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Kindesmissbrauch: 13 und 12 Jahre Haft für Täter von Lügde | BR24

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Nachdem sie Kinder über viele Jahre auf einem Campingplatz in Lügde missbraucht hatten, wurden die beiden Angeklagten heute zu hohen Haftstrafen verurteilt.

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Kindesmissbrauch: 13 und 12 Jahre Haft für Täter von Lügde

Im Prozess um den hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde ist das Urteil gegen die zwei Haupttäter gesprochen worden. Ein Mann muss für 13 Jahre ins Gefängnis, ein anderer Mann für 12 Jahre.

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  • Auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde sind 34 Kinder über Jahre hinweg sexuell missbraucht und dabei gefilmt worden
  • Während der Ermittlungen verschwinden Beweismittel, der leitende Beamte wird suspendiert
  • Weitere Beweismittel werden beim Abriss der Camping-Behausung des Haupttäters entdeckt
  • Drei Männer (Andreas V., Mario S. und Heiko V.) müssen sich seit dem 27. Juni vor dem Landgericht Detmold wegen schweren Kindermissbrauchs und der Kinderpornografie vor Gericht verantworten
  • Das Verfahren gegen Heiko V. wird am zweiten Tag des Prozesses abgetrennt, da er nie auf dem Campingplatz gewesen ist
  • Alle Angeklagten haben im Prozess Geständnisse abgelegt
  • Die Detmolder Jugendschutzkammer hat im Prozess 33 Zeugen, darunter 16 Opfer und zwölf Angehörige, vernommen
  • Zu den Opfern eines der Haupttäter zählte laut Anklage auch ein Mädchen, das als Pflegetochter bei ihm einzog und als Lockvogel diente, um an weitere Opfer zu kommen
  • Am 17. Juli wird das erste Urteil im abgetrennten Verfahren gegen Heiko V. gesprochen. Er wird wegen Anstiftung und Beihilfe zum sexuellen und schweren Missbrauch von Kindern zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt
  • Im nordrhein-westfälischen Landtag soll ein Untersuchungsausschuss Ermittlungspannen und Fehler der Behörden aufklären

Im Prozess um den hundertfachen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hat das Gericht gegen die beiden Haupttäter Andreas V. und Mario S. hohe Haftstrafen verhängt und zusätzlich die anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet.

Lange Haftstrafen aufgrund der hohen Anzahl an Missbrauchsfällen

Das Landgericht Detmold verurteilte den 56-jährigen früheren Dauercamper Andreas V. wegen 223-fachen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und 62-fachen Kindesmissbrauchs zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren.

Der 34-jährige Mario S. muss wegen 48-fachen schweren Kindesmissbrauchs und 99-fachen sexuellen Missbrauchs für 12 Jahre hinter Gitter.

Hinzu kamen für beide Täter jeweils einige andere Delikte wie die Herstellung kinderpornografischer Schriften und sexuelle Nötigung.

Gericht erkennt keine Reue bei den beiden Tätern

"Nach wie vor fällt es schwer, das Geschehen in Worte zu fassen", sagte die Vorsitzende Richterin Anke Grudda in der Urteilsbegründung. Worte wie "abscheulich, monströs, widerwärtig" reichten nicht aus, das Geschehen zu beschreiben. "Auch nach zehn Verhandlungstagen bleibt die Fassungslosigkeit."

Die beiden seien für Taten an 32 Kindern verurteilt worden. Die Zahl der Opfer sei vermutlich viel höher. Die Richterin sprach die Verurteilten mehrfach direkt an: "Sie haben 32 Kinder und Jugendliche zu Objekten ihrer sexuellen Begierden degradiert und 32 Kindheiten zerstört." Die Kammer habe leider nicht den Eindruck gewinnen können, dass die beiden auch nur ansatzweise verstanden hätten, welche Schuld sie auf sich geladen hätten.

Zusätzliche Sicherungsverwahrung für die Täter

Für beide Täter ordnete das Gericht eine Sicherungsverwahrung an. Diese ist laut NRW-Justizministerium rechtlich nicht als Strafe einzuordnen. Ihr Zweck ist es, gefährliche Täter zu bessern und die Allgemeinheit zu schützen. Bei diesen Straftätern bestehe der Hang, erhebliche und für die Allgemeinheit gefährliche Straftaten zu begehen.

Missbrauchsbeauftragter Rörig: Urteil ist "wichtiges Signal"

Johannes-Wilhelm Rörig, der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, hat die Urteile als ein "wichtiges Signal" des Rechtsstaats bezeichnet. Für die Opfer und deren Angehörige sei es bedeutend zu wissen, "dass Justiz und Gesellschaft auf ihrer Seite stehen und ihr Leben jetzt wieder sicher ist", erklärte er am Donnerstag. "Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Gewalttaten zu verarbeiten."

Rörig: Forderung nach größeren Anstrengungen zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch

Rörig forderte Bund und Länder zugleich auf, die Bekämpfung des Kindesmissbrauchs und der Anfertigung kinderpornografischer Bilder auf rechtlicher Ebene "vehement voranzutreiben". Der Strafrahmen müsse verschärft werden. Das hätten die Innenminister der Länder bereits gefordert, worüber er "erleichtert" sei, erklärte er.

Herstellung und Verbreitung kinderpornografischen Materials würden von Ermittlungsbehörden und Gerichten noch zu oft als Fälle minder schwerer Kriminalität angesehen, kritisierte Rörig in Berlin. Er wünsche sich eine "Neubewertung des Unrechtsgehalts dieser Straftaten durch den Gesetzgeber". Zudem unterschätzten viele Bundesländer das Problem. Die Länder müssten für mehr Kooperation zwischen Justiz, Jugendämtern, Polizei, Schulen, Kitas und anderen Stellen sorgen.

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Im Prozess um den hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde ist das Urteil gegen die zwei Haupttäter gesprochen worden. Ein Mann muss für 13 Jahre ins Gefängnis, ein anderer Mann für 12 Jahre.