hass"

    Ein gepflegter Vorgarten, eine weiße Gartenlaube, ein Kettcar lehnt an der Wand – hinter dieser Fassade wurde Kindern derart brutale Gewalt angetan, dass Ermittler nach Worten ringen.

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    Ein gepflegter Vorgarten, eine strahlend-weiße Gartenlaube, dicht an dicht mit den Nachbar-Häuschen, ein Kettcar lehnt an der Wand – hinter dieser Fassade wurde Kindern derart brutale Gewalt angetan, dass Ermittler nach Worten ringen.

    In der Kleingartenanlage Am Bergbusch im münsterischen Stadtteil Kinderhaus will kaum jemand mit Vertretern des Medientrosses sprechen, der da an diesem Samstagnachmittag seine Bahnen durch die Rabatte zieht. Einer sagt uns im Gespräch im Vereinsheim, er sei völlig erschüttert, das hätte er nicht für möglich gehalten. Vor ein Mikrophon will er nicht, überhaupt müsse er das erst einmal verdauen.

    Ermittler sind fassungslos

    Polizeipräsident Rainer Furth spricht von "abscheulichem Dreck", den die Beamten in den nächsten Wochen und Monaten durchwühlen müssen nach Beweisen, um dieser Bande das Handwerk zu legen.

    Immer wieder taucht in den Videos ein kleiner Junge auf, zehn Jahre alt. Ihn kennen die Laubennachbarn vom Bergbusch nur vom Spielen draußen, ganz normal, niemand hat etwas gemerkt. Doch er wurde gemeinsam mit einem Fünfjährigen in einer Nacht im April von vier erwachsenen Männern auf das Schwerste missbraucht.

    Dieses Video, gedreht in einem Raum mit Doppelbett und Stockbetten, ist mehrere Stunden lang, die Kinder werden wieder und wieder missbraucht, Gegenstände werden benutzt, das Schlimmste sei die Tonspur gewesen. Ermittler und Kriminalhauptkommissar Joachim Poll sieht man seine Fassungslosigkeit an. "Sie können es sich nicht vorstellen", sagt er. "In einem selbst erweckt das Wut und Hass."

    Kinder erbarmungslos missbraucht

    Dieser Zehnjährige Junge ist der Sohn der Lebensgefährtin des Hauptverdächtigen aus Münster. Und durch Videos von ihm kommen die Ermittler auf die Spur der anderen Verdächtigen und vor allem auf die der anderen Opfer, fünf und zwölf Jahre alt.

    Ein Kind ist der Neffe eines Verdächtigen, ein Kind der Sohn eines anderen Verdächtigen. Die Kinder seien in Autos verfrachtet und zum Missbrauch angeboten worden, unzählige Videos wurden im Darknet verbreitet. Von Kindern, "die diese Personen eigentlich hätten behüten müssen", so Joachim Poll.

    Jugendamt kannte Opferfamilie

    Oberbürgermeister Markus Lewe ist "erschrocken, dass unsere Stadt offenbar Schauplatz solch schrecklicher Taten war." Der Hauptverdächtige war dem Jugendamt bekannt als Besitzer und Verkäufer kinderpornografischer Daten, 2015 und 2016 hatte das Amt Kontakt zum dem Opfer. Das Familiengericht sah keinen Anlass, das Kind aus der elterlichen Verantwortung zu nehmen.

    Der Mann war vorbestraft wegen Vertriebs kinderpornografischer Daten, zwei mal auf Bewährung, und – so betonen die Ermittler – weil die Straftaten, die zur zweiten Verurteilung führten, keinen Verstoß der Bewährungsauflagen darstellten. Weil sie eben erst nach der Bewährungszeit geschahen. So ein Detail macht den Unterschied zwischen Haft und Freiheit.

    Hinter den weißen, kamerabewehrten Wänden der Gartenlaube konnte er – offenbar – diesen Taten nachgehen. Seine Mutter hat ihm den Schlüssel dazu überlassen, mutmaßlich im Wissen um das, was dort geschieht. Keine vier Meter entfernt stehen die nächsten Hütten. Die mutmaßlichen Täter von Münster sind keine verwahrlosten Laubenpieper, es sind IT-Spezialisten mit professioneller Technik, einem klimatisierten Serverraum, die mit einem Klick alle Daten hätten für immer verschwinden lassen können. Und fast alle schweigen.

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